David Hornemann von Laer (Wissenschaftler an Uni Witten/Herdecke zur Einladung und dem Vortrag von Daniel GANSER heute Abend; 29.10.2015

globalcrisis/globalchange NEWS
Martin Zeis, 29.10.2015

Hallo zusammen,

telepolis veröffentlicht heute ein Interview mit dem Kunst- und Wahrnehmungswissenschaftler David Hornemann von Laer von der Universität Witten/Herdecke zu den Gründen, weshalb er den Historiker und Friedensforscher Daniele Ganser zu einem Vortrag „Fakten, Meinungen, Propaganda – Wie mache ich mir selbst ein Bild?“ eingeladen hat. Hornemann beschreibt zum Schluss auch das zentrale Anliegen seiner Tätigkeit an der Universität:

“ … Warum haben Ihrer Auffassung nach heute so viele Menschen Angst davor, sich selbst ein Bild zu machen?

David Hornemann von Laer: Das liegt daran, dass es zum einen viel einfacher ist, eine Meinung zu übernehmen, als sich selbst anzustrengen und mittels eigener Beobachtungen und Gedanken sich ein eigenes Urteil zu bilden.
Zum anderen kann Ihnen niemand das eigene Beobachten und Denken abnehmen, das heißt, Sie sind dabei immer zunächst allein. Es kann ja sein, dass Sie dann später Menschen finden, die zu demselben Urteil kommen, aber der Weg dahin beginnt alleine. Davor schrecken einige zurück. Denken Sie daran, was für eine Unsicherheit für viele damit verbunden ist, wenn in der Zeitung nicht mehr die Welt erklärt wird, wie sie ist, sondern plötzlich gesagt wird, dass die Journalisten oft nur gekauft sind usw.
Ich versuche deshalb, in meinen Seminaren die Studierenden möglichst nicht zu belehren, sondern sie zu ermutigen, ihren eigenen Augen, ihren eigenen Einsichten zu vertrauen, sodass sie zu eigenen Lösungen, eigenen Ideen durchdringen können und sich nicht einem Kollektiv, einer Autorität unterwerfen müssen.“ (Hervorh. m.z.)

Das gesamte Interview ist im Anhang (pdf. 4 S.) und über unten stehende URL abrufbar.

Grüße,
Martin Zeis

http://www.heise.de/tp/artikel/46/46412/1.html

Weltbild in Gefahr:
Auftritt von Daniele Ganser an Uni in Witten
Marcus Klöckner
Telepolis, 29.10.2015

Hochschule ermutigt Studenten, eigenständig zu beobachten und zu denken

„Fakten, Meinungen, Propaganda – Wie mache ich mir selbst ein Bild?“ – unter diesem Titel wird der Schweizer Historiker und Friedensforscher Daniele Ganser heute einen Vortrag an der Universität Witten/Herdecke halten. *

Ziel ist es, laut Presseerklärung der Universität, den Besuchern der Veranstaltung aufzuzeigen, welche Recherchemöglichkeiten durch das Internet bestehen und wie sich zwischen Fakten, Meinungen und Propaganda unterscheiden lässt.

* vgl. http://www.uni-wh.de/aktuelles/veranstaltungen/veranstaltungs-details/event//daniele_ganser_wer_kontrolliert_die_vierte_gewalt/event/tx_cal_phpicalendar//2015/10/29/

Im Interview mit Telepolis erklärt der Kunst- und Wahrnehmungswissenschaftler David Hornemann von Laer, was ihn dazu bewegt hat, Ganser einzuladen und warum die Universität den Forscher nicht ausladen wird. …

HORNEMANN-zu-Ganser-Vortrag-Uni-Witten151029.pdf

Kai EHLERS: Apropos Sanktionen: Ein Blick auf Russlands Ressourcen; 26.10.2015

globalcrisis/globalchange NEWS
Martin Zeis, 28.10.2015

Hallo zusammen,

nach seiner jüngsten Sommerreise in Russland hat sich Kai Ehlers mit einem fulminanten Text zur russischen Geschichte, den Besonderheiten des Landes und der Untauglichkeit, dieses Land und seine Menschen in Knie zwingen zu wollen, zu Wort gemeldet.

Der vollständige Text ist erreichbar über die folgende URL und im Anhang (pdf, 8 Seiten).

Grüße,
Martin Zeis

http://kai-ehlers.de/2015/10/apropos-sanktionen-ein-blick-auf-russlands-ressourcen/
Apropos Sanktionen: Ein Blick auf Russlands Ressourcen
Von Kai Ehlers [*]

nachgedruckt in NDS 27.10.2015

Nach vorübergehender Annäherung zwischen Russland und dem Westen, speziell der EU, lautet die herrschende Frage des Westens heute wieder, ob die Welt Angst vor Russland haben müsse. Wer glaubte, Russland fünfundzwanzig Jahre nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion wieder auf die Knie zwingen und zu einer Erdöl liefernden Regionalmacht, gar Kolonie herabstufen zu können, sieht sich getäuscht. Wieder einmal, muss hinzugefügt werden. Schon Napoleon, später Hitler unterlagen dieser Täuschung. Jetzt hat Russland den Erweiterungs-Offensiven der EU und der NATO ein klares Njet entgegengesetzt, verwandelt die vom Westen gegen das Land verhängten Sanktionen und Isolierungsversuche in neue eigene Entwicklungsschübe und festigt sein Bündnissystems mit den aus der US-Hegemonie heraustretenden Neuen Welt.

  • Woher nimmt Russland die Kraft der „Weltgemeinschaft“ auf diese Weise zu trotzen?
  • Wie erklärt sich die Russland-Phobie der USA – obwohl doch „einzige Weltmacht“?
  • Wovor fürchtet sich die EU – obwohl doch im Besitz der höchsten zivilisatorischen Werte?

Doppelt gestaffelte Autarkie
Die Antwort ist umwerfend einfach, dabei jedoch, wie es scheint, ebenso schwer zu verstehen wie sie einfach ist: Sie liegt – wenn man sich nicht nur an der Person Wladimir Putins aufhalten will – in Russlands Möglichkeit zur Autarkie. Die russische Autarkie ist doppelt begründet. Das sind zum einen die natürlichen Ressourcen der eurasischen Weite: Gas, Öl, Erze, Wald, Tiere usw.; es sind zum zweiten die sozio-ökonomischen Ressourcen, die aus der Fähigkeit der russischen Bevölkerung zur Eigenversorgung und den damit verbundenen, ins Land eingewachsenen kulturgeo-grafischen Strukturen folgen. Dazu gehört als besonderes Element auch noch die Vielfalt der in Russland lebenden Völker, die zusammen einen Organismus bilden, in dem Zentrum und Autonomie sich noch einmal unterhalb der staatlichen Verwal-tungsstrukturen in besonderer Weise ergänzen. …

Basis der Autarkie – extreme Bedingungen …
Asiatische Produktionsweise …
Russlands Besonderheiten …
Modernisierungsetappen: Stolypin, Lenin, Stalin …
Heute …
Putin …
Internationale Kraftlinien …

Unter all diesen Bedingungen haben die Westmächte, wenn sie Russland klein hal-ten wollen, statt ein starkes Russland als Chance für einen zukünftigen Weltfrieden zu begreifen, nur wenige Optionen. Eine erneute Destabilisierung Russlands auf dem jetzigen Niveau wäre gleichbedeutend mit einer Destabilisierung des Weltmarktes und der internationalen Beziehungen. Eine direkte militärische Zerstörung Russ-lands, die mehr bewirken sollte als nur eine vorübergehende Lähmung des Landes auf dem Niveau der Selbstversorgung wäre angesichts atomarer Bewaffnung der möglichen Kontrahenten gleichbedeutend mit einer Zerstörung der Welt. Daran können selbst größenwahnsinnige Noch-Hegemonisten kein Interesse haben. Was außerhalb rationaler Interessen geschieht, ist eine andere Frage, über die zu speku-

[«*] Kai Ehlers ist Journalist, Publizist und Schriftsteller. Sein Spezialgebiet ist die politische, wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung des post-sowjetischen Raumes. Viele seiner Artikel sind auf der Seite Kai-Ehlers.de nachzulesen – www.kai-ehlers.de.

EHLERS-Blick-auf-Russlands-Ressourcen151027.pdf

Gatekeeper des Empire – „Die dunkle Seite der Wikipedia“ – DOKUMENT: Offener Brief von SPD-Grünen-Piraten in Witt en

Guten Tag,

kein Ereignis der letzten 20 Jahre hatte so weit reichende Folgen wie die Terroranschläge vom 11. September 2001 (innenpolitische in den USA, der andauernde global war on terror, Ausrufung des NATO-Bündnisfalls, der bis heute nicht aufgehoben ist). Zugleich blieben bei keinem anderen Ereignis so viele offene Fragen und Unzulänglichkeiten der offiziellen Untersuchung. Ein Schutzwall an Tabus (vgl. Bröckers, Terror und Tabu) umgibt die Geschehnisse um den 11.9. und die von vielen Seiten (darunter Architekten, Feuerwehrleuten, Geheimdienstlern, Physikern) erhobenen Forderungen nach einer neuen unabhängigen Untersuchung.

Diejenigen, die sich fachlich und wissenschaftlich mit den Anschlägen befassen, werden- ohne Prüfung ihrer inhaltlichen Aussagen und Argumentation – als Verschwörungstheoretiker diffamiert und aus dem etablierten Hochschul- und Medienkontext herausgedrängt.

Welche Rolle die Online-Enzyklopädie Wikipedia dabei spielt, hat der Biologielehrer Markus Fiedler zusammen mit einem Kollegen exemplarisch am Eintrag über den Historiker und Friedensforscher Daniele Ganser recherchiert. Der Dokumentarfilm klärt auf über das Funktionieren von Wikipedia und seine selbst gesetzten Regeln, die mit verschiedenen Rechten ausgestatteten anonymen Hierarchieebenen (Sichter, Administratoren, Bürokraten) und die willkürliche, autoritative Nutzung dieser Rechte, um eine bestimmte Version eines Eintrags durchzusetzen.

Die dunkle Seite der Wikipedia. Ein Film von Markus Fiedler und Frank-Michael Speer

https://www.youtube.com/watch?v=wHfiCX_YdgA

Markus Fiedler ist Diplombiologe, arbeitet als Biologie- und Musiklehrer und ist Gastdozent für das Fach ‚Integrated Media‘ an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg.

Im Zusammenhang mit der Untersuchung verschiedener Deutungen zum 11. September ist im deutschsprachigen Raum vor allem der schweizer Historiker Ganser bekannt. Im Vorfeld seiner Vorträge, die sich auch mit Nato-Geheimarmeen, aufgeklärten Fällen von gewaltsamen Regimechanges der letzten Jahrzehnte und Ressourcenkriegen befassen, startet regelmäßig eine Kampagne, die ihn als Verschwörungstheoretiker und neuerdings Rechtspopulist diffamiert und die Absage der Veranstaltung fordert. Jüngstes Beispiel ist ein Vortrag an der Uni Witten-Herdecke zum Thema „Wer kontrolliert die Vierte Gewalt?“

Dagegen wendet sich ein Bündnis aus SPD, Grünen und Piraten-Partei in einem Offenen Brief. Dieser Offene Brief übernimmt ungeprüft die Verschwörungstheorie-Vorwürfe sowie die Darstellung aus der Wikipedia und verlinkt z. T. auf Quellenbelege aus Wikipedia, die im Dokumentarfilm als Scheinbelege bzw. unseriöse Quellen dechiffriert werden. Darüber hinaus arbeitet er wesentlich mit dem Argument der Kontaktschuld. Die inhaltliche Argumentation von Ganser wird noch nicht einmal ansatzweise wahrgenommen, stattdessen finden sich pauschale Urteile. Allein das Stellen von Fragen zu aus ihrer Sicht geklärten Vorgängen wird von den Autoren und Unterstützern schon als Beleg für einen Verschwörungstheoretiker angeführt. Ein „Argument“ gegen den Referenten Ganser ist die schlichte Unterstellung, er werde von AfD- un d Pegida-Anhängern unterstützt.

Der Offene Brief fordert von den Veranstaltern nicht nur, den Referenten auszuladen, sondern sich von den – ihm unterstellten – weltfremden und undifferenzierten Auffassungen zu distanzieren.

http://www.ruhrbarone.de/daniele­ganser­offener­brief­gegen­911­truther­an­der­uni­-witten­herdecke

Daniele Ganser: Offener Brief gegen 9/11­-Truther an der Uni Witten Herdecke

(Offener Brief im Anhang).

In einer Stellungnahme der Uni hält sie an der Veranstaltung fest:

„Die Universität ist ein Ort der Erkenntnissuche und kein Ort des Dogmas. […] Es gäbe keine wissenschaftlichen Entdeckungen, wenn nicht Wissenschaftler*innen gegen die herrschende Meinung auf ungewöhnliche Phänomene, Erklärungslücken, methodische Fehler und sogenannte Anomalien in Theorien aufmerksam würden und ihrer Neugier auch gegen den Widerstand ihrer Kolleg*innen nachgehen würden“.

(vollständige Stellungnahme im Anhang)

Viele Grüße

Elke Schenk

globalcrisis/globalchange NEWS

Ganser-Stellungnahme Uni-Witten-zum-Offenen Brief 27.10.15.doc

SPD-GUENE-WITTEN-OffenerBrief-Ganser-Verschwörungstheoretiker2015 10.pdf

Uni verteidigt Einladung Gansers 20151028

Presseschau vom 27.10.2015

Quellen: Itar-Tass, Interfax, Ria Novosti, sputniknews, rusvesna.su, voicesevas.ru, hinzu kommen Informationen der Seiten dnr-online, lnr-portal, Novorossia, dnr-news, novorosinform u.a. sowie die offiziellen Seiten der Regierungen der Volksrepubliken dan-news, lug-info. Wir beziehen manchmal auch ukrainische Medien, z.B. BigMir, UNIAN, Ukrinform, KorrespondenT und die Online-Zeitung Timer aus Odessa ein. Zur besseren Unterscheidung der Herkunft der Meldungen sind […]

https://alternativepresseschau.wordpress.com/2015/10/27/presseschau-vom-27-10-2015/

Presseschau vom 26.10.2015

Quellen: Itar-Tass, Interfax, Ria Novosti, sputniknews, rusvesna.su, voicesevas.ru, hinzu kommen Informationen der Seiten dnr-online, lnr-portal, Novorossia, dnr-news, novorosinform u.a. sowie die offiziellen Seiten der Regierungen der Volksrepubliken dan-news, lug-info. Wir beziehen manchmal auch ukrainische Medien, z.B. BigMir, UNIAN, Ukrinform, KorrespondenT und die Online-Zeitung Timer aus Odessa ein. Zur besseren Unterscheidung der Herkunft der Meldungen sind […]

https://alternativepresseschau.wordpress.com/2015/10/26/presseschau-vom-26-10-2015/

Julian ASSANGE: ‘Strategic depopulation’ of Syria likely cause of EU refugee crisis; RT 27 Oct, 2015 02: 13

globalcrisis/globalchange NEWS
Martin Zeis, 27.10.2015

https://www.rt.com/news/319797-syria-depopulation-refugees-assange

Julian ASSANGE: ‘Strategic depopulation’ of Syria likely cause of EU refugee crisis
RT – Published time: 27 Oct, 2015 02:13

The flooding of Europe by countless waves of refugees may be the result of the “strategic depopulation” of Syria carried out by opponents of the country’s government, WikiLeaks founder Julian Assange has suggested.

Transparency organization WikiLeaks has looked through its diplomatic cables and unearthed “an interesting speculation about the refugee movement,” Assange said in an interview with Geek news site, ThePressProject.

“So, the speculation was this: Occasionally opponents of a country would engage in strategic depopulation, which is to decrease the fighting capacity of a government,” he explained.

The whistleblower pointed out that “it’s predominantly the middle class that is fleeing” Syria on account of having “language skills, money, some connections.” Engineers, managers and civil servants are “precisely, the classes that …[are] needed to keep the government functioning,” he said.

30 minute interview with Julian ‪#Assange including on the strategic depopulation of Syria — see: http://thepressproject.gr/podcast/final_assange.mp3

(…)

ASSANGE-Strategic-Depopulation-of-Syria151027.pdf

Pläne der EU-Kommission zur „Vollendung der Wirtschafts- und Währungsunion“ – Demokratie abgewickelt

http://norberthaering.de/de/27-german/news/482-kommission#weiterlesen

Die EU-Kommission geht an die Arbeit: Bis 2025 soll die Demokratie abgeschafft sein

22.10.2015 von Norbert Häring

Die Kommission hat ein Maßnahmenpaket beschlossen, mit dem die Wirtschafts- und Währungsunion gestärkt und bis 2025 vollendet werden soll. Grundlage ist der sogenannte „Fünfpräsidentenbericht“. So wie die Kommission das versteht, ist es gleichbedeutend mit der Degradierung der Wähler zu machtlosem Stimmvieh.

Die EU-Kommission macht sich auf den Weg zur Umsetzung der Maßnahmen, die Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker in enger Abstimmung mit “Ratspräsident Tusk, Eurogruppenchef Dijsselbloem, EZB-Präsident Draghi und Parlamentspräsident Schulz im sogenannten Fünfpräsidentenbericht zur Härtung der Währungsunion vorgeschlagen hat

Die Maßnahmen zielen ab auf ein von Technokraten regiertes Europa. Die Finanzbranche gehört zu den begeistertsten Unterstützern der Agenda Junckers. Die noch halbwegs demokratisch kontrollierten nationalen Regierungen werden dabei entmachtet. Den vielen schönen Worten zufolge soll die demokratische Legitmierung des Brüsseler Durchregierens ein gestärktes EU-Parlament übernehmen. Aber bei genauem Hinsehen wird nichts geboten als zusätzliche oder genauer terminierte, völlig unverbindliche Diskussionsrunden der technokratischen Machthaber mit den Parlamentarieren.

Die Maßnahmen, die die Kommission nun beschlossen hat, im Einzelnen:

Einführung nationaler Ausschüsse für Wettbewerbsfähigkeit (1)

Die Staaten Europas sollen nach dem Willen der Kommission mit einem Netz von „Ausschüssen für Wettbewerbsfähigkeit“ überzogen werden, die dazu beitragen sollen, dass die angebotsorientierte Politik der EU überall durchgesetzt wird. Das sollen nicht-gewählte Technokraten sein, die Kraft ihres Expertentums Lohnleitlinien festlegen sollen. […]

Wettbewerbsorientierte Lohnpolitik bedeutet nach den Vorstellungen des Kommissionspräsidenten Juncker, die Lohnkostenentwicklung überall an jene in den wichtigsten Exportländern anzugleichen. […]

Die EU-Kommission will die nationalen Lohnleitlinien der Technokraten durchsetzen können. Denn ein komplementäre Maßnahme der Präsidentenstrategie besteht darin, das Verfahren zur Feststellung makroökonomischer Ungleichgewichte zu verschärfen und gleichzeitig zur „Förderung von Strukturreformen“ zu nutzen. Die Lohnpolitik wird also zum makroökonomischen Ungleichgewicht erklärt und sanktioniert, wenn die Löhne nicht moderat genug steigen oder nicht genug fallen. Frei von parlamentarischer Kontrolle könnte kann die Brüsseler Technokratie dann Druck ausüben, dass den Wünschen der Arbeitgeber nachgekommen wird. Denn, ob die Tarifpartner sich an die Lohndäm pfungsleitlinie halten, soll mitbestimmen, ob die Kommission ein Verfahren wegen makroökonomischer Ungleichgewichte gegen ein Land beginnt. […]

Schaffung eines europäischen Fiskalausschusses

Mit der Arbeit der bereits etablierten unabhängigen Fiskalausschüsse auf nationaler Ebene an der Aufgabe, die Staaten finanziell auszutrocknen, ist die Kommission nicht zufrieden. […] Deshalb will die Kommission einen europäischen Fiskalausschuss, der die nationalen Fiskalausschüsse koordiniert. Er soll eine öffentliche und unabhängige Einschätzung abgeben, wie die Aufstellung und Umsetzung der nationalen Haushalte gemessen an den ökonomischen Zielen des Rahmenwerks der EU Fiskalaufsicht zu beurteilen sind. Wer in diesem EU-Fiskalrat sitzen soll, und wer hierüber bestimmt, wird offen gelassen. […]

Schaffung einer europäischen Einlagensicherung

Den Regierungen soll die Bankenregulierung und -aufsicht vollends entzogen werden, denn die Taschen der meisten nationalen Regierungen sind nicht mehr groß genug, um die Megabanken zu retten, wenn es nötig ist. Deshalb sollen die Banken auch zur Einlagensicherung auf die tieferen Taschen des europäischen Steuerzahlers insgesamt zurückgreifen können, der über eine europäische Einlagensicherung haften soll. „Dies wird dafür sorgen, dass sich die Bürgerinnen und Bürger darauf verlassen können, dass ihre Einlagen unabhängig vom Standort sicher sind“, schreibt die Kommission. In Anbetracht der Tatsache, dass nach der letzten Richtlinie für jeweils 100.000 Euro gesicherte Einlagen 800 Euro zur Absicherung zur Verfügung stehen sollen, darf man getrost umschreiben in „überall gleich unsicher“. Das ist ja a uch der Grund, warum künftig die Gläubiger haften sollen, wenn die Banken Pleite gehen. Die Hauptgläubiger sind nämlich mit Abstand die Einleger.(2)

Kapitalmarktunion schaffen

Den Kapitalmärkten will die Kommission auf Einflüsterung der Präsidenten der EZB, Mario Draghi (ehemals Goldman Sachs), und der Bank von England, Mark Carney (ehemals Goldman Sachs),wieder genauso absichtsvoll naiv wie früher eine zentrale Rolle bei der Risikostreuung und damit der Srärkung der Währungsunion zuweisen , als wäre dieser marktfundamentalistische Optimismus durch die Krise in keiner Weise diskreditiert worden. Damit die Kapitalmärkte (also die Banken und sonstigen Finanzinstitute) ihre segensreiche Wirkung voll entfalten können, soll es eine Kaptialmarktunion geben. Sämtliche Hemmschwellen zur freien Betätigung der Marktakteure und zur jederzeitigen freien Bewegung ihrer Geldströme sollen gesch leift werden.

[…]

Noch zum Thema:

In „Die Lügen des Jean-Claude Juncker (2)“ hatte ich aufgeschrieben, was in dem sogenannten Fünfpräsidentenbericht alles grob falsch dargestellt wird.

In: Wie Martin Schulz mit dem Fünfpräsidentenbericht sein Parlament verraten hat, habe ich aufgeschrieben, wie die Vorstellungen des EU-Parlaments zur Weiterentwicklung der EWU ausgebremst und missachtet wurden.

In Junckers Fünfpräsidentenbericht: Der Weg zum postdemokratischen Europa findet sich eine ausführlichere Diskussion der geplanten Maßnahmen, ihrer Hintergründe und ihrer Auswirkungen.

der vollständige Artikel ist unter der o.a. url abrufbar und im Anhang verfügbar.

Anmerkungen E.S.:

(1) Die Entwicklung der EU-Integration folgt seit Jahren dem Muster, die „Subalternen“ (Lukas Oberndörfer), „das Volk, den großen Lümmel“ (Heinrich Heine) und ihre Anliegen durch eine Ausweitung der Disziplinierungsmacht der EU-Exekutive auszuschließen (vgl. Europäisches Semester, Six Pack Economic Governance, Fiskalpakt, ESM). Was hier geplant ist, ist eine Variante des Paktes für Wettbewerbsfähigkeit, dessen Grundzüge die Staats- und Regierungschefs der Eurozone im Herbst 2012 verabredet haben. In den Worten von Angela Merkel in ihrer Rede auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos 2013 sollen „die Nationalstaaten Abkommen und Verträge mit der EU-Kommission schließen, in denen sie sich jeweils verpflichten, Elemente der Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern, die in diesen Ländern noch nicht dem notwendigen Stand der Wettbewerbsfähigkeit entsprechen. Dabei wird es oft um Dinge wie Lohnzusatzkosten, Lohnstückkosten, Forschungsausgaben, Infrastrukturen und Effizienz der Verwaltungen gehen – also um Dinge, die in nationaler Hoheit der Mitgliedstaaten der Europäischen Union liegen. Das heißt also, die nationalen Parlamente müssten solche Verträge legitimieren.“

Die auf der Grundlage des Fünfpräsidentenberichts vorgelegten Pläne der EU-Kommission setzen die bisherige Euro-Krisenbearbeitung zugunsten des Finanzkapitals fort und ergänzen sie um Maßnahmen im Interesse der global tätigen Konzerne, die als „schlagkräftige Akteure auch weltweit agieren können“ sollen (Merkel), durch die beabsichtigte auf Dauer gestellte Senkung von Löhnen und sozialer Absicherung sowie die Privatisierung öffentlicher Infrastrukturen.

(2) D. h. jeder, der ein Giro-, Spar-, Tagesgeldkonto besitzt, gilt als Gläubiger der Bank und kann zur Begleichung der „Spekulations)schulden der Banken herangezogen werden (= sog. „Bail-in“). Dies wurde bei der „Rettung“ Zyperns das erste Mal praktiziert und ist auch für Griechenland geplant. Die Menschen dort sind sauer, weil sie ihre Ersparnisse und Einkommen nicht in Sicherheit bringen können, da seit Ende Juni die vor dem Referendum erlassenen Kapitalverkehrskontrollen nicht aufgehoben wurden. Jeder kann nur max. 420 Euro pro Woche von seinem Konto abheben.

Viele Grüße

Elke Schenk

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HAERING-EU-Komm-setzt-Fünfpräsidentenbericht-zu-WWU-um-2015 10 22.pdf

Martin ZEIS: 3. Weltkrieg oder multipolare Weltordnung? Vortrag am 30.10. in Stuttgart

Martin Zeis

III. Weltkrieg oder multipolare Kooperation

Vortrag am 30.10.2015 um 19:30 im Forum 3, Stuttgart, Gymnasiumstraße/Ecke Theodor-Heuss-Allee

Wer während des Evangelischen Kirchentags in Stuttgart die vom offiziellen Programm ausgegrenzten Veranstaltungen, Aktionen zu den Themen Frieden, Wirtschaftssystem miterlebte, konnte die tiefe Beunruhigung über ein „Aus-den-Fugen-Geraten“ der Welt und über die zunehmende Gefahr eines weiteren großen Krieges in Europa spüren.

Wie kann eine solche Entwicklung erklärt werden, wurde doch mit dem Fall der Mauer die Hoffnung auf eine „Friedensdividende“ verbunden.

Martin Zeis wird in seinem Vortrag die geopolitische Entwicklung seit dem Fall der Berliner Mauer, insbesondere die Politik der USA skizzieren, die glaubten und glauben, ihre 1990ff erreichte absolute Vorherrschaft mit allen Mitteln (Finanz-/Dollar-System, Rohstoffpolitik, militärische Einkreisung Russlands und Chinas, Farbrevolutionen + Stellvertreterkriege weltweit …) ad ultimo verlängern zu können.

Als Gegenbewegung formiert sich seit einigen Jahren die Kooperation einer um die BRICS-Staaten sich scharende Ländergruppe, um sich von dem US-dominierten Bretton-Woods-Weltordnungssystem zu befreien. In atemberaubenden Tempo zieht diese Ländergruppe — mit der Achse Moskau-Peking im Zentrum — im Bereich der Währungen, des Finanzsystems, der Handelsbeziehungen, der Technik/IT-Kommunikation … eine Parallel-Struktur hoch, deren jüngstes Projekt „Neue Seidenstraße“ den Aufbau der Infrastruktur Eurasiens von Moskau bis Wladiwostok, bis Südchina und Indien umfasst.

In diesem Zusammenhang wird anhand der Entwicklung der Syrienkrise und den Aktionen der Anti-IS-Koalition (Syrien, Russland, Irak, Iran, seit kurzem Jordanien) zunehmend deutlich, dass sich die „full-spectrum-dominance“-Strategie des Pentagon/US-Empire als Illusion erweist, nachdem sie schon vielen Millionen Menschen seit 1991/1999 (Irakkrieg 01, NATO-Angriffskrieg auf Jugoslawien) das Leben gekostet hat.

Martin Zeis wird in seinem Vortrag u. a. folgenden Fragen nachgehen:

  • Welche Art von Weltordnung zeichnet sich ab?
  • Nach welchen Vorstellungen/Regeln soll eine multipolare Kooperation gestaltet werden?
  • Inwieweit drehen die Eliten des in einer destruktiven Sackgasse steckenden westlichen (Finanz-)-Kapitalismus-Typs ohne weitere kriegerische Eskalation bei?
  • Lassen sich die EU-Länder von diesem Prozess als US-/EU-/TTIP-/CETA-Block abspalten und
  • Will/kann die geplante multipolare Ordnung das kapitalistische Strukturproblem des fortlaufenden Wachstumszwangs (die Megamaschine der Geldvermehrung; Scheidler) mit all seinen destruktiven Folgen angehen?

Eintritt: € 7,– /Rentner 5,– erm. 4,– /bis 21 J. 2,–

Elke Schenk

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