Dr. Uwe KRUEGER: Die Nähe zur Macht – Eine Netzwerkanalyse beleuchtet die Verbindungen deutscher Top- Journalisten zu Eliten aus Politik und Wirtschaft; MESSAGE, 1-2013

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Von: „Martin Zeis“ <Martin.zeis>
Datum: 29. April 2014 11:14:11 MESZ
An: globalcrisis%Martin.zeis
Betreff: Dr. Uwe KRUEGER: Die Nähe zur Macht – Eine Netzwerkanalyse beleuchtet die Verbindungen deutscher Top- Journalisten zu Eliten aus Politik und Wirtschaft; MESSAGE, 1-2013

Hallo zusammen,

am 27. März 2014 wies Stephan BEST auf dieser Liste auf zwei Beiträge von Dr. Uwe KRÜGER hin, welche durch die Wochenzeitung FREITAG unter der URL: www.freitag.de/autoren/mopperkopp/eliten-netzwerke einer etwas breiteren Öffentlichkeit bekannt wurden.

Dabei handelte es sich um eine Slide-Show (34 Slides) zum Thema: „Eliten-Netzwerke deutscher Journalisten und ihre Auswirkungen am Beispiel der Außen- und Sicherheitspolitik“ vorgestellt auf der 56. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Publizistik und Kommunikationswissenschaft – Dortmund 1.-3. Juni 2011 – abrufbar under der URL:
http://de.slideshare.net/ukrueg/elitennetzwerke-deutscher-journalisten-und-ihre-auswirkungen-am-beispiel-der-auen-und-sicherheitspolitik
sowie um einen gleich betitelten, von Krüger am 04.01.2013 ins Netz gestellten Vortrag.

Ergänzend werden im Folgenden Auszüge aus einem 8-seitigen Artikel Krügers in der Fachzeitschrift MESSAGE sowie weiterführende Links, u.a. zu seinem 378-Seiten-Opus „Meinungsmacht. Der Einfluss von Eliten auf Leitmedien und Alpha-Journalisten – eine kritische Netzwerkanalyse“, das ich allen ListenteilnehmerInnen empfehle, dokumentiert.

Grüße,
Martin Zeis

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Die Nähe zur Macht (1)

Eine Netzwerkanalyse beleuchtet die Verbindungen deutscher Top-
Journalisten zu Eliten aus Politik und Wirtschaft. Vier Journalisten
fallen mit ihrer elitenkonformen Berichterstattung besonders auf.

von Uwe Krüger (2)

(…)

Elitärer Sicherheitsbegriff übernommen?
Die Netzgrafik (ABB. 4) zeigt, dass die vier Journalisten (Klaus Dieter Frankenberger, FAZ; Josef Joffe, ZEIT; Michael Stürmer, Welt; Stefan Kornelius, Süddeutsche – m.z.) große Schnittmengen in ihren Argumenten aufwiesen. Niemand stand gänzlich abseits und benutzte völlig andere Frame-Elemente als die Kollegen. (…)

— Alle vier Journalisten gingen explizit auf den Begriff Sicherheit ein und sagten, dass er breiter geworden ist oder breiter gesehen werden muss (Frame-Element „erweiterter Sicherheitsbegriff“). Beispiel von Stefan Kornelius: „Die Finanzkrise und die Energiedebatte haben gezeigt, dass Sicherheit eigentlich ein breiter Begriff ist.“ (SZ vom 3. Februar 2010). Beispiel von Frankenberger: „Und nach den neuen verteidigungspolitischen Richtlinien wird die Sicherheit Deutschlands auch am Hindukusch verteidigt, der traditionelle geografische Sicherheitsbegriff also globalisiert und ausgeweitet. Dass die traditionellen Beschränkungen aufgegeben wurden, ist richtig, sie waren obsolet geworden, weil die Umstände sich fundamental geändert haben.“ (FAZ vom 24. Mai 2003).

— Alle vier erwähnen einen Katalog von Bedrohungen, wie er ähnlich in den offiziellen Dokumenten von Bundesregierung, EU, Nato und USA vorkommt (Frame-Element „Bedrohungskatalog“). Frankenberger: „Diese Gefahren und Herausforderungen reichen vom Terrorismus über die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen über Energie und Klimawandel bis zu Cyberangriffen, wirtschaftlicher Instabilität und Pandemien.“ (FAZ vom 8. Februar 2010 Joffe: „Von den ‚globalen Herausforderungen’ gibt es, weiß Gott, genug: vom Klima bis zur Armut, vom Terrorismus bis zur Atomrüstung jener, die sich nicht durch besondere Verantwortung auszeichnen“ (Zeit vom 15. Februar 2007)

— Einig sind sich alle vier, dass Deutschland die transatlantischen Beziehungen pflegen muss, um den Bedrohungen angemessen begegnen zu können (Frame-Element „Bündnis mit USA pflegen“). Kornelius: „Wer nach der Alternative zur Nato Ausschau hält, der wird schnell enttäuscht werden: Es gibt keine bessere.“ (SZ vom 8. Februar 2008). Frankenberger: „Als atlantische Gemeinschaft lassen sich die Turbulenzen der neuen multipolaren Welt allemal besser aushalten. Nur in dieser Kombination können die vielfältigen Herausforderungen gemeistert werden.“ ( FAZ vom 5. November 2006)

— Angesichts der Tatsache, dass die Deutschen mehrheitlich skeptisch gegenüber Nato-Militäreinsätzen, insbesondere dem in Afghanistan, eingestellt sind, fordern alle vier die deutsche Politik zu verstärkter Überzeugungsarbeit und mehr Führung auf (Frame-Element „Volk überzeugen!“). Frankenberger: „Den Meinungskampf an der Heimatfront darf die Politik nicht scheuen, wenn sie von dem überzeugt ist, was sie vorgibt. (…) Der Kampf um die ‚hearts and minds’ muss auch bei uns geführt werden.“ (FAZ vom 7. Januar 2008) Joffe: „Alle Politik muss den Wählerwillen respektieren. Aber das Grundgesetz verbietet es den Regierenden nicht, für das außenpolitisch Gebotene zu werden.“ (Zeit vom 7. Februar 2008)

Fazit: … Möglich ist auch, dass die Netzwerke überhaupt erst entstanden sind, weil die Journalisten bereits elitenkompatible Ansichten hatten, oder eine Kombination aus beidem: Journalisten werden von Politik und Wirtschaftseliten nur dann kooptiert, wenn sie keine allzu kritischen Einstellungen aufweisen, und die Einbindung in das Elitenmilieu macht es immer unwahrscheinlicher, dass ein Konsens unter Eliten hinterfragt wird.

Den vier Journalisten wurde die Studie zur Kenntnis gegeben, verbunden mit der Einladung, ihre Sicht der Dinge in separaten Beiträgen für die Buchveröffentlichung darzustellen. Alle vier haben abgelehnt. — Textende — Hervorh. m.z.

Anmerkungen

(1) Der hier auszugsweise wiedergegebene Beitrag erschien in MESSAGE – Internationale Zeitschrift für Journalismus; 1-2013, S. 22-28; er ist als pdf-Datei abrufbar unter:
www.message-online.com/wp-content/uploads/Artikel_Krueger_Die_Naehe_zur_Macht_Message_1_2013.pdf

Krügers Text stützt sich auf sein Buch „Meinungsmacht. Der Einfluss von Eliten auf Leitmedien und Alpha-Journalisten – eine kritische Netzwerkanalyse“, erschienen in der Reihe des (Leipziger) Instituts für Praktische Journalismus- und Kommunikationsforschung (IPJ), 9 – 2013, 378 S., 30 Abb., 17 Tab., Broschur, 213 x 142 mm, dt. EUR(D) 29,50 / EUR (A) 30,20 / sFr. 49,80; editiert bei: Halem Verlag 2013 – ISBN 978-3-86962-070-1
Eine (intentionale und methodische) Beschreibung des Forschungsansatzes von Uwe Krüger, das Inhaltsverzeichnis sowie eine längere Leseprobe sind abrufbar unter: www.halem-verlag.de/2013/meinungsmacht-und-elite-journalismus
Eine Bestellung der Forschungsarbeit ist direkt möglich über: Herbert von Halem Verlag , Lindenstr. 19, 50674 Köln – info@halem-verlag.de – http://www.halem-verlag.de

(2) Uwe Krüger, geb. 1978, ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Kommunikations- und Medienwissenschaft der Universität Leipzig. Er promovierte am Institut für Praktische Journalismus- und Kommunikationsforschung in Leipzig (IPJ) und betreute mehrere Jahre lang als Redakteur das Journalismus-Fachmagazin Message. Aktuelle Arbeitsschwerpunkte: Journalistische Recherche, Journalismus und Social Media, Journalismus und Psychologie. …

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Martin Zeis
globalcrisis/globalchange News
martin.zeis@gmxpro.net

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