Albrecht MÜLLER – Rainer MAUSFELD: Umtriebe einer Gedanken- und Gesinnungspolizei

Guten Tag,

seit einiger Zeit nehmen Formen einer “Gedanken- und Gesinnungspolizei” gegenüber Journalisten, Wissenschaftlern, Aktivisten zu, die sich mit brisanten, herrschaftskritischen und vom Mainstream tabuisierten Themen befassen. Die Folge sind die Denunziation und Diffamierung der entsprechenen Personen, Gruppen oder Organisationen (beliebt sind Vorwürfe “Verschwörungstheoretiker” oder “Antisemiten” zu sein) und der Ruf nach “Kontaktsperre”, also Abgrenzung und Ausgrenzung. Auch (pseudo)linke Medien oder NGOs beteiligen sich an dieser Art der Diffamierung bis hin zu inquisitorischem Vorgehen.

Dazu im Folgenden (1) die Erfahrung und Intervention von Albrecht Müller, Mitherausgeber der NACHDENKSEITEN, und (2) die Antwort des Kieler Psychologieprofessors Rainer Mausfeld. Die vollständigen Texte sind als Datei im Anhang verfügbar.

An dieser Stelle sei ergänzend noch einmal auf den Vortrag von Prof. Rainer Mausfeld an der Christian Albrechts Universität Kiel, am 22.06.2015 “Warum schweigen die Lämmer” hingewiesen, der auf dieser Liste kürzlich empfohlen wurde:

Video des Vortrags: https://www.youtube.com/watch?t=2253&v=Rx5SZrOsb6M

Rainer Mausfeld: „Warum schweigen die Lämmer?“ – Techniken des Meinungs- und Empörungsmanagements

Textfassung von free21 abrufbar unter: http://www.nachdenkseiten.de/upload/pdf/150806_Mausfeld.pdf

Viele Grüße

Elke Schenk

globalcrisis/globalchange NEWS

(1)

http://www.nachdenkseiten.de/?p=27309

24. August 2015 um 17:04 Uhr

Ein Interview zur „Gedankenpolizei“ – vom Neuen Deutschland wieder aus dem Netz genommen.

Das ist ein Interview von Jens Wernicke mit Albrecht Müller. Es war für das Neue Deutschland bestimmt. Das Blatt hatte es im Netz und nahm es nach einer internen Intervention wieder raus. Albrecht Müller.

[…]

Herr Müller, Sie sind Herausgeber der NachDenkSeiten.de, kritisieren seit Langem die Meinungsmache und Medien im Land und sprechen zurzeit von einer „Gedanken- bzw. Gesinnungspolizei“. Was meinen Sie damit?

Auf diesen Begriff kam ich, weil sich in den Monaten bis zum März 2015 Mails bei mir häuften, deren Argumentationsaufbau etwa folgendermaßen aussah: Der Einstieg war immer ähnlich: ‚Sie machen eine tolle Arbeit mit den NachDenkSeiten, ich habe auch Ihre Bücher mit Gewinn gelesen. Aber: Dass Sie sich für die Friedensbewegung engagieren und dass Sie Ken Jebsen, diesem Verschwörungstheoretiker und nachgewiesenen Antisemiten ein Interview gegeben haben, das kann ich nicht verstehen. Und mit Willy Wimmer haben Sie auch geredet. Auch dass Sie immer wieder die USA kritisieren, finde ich nicht gut.‘ Usw. usf.

Ich habe ja nichts dagegen, wenn manche unserer Leser so denken, aber dass man mir vorschreiben will, was ich denke und mit wem ich Kontakt habe und spreche, das fand und finde ich zu viel des Guten. Deshalb habe ich diese Art von Mails öffentlich gemacht und dabei von Gesinnungspolizei gesprochen. Seitdem habe ich übrigens Ruhe. Ich bekomme keine verlogenen, schleimigen Mails mehr. Dafür viele andere konstruktive von Menschen, die wissen, was Toleranz bedeutet, und was sie von uns verlangt.

Das klingt sehr nach einem „Spalte und Herrsche“-Mechanismus…: Es gibt immer mehr soziale Not im Land und gleichzeitig immer mehr Denk- und Redetabus – und in Summe schwächt das vor allem die kritischen Stimmen im Land. Ist es so in der Art?

Ja, das hat auch eine soziale Seite. Um die Not der Unterschicht kümmert man sich nicht mehr. Und es hat eine politische Seite. Denken Sie etwa an die Rote-Socken-Kampagne von CDU und CSU und der mit ihnen verbundenen Medien. Das war der gelungene Versuch, ein Kontaktverbot für SPD und Grüne nach links hin auszusprechen. Damit hat man es geschafft, die seit Jahren mögliche Koalition links von Frau Merkel zu verhindern. Und eben auch, unserem Land den Zugang zu einer politischen Alternative zu versperren.

Hätten Sie da denn ein konkretes Beispiel zum Agieren der „Gesinnungspolizei“ für uns?

Ja, ich hatte in den NachDenkSeiten davon geschrieben, wir lebten quasi im Status einer Kolonie. Anlass war der Spatenstich für das größte Militärhospital der USA außerhalb ihres eigenen Landes in Landstuhl in der Pfalz. Da gab es ein bezeichnendes Foto in meiner Regionalzeitung: Die Bundesbauministerin machte einen strammen Diener vor dem zuständigen US-amerikanischen General.

Daraufhin meldete sich ein Herbert Müller aus Berlin, wie sich dann herausstellte ein Typ, der unter dem Namen „Genova“ im Netz unterwegs ist, und andere Menschen des Antisemitismus bezichtigt. Er zitierte damals die Definition von Kolonie und bestritt, dass dies zu unserem Verhältnis zu den USA passe. Außerdem beklagte er sich, dass Artikel der NachDenkSeiten bei Ken Jebsen verlinkt werden.

Und was ist Ihre Antwort hierauf – auf all diese Verbote, Tabus und die damit geschürte „Kontaktangst“ und den kritischen Stimmen im Land?

Nun, ich habe mich entschlossen, mir nicht von anderen vorschreiben zu lassen, mit wem ich Kontakt haben darf, wen ich achte und zitiere und mit wem ich mit Respekt umgehe. Nicht nur, aber auch, weil Dialog wichtig ist – und wir ohne eben diesen allzu schnell auf Kampagnen und Lügen über andere hereinfallen würden.

Ich will dazu noch ein Beispiel nennen: Seit den siebziger Jahren habe ich mit Andreas von Bülow zu tun. Unsere Familien waren in der gemeinsamen Bonner Zeit befreundet. Er war in der Zeit der Nachrüstungsdebatte bei einem Pleisweiler Gespräch. Jetzt sieht er die Rolle der USA, ihrer Geheimdienste und auch die Hintergründe von 9/11 etwas anders und härter als ich. Und er wird dafür gescholten, ein Verschwörungstheoretiker zu sein. Ich denke dennoch nicht im Traum daran, diesen Urteilen zu folgen und meinen Respekt für ihn der allgemeinen Stimmungsmache zu opfern.

Ich könnte eine Reihe anderer Beispiele nennen, will aber die etwas allgemeinere Bemerkung anfügen: Die Intoleranz und die Etikettenverteilung, die hierzulande gerade üblich wird, sollten wir nicht mitmachen. Und wir sollten hart dagegen angehen. Das habe ich im März getan. Es hat gewirkt. Weil Denunzianten nämlich zugleich Feiglinge sind.

Albrecht Müller, geboren 1938 in Heidelberg, ist ein Volkswirt, Publizist und Politiker. Müller war Planungschef im Bundeskanzleramt unter den Bundeskanzlern Willy Brandt und Helmut Schmidt. Weiter war er von 1987 bis 1994 für die SPD Mitglied des Deutschen Bundestages und ist seit 2003 als Autor und Mitherausgeber der NachDenkSeiten tätig.

(2)

http://www.nachdenkseiten.de/?p=27333

Lieber Herr Müller,

Danke für Ihren gestrigen (ebenso wie vom April) Beitrag zur Gedankenpolizei! Es ist gut und wichtig, daß diese Dinge einmal im hellen Licht der NachDenkSeiten thematisiert werden.

Ich habe entsprechende Reaktionen auch auf meinen Vortrag erhalten. Das Schema ist – genau, wie Sie es beschreiben – immer dasselbe. Ein besonders forsches Beispiel hänge ich Ihnen unten an; hier verbirgt sich das Geraune des Denunziantentums, durch das eine Kleininquisitorin die Ränder für den

‚vernünftigen‘ und ‚zulässigen‘ Bereich des Spektrums zu markieren sucht, unter dem vorgeblich seriösen Mantel einer Presseanfrage. – Eine der schlichtesten und wirksamsten Propagandatechniken ist ja gerade, die Grenzen zwischen ‚vernünftigen‘ und ‚unvernünftigen’/’unverantwortlichen‘ Positionen zu markieren. Mit dem Werkzeug der Massenmedien ist dies mühelos zu bewerkstelligen; doch auch sonst finden sich offensichtlich immer bereitwillige Trolle, „Hiwi’s“ etc., die mit zähem Eifer festzulegen suchen, welche Personen als ‚Schmuddelkinder‘ anzusehen sind, mit denen (oder auch deren Bekannten) man nicht spielen, also reden darf.

Die deutschen Linken haben ja seit je eine besondere Neigung, einen „Narzißmus der kleinen Differenzen“ (Freud) zu pflegen und einen Großteil ihrer Energie auf Ausgrenzungs- und Abgrenzungsarbeit zu verwenden – eine recht erfolgreiche Selbst-Zersetzungsarbeit, die den Eliten ermöglicht, sich behaglich in einen Narzißmus der großen Differenzen zum Rest der Bevölkerung einzurichten.

Das Denunziantentum – vor allem in der Anonymität sozialer Netzwerke – scheint mir mittlerweile jedoch noch eine andere, neue Qualität zu haben. Hier scheint der Humus bereitet zu werden für eine Art von Astroturfing (Wikipedia zu Astroturfing[1], A.M.), das darauf zielt, die eigentlich relevanten gesellschaftlich-politischen Sachfragen zu verdunkeln und zu vernebeln und soziale Bewegungen, die den Zentren der Macht gefährlich zu werden drohen, gleichsam von Innen zu vergiften und für die Öffentlichkeit zu diskreditieren. Das ist sicherlich die kostengünstigste und wirksamste Form der ‚Aufstandsbekämpfung‘. Es wäre daher überraschend, wenn solche Techniken, soziale Bewegungen durch systematische Infusion geeigneter Vorwurfsgifte gleichsam von Innen zu zersetzen, nicht systematisch verfeinert würden. – In jedem Fall erscheint mir dies ein sehr ernsthaftes Problem zu sein, von dem alle sozialen Bewegungen in Zukunft zunehmend bedroht sein werden.

Um so bewundernswerter und verdienstvoller finde ich die Klarheit und

Beharrlichkeit, mit der Sie in all den langen Jahren in den bisweilen getrübten Gewässern den Kurs der Aufklärung halten!

Herzliche Grüße

Rainer Mausfeld

[…]

MUELLER-MAUSFELD-Gedanken-Gesinnungspolizei-NDS2015_08.pdf

Privatisierungsprogramm Griechenlands in deutscher Übersetzung

Hallo zusammen,

nach dem “Memorandum of Understanding” veröffentlichten die “Nachdenkseiten” zwei Dokumente zu den Privatisierungsvorhaben in Griechenland in der Arbeitsübersetzung durch den Sprachendienst des Bundesfinanzministeriums: Das Privatisierungsprogramm mit den ausstehenden Schritten der Regierung (6 S.) und eine 30-seitige Liste mit Details zu den einzelnen Vorhaben. Dieses Plünderungsprogramm an öffentlichem Eigentum wird beschönigend “Vermögensentwicklungsplan” (“Asset Development Plan”) genannt. Es werden tabellarisch die vorgesehenen Objekte, die Privatisierungsmethode, die Berater (häufig bekannte internationale Banken, Anwaltskanzleien und Consulting-Firmen), der aktuelle Stand und die nächsten Schritte aufgelistet. Während europaweit der Widerstand gegen Privatisierungen der Daseinsvorsorge wächst (siehe die EBI right2water) und es eine breite Bewegung zum Rückkauf bspw. der Wasser- oder Energieversorgung gibt, erpresst die Troika diese Privatisierungen gegen den Bürgerwillen. Beide Dokumente sind abrufbar unter den folgenden Links bzw. im Anhang verfügbar.

http://www.nachdenkseiten.de/upload/pdf/150825-privatisierungsprogramm.pdf

http://www.nachdenkseiten.de/upload/pdf/150824_vermoegensentwicklungsplan.pdf

Viele Grüße

Elke Schenk

globalcrisis/globalchange NEWS

Privatisierungsprogr-ausstehende-Massnahmen-dt150825.pdf

Privatisierungsprogr-Vermgensentwicklungsplan-dt-150824.pdf

English version here:  http://steven25.com/2015/08/25/privatisation-programm-for-greece-detailed-table/

Presseschau vom 26.08.2015

Quellen: Itar-Tass, Interfax, Ria Novosti, sputniknews, rusvesna.su, voicesevas.ru, hinzu kommen Informationen der Seiten dnr-online, lnr-portal, Novorossia, dnr-news, novorosinform u.a. sowie die offiziellen Seiten der Regierungen der Volksrepubliken dan-news, lug-info. Wir beziehen manchmal auch ukrainische Medien, z.B. BigMir, UNIAN, Ukrinform, KorrespondenT und die Online-Zeitung Timer aus Odessa ein. Zur besseren Unterscheidung der Herkunft der Meldungen sind […]

https://alternativepresseschau.wordpress.com/2015/08/26/presseschau-vom-26-08-2015/

Michael HUDSON: What’s Behind the Stock Market’s Rollercoaster Ride?, Democracy Now, Au g. 25, 2015

globakcrisis/globalchange NEWS
Martin Zeis, 26.08.2015

Dear all,

yesterday Christian Schantz* (Basecamp) forwarded an interview with economist Michael HUDSON on what’s behind the stock market’s rollercoaster ride. Hudson refutes the Western mass media stories blaming China and explains the very different starting point/problems of the Chinese economy and the Western casino capitalism in front of the so called „Black Monday“.

Following an extract – the complete interview is attached (pdf-file).

Greets,
Martin Zeis

* <notifications

HUDSON-What’s-behind-Stock-Market-Crash150825.pdf

Presseschau vom 24.08.2015

Quellen: Itar-Tass, Interfax, Ria Novosti, sputniknews, rusvesna.su, voicesevas.ru, hinzu kommen Informationen der Seiten dnr-online, lnr-portal, Novorossia, dnr-news, novorosinform u.a. sowie die offiziellen Seiten der Regierungen der Volksrepubliken dan-news, lug-info. Wir beziehen manchmal auch ukrainische Medien, z.B. BigMir, UNIAN, Ukrinform, KorrespondenT und die Online-Zeitung Timer aus Odessa ein. Zur besseren Unterscheidung der Herkunft der Meldungen sind […]

https://alternativepresseschau.wordpress.com/2015/08/24/presseschau-vom-24-08-2015/

Privatisation Programm for Greece – Detailed Table

Dear all,

the privatisation programm of Greek public assets (“Asset Development Plan”), imposed by the TROIKA has been leaked. It shows in detail the subject, the privatisation method, the advisers involved (often well-known banks and consulting firms), the current status and the next steps to be taken. (See file attached or http://www.sven-giegold.de/wp-content/uploads/2015/08/Privatisation-Programme.pdf)

The privatisation is forced in a time of growing opposition of the peoples against privatisation, despite the failure of former privatisations and despite movements trying to take back energy or water companies into collective ownership. As Michael Hudson put it in “The Financial Attack on Greece” July 8, 2015: “Most of all, there is no legal framework for writing down debts owed to the IMF, the European Central Bank (ECB), or to European and American creditor governments. […] Governments are unforgiving, and the IMF and ECB act on behalf of banks and bondholders – and are ideologically captured by anti-labor, anti-government financial warriors.

The result is not the “free market economy” it pretends to be, nor is it the rule of economically rational law. A genuine market economy would recognize financial reality and write down debts in keeping with their ability to be paid. But inter-government debt overrides markets and refuses to acknowledge the need for a Clean Slate. Today’s guiding theory – backed by monetarist junk economics – is that debts of any size can be paid, simply by reducing labor’s wages and living standards, plus by selling off a nation’s public domain – its land, oil and gas reserves, minerals and water distribution, roads and transport systems, power plants and sewage systems, and public infrastructure of all forms.

Imposed by the monopoly of inter-governmental financial institutions – the IMF, ECB, U.S. Treasury, and so forth – creditor financial leverage has become the 21 st century’s new mode of warfare. It is as devastating as military war in its effect on population […]” http://www.counterpunch.org/2015/07/08/71809

Yours sincerely

Elke Schenk

globalcrisis/globalchange NEWS

Privatisation Program Plan FINAL-2015_07_30.pdf

Dokument: Offener Brief von Jürgen TODENHÖFER an die Staats- und Regierungschefs der Welt, 24 .08.2015

globalcrisis/globalchange NEWS
Martin Zeis, 25.08.2015

Hallo zusammen,

Mohssen Massarrat ( <mohmass ) hat gestern einen bewegenden “Brief im Zorn” von Jürgen Todenhöfer an die “Präsidenten und Regierungschefs der Welt” in die Runde geschickt.

Der im Folgenden einkopierte Brief ist auch im Anhang (pdf-Datei) verfügbar.

Grüße,
Martin Zeis

TODENHÖFER-Brief-im-Zorn150824.pdf

Presseschau vom 21.08.2015

Quellen: Itar-Tass, Interfax, Ria Novosti, sputniknews, rusvesna.su, voicesevas.ru, hinzu kommen Informationen der Seiten dnr-online, lnr-portal, Novorossia, dnr-news, novorosinform u.a. sowie die offiziellen Seiten der Regierungen der Volksrepubliken dan-news, lug-info. Wir beziehen manchmal auch ukrainische Medien, z.B. BigMir, UNIAN, Ukrinform, KorrespondenT und die Online-Zeitung Timer aus Odessa ein. Zur besseren Unterscheidung der Herkunft der Meldungen sind […]

https://alternativepresseschau.wordpress.com/2015/08/22/presseschau-vom-21-08-2015/