Warten auf Untersuchungsberichte zum Abschuss von MH 17 u. a.

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Von: Elke Schenk <e.schenk>
Datum: 17. August 2014 11:33:46 MESZ
An: globalcrisis%martin.zeis
Betreff: Warten auf Untersuchungsberichte zum Abschuss von MH 17 u. a.

Artikel URL: http://www.heise.de/tp/artikel/42/42537

Der niederländische Untersuchungsbericht über den Absturz von MH17 wurde
angeblich Malaysia übermittelt

Florian Rötzer 17.08.2014

Das Misstrauen wächst, weil der Bericht offenbar abgeschlossen ist, er aber
erst Anfang September veröffentlicht werden soll

Der für die Untersuchung über den Absturz von Flug MH17 über der Ostukraine
zuständige niederländische Onderzoeksraad Voor Veiligheid (OVV) teilte
vergangene Woche mit, dass es noch Wochen dauern werde, bis der vorläufige
Bericht veröffentlicht werde. Der Bericht werde “die ersten faktischen
Erkenntnisse” aus den Daten des Voice Recorder im Cockpit, den
Flugdatenschreibern, den Daten der Flugsicherung und Radar- und
Satellitenbildern enthalten (Bericht über die Untersuchung des Absturzes von
MH17 kann noch Wochen dauern[1]).

Ein nachvollziehbarer Grund, warum der Bericht nicht früher veröffentlicht
wird, wurde nicht mitgeteilt. Schon einmal war die Veröffentlichung verschoben
worden. Allerdings war schon länger bekannt, dass die Daten aus den
Flugdatenschreibern und dem Voice Recorder gewonnen werden konnten. Es gäbe
also Einblicke in die mögliche Ursache des Absturzes.

Der Verdacht, dass möglicherweise politische Gründe für das Hinauszögern
verantwortlich sein könnten, nährt ein kurzer Bericht[2] aus der Straits
Times. Dort heißt es, dass der vorläufige Bericht über die beiden Black Boxes
bereits Malaysia übermittelt worden sei. Der Transportminister Datuk Seri Liow
Tiong Lai sagte am Freitag nach Angaben der Zeitung Journalisten, dass allen
Ländern, von denen Bürger beim Absturz von MH17 gestorben waren, der Bericht
übergeben worden sei. Und er soll gesagt haben, der Bericht werde von den
Niederlanden Anfang September veröffentlicht. Die Zeitung berichtet nicht, ob
der Minister einen Grund dafür nannte, warum der offenbar fertig gestellte
Bericht noch weitere Wochen unter Verschluss bleiben soll. Soll der Bericht
von den Opferländern bzw. von deren Experten überprüft werden, bevor er
freigegeben wird? Oder soll mit der Veröffentlichung gewartet werden, um
unerwünschte Folgen für den Weitergang des Kriegs bzw. der
“Antiterroroperation” in der Ostukraine zu vermeiden?

“Der Mangel an ausgeglichener Berichterstattung ist atemberaubend”

Bei der Straits Times, der ältesten und wichtigsten Zeitung von Singapur, ist
man jedenfalls misstrauisch. Schon zuvor wurden in einem Artikel Hinweise
dargestellt, die darauf hindeuten, dass das Flugzeug nicht durch eine Boden-
Luft-Rakete, wie sie Separatisten oder die Russen verwendet haben sollen,
sondern durch Beschuss aus der Luft von einem Kampfflugzeug zum Absturz gebracht
worden sein könnte (Da stimmt etwas nicht[3]). Jetzt wird auch wieder in einem
längeren Artikel “Shameful neglect of evidence”[4] darauf verwiesen, dass man
“journalistische und analytische Spekulationen” nicht vermeiden könne, wenn
die Sachlage nicht klar ist. Medien hätten die Verantwortung, “kritisch und
unparteiisch” zu berichten, aber “der Mangel an Ausgeglichenheit ist
atemberaubend”, heißt es.

Wer schon Stunden nach dem Absturz mit dem Finger auf Russland gezeigt habe
(Noch immer ist ungeklärt, wer Flug MH17 abgeschossen hat[5]), müsse erst noch
forensische Beweise liefern, dass Russland für die Hardware oder die Schulung
der Separatisten verantwortlich ist. Russland habe mit militärischen Daten und
Satellitenbildern das “Narrativ” der ukrainischen Regierung in Frage gestellt,
was im Westen aber weitgehend als Propaganda bezeichnet und abgetan wurde. Die
vom Weißen Haus veröffentlichten Satellitenbilder seien vom russischen
Verteidigungsminister als falsch bezeichnet worden. So hätten sie einen
Zeitstempel, der sie auf die Zeit nach Absturz datiert, die Satellitenbilder
würden auch nicht die Wetterbedingungen wiedergeben, die zur Zeit des
Absturzes geherrscht hätten.

Die USA wollten aber keine weiteren Daten liefern, US-Geheimdienstmitarbeiter
hatten aber mit ausgewählten Medien unter der Bedingung der Anonymität
erklärt, dass man keine Beweise für die Beteiligung von Russland oder
überhaupt für die Identität der Verantwortlichen besitze (MH17: Auch die US-
Geheimdienste präsentieren Vermutungen[6]): “Es gibt einen deutlichen
Widerspruch zwischen den Äußerungen der US-Geheimdienstmitarbeiter und dem vom
Weißen Haus unterstützten Narrativ.” Washington stütze sich weiter vor allem
auf nicht verifizierte Inhalte aus Sozialen Netzwerken (Hat Rebellenführer
Besitz von Buk-Flugabwehr bestätigt?[7]).

Westliche Medien blieben weitgehend beim Narrativ von Washington und würden
trotz mangelhafter Beweislage vor allem auf Russland als Schuldigen zeigen.
Schwer nachvollziehbar sei es, dass “das Land, das bekannt für die am besten
ausgerüsteten und weitreichendsten Überwachungskapazitäten so weit gesunken
ist, unscharfe YouTube-Videos zur Rechtfertigung ihrer politischen
Entscheidungen zu zitieren”. Die Öffentlichkeit der westlichen Medien sei in
Übereinstimmung mit den Positionen der westlichen Regierungen informiert
worden, man habe sich bemüht, “unerwünschte” Fakten und Zeugenaussagen aus der
Diskussion herauszuhalten.

Tatsächlich fällt auf, wie wenig westliche Medien Interesse an der Aufklärung
von Ereignissen zeigten, die für die Entwicklung des Konflikts nicht
unwesentlich waren. So wurde kaum nachgebohrt, warum die ukrainische Regierung
die Untersuchung der Mordschützen des Maidan im Sand verlaufen hat lassen,
obgleich dies die Aufkündigung des Abkommens der Oppositionsparteien mit der
wie immer korrupten und prorussischen, aber rechtmäßig gewählten Janukowitsch-
Regierung zur Folge hatte. Ebenso wenig wurde das brutale Vorgehen von pro-
ukrainischen Anhängern gegen prorussische Demonstranten in Odessa beachtet,
das die ukrainische Regierung lieber auch nicht aufklären will. Dabei sind
durch Brandstiftung und direkte Gewalt zwischen 40 und mehr als 100 Menschen
in dem Gewerkschaftshaus ums Leben gekommen und getötet worden. Odessa hat
wiederum die Anti-Maidan-Bewegung und das Mistrauen gegenüber der Regierung in
Kiew in der Ostukraine verstärkt.

Und dann eben der Absturz von MH17, das Ereignis, durch das Russland ganz ins
Visier des Westens geriet und zum bösen Feind erklärt wurde. Bislang gibt es
vor allem Beschuldigungen und Vermutungen, zuletzt von Kiew: Sollte statt MH17
eine Maschine der Aeroflot abgeschossen werden?[8]. Die internationale, von den
Niederlanden geleitete Untersuchung hätte schon längst erste verlässliche
Informationen aus dem Voice Recorder und den Flugdatenschreibern sowie der
Kommunikation zwischen der ukrainischen Flugsicherung und den Piloten von MH17
der Öffentlichkeit präsentieren können und müssen, so der Autor des Artikels in
der Straits Times. Zudem hätten die Verantwortlichen für die internationale
Untersuchung die Geheimdienste und Regierung auffordern müssen, ihre
Behauptungen zu belegen und ihre Fakten offenzulegen. Warum also wird weiterhin
mit verdeckten Karten gespielt, ließe sich fragen, muss man auch fragen, da
viel auf dem Spiel steht. Und solange die Karten nicht gezeigt werden, wird
der Verdacht genährt, dass diejenigen, die einen Schuldigen anklagen, aber die
Aufklärung hinauszögern, am meisten zu verlieren haben. Zumindest muss man
weiterhin den Verdacht haben, dass da etwas nicht stimmt.

Anhang

Links
[1]

http://www.heise.de/tp/artikel/42/42515/
[2]

http://www.nst.com.my/node/23449
[3]

http://www.heise.de/tp/artikel/42/42476/
[4]

http://www.nst.com.my/node/23569
[5]

http://www.heise.de/tp/artikel/42/42303/
[6]

http://www.heise.de/tp/artikel/42/42341/
[7]

http://www.heise.de/tp/artikel/42/42347/
[8]

http://www.heise.de/tp/artikel/42/42492/

Artikel URL: http://www.heise.de/tp/artikel/42/42537

Viele Grüße

Elke Schenk

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