INTERVIEW PUTINS MIT DER ITALIENISCHEN ZEITUNG CORRIERE DELLA SERA (dt. übers.); vineyardsaker.de, 10.0 6.2015

Von: “Martin Zeis”
Datum: 11. Juni 2015 14:25:52 MESZ
An: globalcrisis%Martin.zeis
Betreff: INTERVIEW PUTINS MIT DER ITALIENISCHEN ZEITUNG CORRIERE DELLA SERA (dt. übers.); vineyardsaker.de, 10.06.2015

Dagmar HENN hat sich dankenswerterweise die Mühe gemacht, das ausführliche Interview des Corriere della Sera mit Wladimir Putin vor seinem mehrtägigen Italienbesuch zu übersetzen. Verstärkt seit dem US-gelenkten Staatsstreich in der Ukraine findet man in den D-Mainstream-Medien selten vollständige deutsche Übersetzungen wichtiger Reden, Abkommen, Analysen von Putin, Lavrow u.a.m. … oder wie Gabor Steingart (Handelsblatt) gestern süffisant zum G7-Theater bemerkte:

„Wenn Papst Franziskus so denken würde wie die G7-Teilnehmer, könnte er – Stichwort Wertegemeinschaft – nur mit Gott und anderen christlichen Überzeugungstätern reden. Aber Franziskus denkt so nicht, weshalb er heute Putin zu einer Privataudienz empfängt. Verkehrte Welt: Die Führung des Westens schottet sich in klosterähnlicher Einsamkeit gegen Andersdenkende ab. Das Oberhaupt der Katholiken beginnt derweil eine diplomatische Offensive. Er redet m i t , nicht ü b e r Putin, wissend, dass im Alten Testament (Psalm 140) die üble Nachrede wider den Abwesenden als unmoralisch gebrandmarkt wird: “Sie schärfen ihre Zunge wie eine Schlange; Otterngift ist unter ihren Lippen.” Auch wenn der Papst die großen Sieben heute nicht umstimmen wird, beschämen wird er sie doch.“ — zit.a. Handelsblatt-Morning Briefing vom 10.06.2015

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http://vineyardsaker.de/ukraine/interview-putins-mit-der-italienischen-zeitung-corriere-della-sera
INTERVIEW PUTINS MIT DER ITALIENISCHEN ZEITUNG CORRIERE DELLA SERA

Dagmar HENN, 08.06.2015 auf Grundlage der offiziellen englischen Übersetzung

Interview to the Italian newspaper Il Corriere della Sera — Ahead of his visit to Italy, Vladimir Putin gave an interview to the newspaper Il Corriere della Sera. June 6, 2015 09:00 … URL: http://en.kremlin.ru/events/president/news/49629

(Es wäre schön, wenn wir hier in Deutschland auch einmal den Luxus hätten, solche Texte in offiziellen Übersetzungen vorzufinden. Dieses Interview wurde in der bundesdeutschen Presse immer wieder zitiert, allerdings von keiner vollständig wiedergegeben; deshalb halte ich eine vollständige Übersetzung für nötig. Aber nicht ohne den leisen Hinweis in die Ferne, dass das wieder einmal kostenlose Arbeit ist, die eigentlich jemand mit einer ordentlichen Bezahlung in Moskau verrichten sollte … oder in einer der vielen deutschen Redaktionsstuben…)

Wladimir Putin, Präsident der Russischen Föderation: Guten Abend.
Luciano Fontana: Guten Abend, Herr Präsident. Zuerst würden wir Ihnen gerne für die Gelegenheit danken, heute dieses wichtige Interview mit Ihnen zu führen.
Wladimir Putin: Es ist mir ein Vergnügen.
Luciano Fontana: Mein Name ist Luciano Fontana. Ich bin der neue Chefredakteur des Corriere della Sera, und mit mir ist hier mein Kollege Paolo Valentino, der lange Zeit in Russland gearbeitet hat und sogar mit einer Russin verheiratet ist.
Wladimir Putin: Sie sind der neue Chef der Zeitung?
Luciano Fontana: Ja, erst seit einem Monat.
Wladimir Putin: Glückwünsche zur Ernennung.
Luciano Fontana: Vielen Dank, Herr Putin.
Ich würde gerne mit einer Frage beginnen, die die russisch-italienischen Beziehun-gen betrifft. Diese Beziehungen waren immer eng und privilegiert, sowohl im wirt-schaftlichen als auch im politischen Bereich. Sie sind jedoch durch die Krise in der Ukraine und die Sanktionen etwas beschädigt.
Könnte der jüngste Besuch des italienischen Premierministers Matteo Renzi in Russland und Ihr bevorstehender Besuch in Mailand diese Tendenz irgendwie ändern, und wenn, was ist dafür nötig?
Wladimir Putin: Zuerst glaube ich fest, dass Russland für die Verschlechterung der Beziehungen zwischen unserem Land und den EU-Staaten nicht verantwortlich ist. Das war nicht unsere Entscheidung; es wurde uns von unseren Partnern diktiert. Nicht wir haben Handels- und Wirtschaftsbeschränkungen eingeführt. Wir sind vielmehr das Ziel und mussten mit vergeltenden, schützenden Massnahmen darauf antworten.
Aber die Beziehung zwischen Russland und Italien war tatsächlich immer privilegiert, sowohl in der Politik als auch in der Wirtschaft. In den letzten Jahren beispielsweise, das heisst, in den letzten paar Jahren, wuchs der Handel zwischen unseren Ländern auf das Elffache, von, wie ich glaube, 4,2 Milliarden Dollar – wir machen Berechnungen in Dollar – auf über 48, fast 49 Milliarden Dollar.
Es gibt 400 italienische Unternehmen, die in Russland arbeiten. Wir arbeiten im Energiebereich aktiv zusammen, in einer Reihe von Feldern. Italien ist der dritt-grösste Abnehmer unserer Energieressourcen. Wir haben auch viele gemeinsame Technologieprojekte: in der Luft- und Raumfahrtindustrie und vielen anderen Sektoren. Russische Regionen arbeiten sehr eng mit Italien zusammen. Im letzten Jahr hat fast eine Million russischer Touristen, etwa 900 000, Italien besucht. Und wäh-rend ihres Aufenthalts haben sie über eine Milliarde Euro dort ausgegeben.
Wir haben uns im politischen Bereich immer Beziehungen erfreut, die auf Vertrauen beruhten. Die Errichtung des Russland-NATO-Rates geschah auf Initiative Italiens – zu der Zeit war Silvio Berlusconi Premierminister. Dieses beratende Arbeitsgremium wurde zweifellos ein wichtiger Faktor für die Sicherheit in Europa. In dieser Hinsicht hat Italien immer viel zur Entwicklung des Dialoges zwischen Russland und Europa, und der NATO als Ganzer, beigetragen. Von unserer besonderen kulturellen und humanitären Zusammenarbeit nicht zu reden.
All das legt, natürlich, das Fundament für eine besondere Beziehung zwischen unseren Ländern. Und der bevorstehende Besuch des Premierministers in Russland sendet eine sehr wichtige Botschaft aus, indem er zeigt, dass Italien bereit ist, diese Beziehungen zu entwickeln. Es ist nur natürlich, dass dies weder in der Regierung der Russischen Föderation noch in der Öffentlichkeit unbemerkt bleibt.
Wir sind natürlich bereit, das zu erwidern und unsere Zusammenarbeit weiter auszu-dehnen, so lange unsere italienischen Partner bereit sind, das Selbe zu tun. Ich hoffe, dass mein bevorstehender Besuch in Mailand in dieser Hinsicht hilfreich sein wird. (…)

PUTIN-Interview-mit-Corriere_della_Sera150606dt.pdf

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