Diskussionen über europäische/deutsche geopolitische Strategie

Martin Zeis postete auf global crisis/global change News :

Das polnische Wochenmagazin Wprost („Direkt) erregte über das Wochenende (vorübergehende) Aufmerksamkeit in den Mainstream-Medien, indem es u.a. einen Gesprächsmitschnitt des polnischen Außenministers Radosław Sikorski veröffentlichte, in dem dieser die Beziehungen Polens zu den USA als wertlos und als “totalen Bullshit” bezeichnete: „Kompletter Blödsinn. Wir geraten in Konflikt mit den Deutschen, Russen und wir glauben, dass alles super ist, nur weil wir den Amerikanern einen geblasen haben (vornehmer: den Amerikanern zu Gefallen waren). Trottel, komplette Trottel.”

Sikorskis markige Worte zeigen einen aufbrechenden Konflikt innerhalb der europäischen Nomenklatur – in Sonderheit in der deutschen. Deutlich geworden war dieser Konflikt an der seit dem Maidan-Putsch scharfen öffentlichen Kritik wichtiger Fraktionen des deutschen Konzernkapitals am Konfrontationskurs der “Politik” gegenüber Russland.

In diesem Kontext referierten die “Informationen zur Deutschen Außenpolitik” (german-foreign-policy.com) vor einigen Tagen unter der Überschrift „Eine neue Grand Strategy“ einen in „Der Zeit“ am 6. Juni 2014 erschienenen Beitrag von Chris Luenen (Leiter des geopolitischen Programms am Global Policy Institute in London): „Europa muss seine Beziehungen zu den USA neu justieren — Die EU darf sich nicht mehr einer Strategie made in Washington unterwerfen. Sie muss für ihre eigenen Interessen eintreten und auch Freunden klare Grenzen aufzeigen.“

Grüße,
Martin Zeis

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german-foreign-policy, 13.06.2014
http://german-foreign-policy.com/de/fulltext/58889

Eine neue Grand Strategy

BERLIN (Eigener Bericht) – Eine einflussreiche deutsche Wochenzeitung stellt die Forderung nach einer Neudefinition der Beziehungen zwischen der EU und den USA zur Debatte. Die aktuelle westliche Ukraine-Politik laufe “europäischen” Interessen diametral zuwider, heißt es in einem aktuellen Beitrag auf dem Online-Portal der Wo-chenzeitung “Die Zeit”. “Europa” dürfe sich die Zusammenarbeit mit Moskau nicht nehmen lassen, es müsse sie vielmehr noch stärker ausbauen, heißt es weiter. Gleichzeitig solle die EU auch ihre Beziehungen zu Washington intensivieren, dabei aber ihre “eigenen Vorstellungen” mit größerer Entschlossenheit durchsetzen; das Ziel sei eine “neue und zukunftsträchtigere transatlantische Grand Strategy”. Autor des Beitrags ist ein Mitarbeiter des Londoner Think-Tanks “Global Policy Institute”; die in ihm vertretenen Positionen geben jedoch Auffassungen wieder, wie sie auch im deutschen Außenpolitik-Establishment vertreten werden. Die Auseinandersetz-ungen um die deutsche Ukraine-Politik, die hinter den Kulissen seit je geführt wer-den, drängen vorsichtig an die Öffentlichkeit.

“Transatlantische Beziehungen neu justieren”
Die Wochenzeitung “Die Zeit” öffnet sich auf ihrem Online-Portal für einen grundle-genden Angriff auf die bisherige Ukraine-Politik der EU und der Vereinigten Staaten. Ein entsprechender Artikel ist zu Beginn dieser Woche unter dem Titel “Europa muss seine Beziehungen zu den USA neu justieren” erschienen. Der Beitrag ist auch inso-fern bemerkenswert, als in der “Zeit” – wie auch sonst in den deutschen Leitmedien – bislang eine klar antirussische Kommentierung überwog und die Internet-Version des Blattes sogar dazu übergegangen war, einen freien Journalisten, der mehrere um eine differenzierte Haltung bemühte Artikel für “Zeit Online” verfasst hatte, öffentlich bloßzustellen – weil er zum Broterwerb eine Zeitlang auf eine Tätigkeit für ein von Moskau mitfinanziertes Blatt angewiesen war (german-foreign-policy.com berichtete [1]). Der jetzt veröffentlichte Beitrag, den der Außenpolitik-Experte Chris Luenen verfasst hat, weicht signifikant von dieser Linie ab.

“Brückenkopf” versus “Ausschluss” …
Die russisch-chinesisch-iranische Allianz …
“Nicht mehr den USA unterwerfen” …
Die alte Schaukel …
“Zweierlei Geopolitik” …

[1] S. dazu Die freie Welt.
[2] Zitate hier und im Folgenden: Chris LUENEN: Außenpolitik: Europa muss seine Bezie-hungen zu den USA neu justieren. www.zeit.de 06.06.2014
m.z. Der Originaltext Luenens ist im Anhang dokumentiert und erreichbar über:
www.zeit.de/politik/ausland/2014-06/europaeische-interessenpolitik
[3] S. dazu Kooperation und Konfrontation, NATO im Osten? “Das gibt Krieg” und Keine Angst vor Moskau!.
[4] S. dazu Expansiver Ehrgeiz und Die Verantwortung Berlins. URL: http://german-foreign-policy.com/de/fulltext/58751
m.z. Der Originaltext von Theo SOMMER ist erreichbar über:
www.zeit.de/politik/ausland/2013-11/ukraine-russland-eu-eisernervorhang
Theo SOMMER: UKRAINE — Ein neuer Eiserner Vorhang? – Die Ukraine ist zerrissen zwi-schen einer Anbindung an die EU und an Russland. Wo soll Europa im Osten enden? Es wird Zeit für Gespräche zu dritt; Die Zeit, 25.11.2013
[5] Majid Sattar: Zweierlei Geopolitik. Frankfurter Allgemeine Zeitung 05.05.2014 – URL:
www.faz.net/aktuell/politik/ausland/europa/merkel-und-steinmeier-in-der-ukraine-krise-zweierlei-geopolitik-12922672.html

(vollständiger Text im Anhang, m.z.)

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Quelle: www.german-foreign-policy.com/de/info

In einem 20 minütigen Interview von Radio Island mit dem GFP-Herausgeber Horst TEUBERT werden die wesentlichen Anliegen und die Forschungs-/Rechercheschwerpunkte des Newsletters ausführllcher erläutert; vgl. URL: http://www.public-ip.org/sendung-273.html

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Martin Zeis
globalcrisis/globalchange News
martin.zeis@gmxpro.net

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