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Lüge in Kriegszeiten – TP 29.07.14

Obwohl unser Land noch nicht selbst aktiv an Kampfhandlungen teilnimmt, folgt die veröffentlichte Meinung schon jetzt Strukturgesetzen von Verfälschung, Verschweigen und Lüge als stünde eine heiße Phase unmittelbar bevor.

Lüge in Kriegszeiten

Mathias Bröckers 29.07.2014

Am Beispiel des Ersten Weltkriegs formulierte Arthur Ponsonby 1928 die Strukturgesetze der Kriegspropaganda – sie gelten, wie die aktuelle Berichterstattung über die Ukraine zeigt, noch immer

Von Lord Arthur Ponsonby (1871–1946), einem britischen Politiker und Friedensaktivisten, stammt nicht nur das berühmte Diktum, dass das erste Opfer des Kriegs die Wahrheit ist – “When war is declared, truth is the first casualty”. In seinem 1928 veröffentlichten Buch “Falsehood in Wartime” (“Lüge in Kriegszeiten”) versuchte Ponsonby auch die Strukturelemente dieser Lügen und Fälschungen zu beschreiben, wie er sie am Beispiel des Ersten Weltkriegs beobachtet hatte:

Wir wollen den Krieg nicht.

Das gegnerische Lager trägt die Verantwortung.

Der Führer des Gegners ist ein Teufel.

Wir kämpfen für eine gute Sache.

Der Gegner kämpft mit unerlaubten Waffen.

Der Gegner begeht mit Absicht Grausamkeiten, wir nur versehentlich.

Unsere Verluste sind gering, die des Gegners enorm.

Künstler und Intellektuelle unterstützen unsere Sache.

Unsere Mission ist heilig.

Wer unsere Berichterstattung in Zweifel zieht, ist ein Verräter.

In ihrem Buch über “Die Prinzipien der Kriegspropaganda” (Präzisionsschläge sorgen für Kollateralschaden) hat die Historikerin Anne Morelli 2004 diese von Ponsonby definierten Prinzipien auf ihre Gültigkeit abgeklopft und vom Zweiten Weltkrieg bis zu den Kriegen in Jugoslawien und Irak zahlreiche Belege dafür gefunden:

Wir schenken heute Lügenmärchen genauso Glauben wie die Generationen vor uns. Das Märchen von kuwaitischen Babys, die von irakischen Soldaten aus ihren Brutkästen gerissen wurden, steht dem von belgischen Säuglingen, denen man angeblich die Hände abgehackt hat (dies wurden den deutschen Soldaten im Ersten Weltkrieg zugeschrieben), in nichts nach.

Ponsonbys Prinzipien scheinen tatsächlich so etwas wie die zehn Gebote der medialen Kriegsführung darzustellen – und sind auch in dem aktuellen Konflikt um die Ukraine Punkt für Punkt zu beobachten. “Wir”, der Westen, USA/EU/NATO, wollen natürlich keinen Krieg, fordern aber von den Bürgern größere “Rüstungsanstrengungen” (Nato-Sprecher Rasmussen) und mehr “militärische Verantwortung” (Gauck) auf sich zu nehmen. Das gegnerische Lager (“Russen” und “Pro-Russen”) zwingt uns dazu, denn ihrer Führer sind echte Teufel (“Putin”) – die Titelseiten von “Newsweek” (Jetzt reicht es!) und “Spiegel” (SPIEGEL schließt Russland-Forum nach drei Stunden) in dieser Woche lassen keinen anderen Schluss zu. Wir dagegen kämpfen natürlich immer für die gute Sache: für “Mädchenschulen” in Afghanistan, für “Demokratie” im Irak, gegen einen irren “Diktator” in Libyen, den “Schlächter” Assad in Syrien und an der Seite der “Zivilgesellschaft” in der Ukraine. Für “Freiheit” und “Menschenrechte” betreiben wir “humanitäre Interventionen”, die durch ihre “Präzisionsschläge” die unvermeidlichen “Kollateralschäden” so gering wie möglich halten.

Dass die Kriege in den genannten Regionen statt Recht und demokratischer Ordnung eine Schneise der Verwüstung geschaffen haben, ein entstaatlichtes Chaos, in dem Warlords, kriminelle Banden und radikale Milizen Regie führen, liegt nicht an uns, sondern am Gegner. Der kämpft mit unerlaubten Waffen (“Terrorismus”, “Massenvernichtungswaffen”) und begeht mit voller Absicht Grausamkeiten, was wir natürlich nie tun würden. Oder nur aus Versehen und den für uns in Syrien agierenden “Freiheitskämpfern” verbotenes Giftgas liefern, um seinen Einsatz dann Assad als Überschreiten einer “roten Linie” in die Schuhe zu schieben – wobei die Aufdeckung dieser “False Flag”-Operation (Seymour M. Hersh: “Whose sarin?, The Red Line and the Rat Line) dann aber keine Schlagzeilen mehr wert ist, weil: siehe Punkt 1 – 4.

Allenfalls eine Kurzmeldung ist dann auch die Aussage des Leiters des holländischen Forensik-Teams wert, der den Absturz des MH-17-Flugs in der Ukraine untersuchte und den mit der Bergung befassten “Separatisten” eine hervorragende Arbeit bescheinigte. Weltweit Schlagzeilen macht das Bild eines Helfers, der – “menschenverachtend”, “brutal”, “grausam” – an der Absturzstelle einen Plüschhasen in die Kamera hält. Echte Barbaren, diese “Pro-Russen”, die zwar Ukrainer sind, aber in Form von “Pro-Russen” als untermenschlicher Feind identifiziert werden.

Dass der Gegner Russland enorme Verluste erleide und international “isoliert” sei, wird nahezu täglich auf den Wirtschaftsseiten vermeldet, wobei ausgeblendet bleibt, dass die Russen gerade für 400 Milliarden Gas nach China verkauft haben, mit den BRICS-Staaten eine Alternative zum IWF gründen und den Ausstieg aus dem Petro-Dollar beschlossen haben (BRICS-Staaten machen Weltbank und Währungsfonds Konkurrenz). Wer dann “isoliert” ist, wenn sich mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung der Finanzhegemonie der USA entzieht, wird sich erst noch weisen.

Was die Unterstützung durch Künstler und Intellektuelle betrifft, so beschränkt sich diese derzeit weitgehend auf Medienschaffende und Journalisten, die in Leitartikeln und Talkshows Stimmung machen. Von ihrer Verpflichtung zu objektiver Information haben sie sich weitgehend verabschiedet und präsentieren die Wirklichkeit als Schwarzweißfilm mit eindeutiger Rollenverteilung in Gute (USA, EU und Nato) und Böse (Putin und Russland) präsentieren. Zu diesem Zweck mutieren dann nicht nur Gerüchte zu Tatsachen, Vermutungen zu Ereignissen und Meinungen zur Wahrheit, sondern es werden auch unpassende Fakten verschwiegen und Interessen und Hintergründe der Akteure des Konflikts unterschlagen.

Das dröhnende Schweigen, mit dem USA/NATO/EU auf die Veröffentlichung von Radar- und Satellitendaten zum MH-17-Absturz durch den russischen Generalstab reagierte, spricht Bände – nicht nur in Bezug auf die Qualität der zuvor geäußerten wüsten Anschuldigung in Richtung Russland, sondern auch auf die Verkommenheit der westlichen Medien, die eine Aufklärung der Unglücksursache und eine Offenlegung der ukrainischen und amerikanischen Daten nicht einmal fordern. Geschweige denn, ihre Regierungen für diese Nicht-Aufklärung in irgendeiner Weise kritisieren. Stattdessen wird mit den oben zitierten Titelbildern die faktenfreie Propaganda um eine weitere Stufe eskaliert.

“Wie wird die Welt regiert und in den Krieg geführt? Diplomaten belügen Journalisten und glauben es, wenn sie’s lesen”, notierte der Wiener Schriftsteller Karl Kraus, nachdem auf eine Falschmeldung der deutschen und österreichischen Presse über einen französischen Bombenabwurf auf Nürnberg Ende Juli 1914 unmittelbar die Kriegserklärung an Frankreich erfolgt war. Dieser fingierte Bericht war für ihn die Urlüge und das Paradebeispiel für die Manipulation der Massen in Kriegszeiten, die Kraus dazu führte, “den Journalismus und die intellektuelle Korruption, die von ihm ausgeht, mit ganzer Seelenkraft zu verabscheuen”.

Wer derzeit die Medien unter Berücksichtigung der Strukturgesetze von Arthur Ponsonby beobachtet, kann sich diesem Abscheu nur anschließen.

Von Mathias Bröckers und Paul Schreyer erscheint am 1. September im Westend-Verlag: “Wir sind die Guten – Ansichten eines Putinverstehers oder wie uns die Medien manipulieren”.

Senior U.S. Intelligence Officers: Obama Should Release Ukraine Evidence – Global Crisis News

Dokumentiert von Martin Zeis:
Senior U.S. Intelligence Officers: Obama Should Release Ukraine Evidence 
Preface: With the shoot-down of Malaysia Airlines Flight 17 over Ukraine turning a local civil war into a U.S. confrontation with Russia, former high-level U.S. intelligence veterans released a statement today urging President Obama to release what evidence he has about the tragedy and silence the exaggeration and rush to judgment. (The whole post is a must-read; but we at Washington’s Blog have added bolding for emphasis.)
Signatory Bill Binney – the former senior technical director at the NSA, and a man who battled the Soviet Union for decades – tells Washington’s Blog:
In my analytic efforts to predict intentions and capabilities down through the years, I always made sure that I had multi-factors verifying what I was asserting. So far, I don’t see that discipline here in this administration or the IC [i.e. the United States intelligence community].
Posted with permission of Veteran Intelligence Professionals for Sanity (VIPS).
MEMORANDUM FOR: The President
FROM: Veteran Intelligence Professionals for Sanity (VIPS)
SUBJECT: Intelligence on Shoot-Down of Malaysian Plane
Executive Summary
U.S.–Russian intensions are building in a precarious way over Ukraine, and we are far from certain that your advisers fully appreciate the danger of escalation. The New York Times and other media outlets are treating sensitive issues in dispute as flat-fact, taking their cue from U.S. government sources.
Twelve days after the shoot-down of Malaysian Airlines Flight 17, your administration still has issued no coordinated intelligence assessment summarizing what evidence exists to determine who was responsible – much less to convincingly support repeated claims that the plane was downed by a Russian-supplied missile in the hands of Ukrainian separatists.
Your administration has not provided any satellite imagery showing that the separatists had such weaponry, and there are several other “dogs that have not barked.” Washington’s credibility, and your own, will continue to erode, should you be unwilling – or unable – to present more tangible evidence behind administration claims. In what follows, we put this in the perspective of former intelligence professionals with a cumulative total of 260 years in various parts of U.S. intelligence:
We, the undersigned former intelligence officers want to share with you our concern about the evidence adduced so far to blame Russia for the July 17 downing of Malaysian Airlines Flight 17. We are retired from government service and none of us is on the payroll of CNN, Fox News, or any other outlet. We intend this memorandum to provide a fresh, different perspective.
As veteran intelligence analysts accustomed to waiting, except in emergency circumstances, for conclusive information before rushing to judgment, we believe that the charges against Russia should be rooted in solid, far more convincing evidence. And that goes in spades with respect to inflammatory incidents like the shoot-down of an airliner. We are also troubled by the amateurish manner in which fuzzy and flimsy evidence has been served up – some it via “social media.”
As intelligence professionals we are embarrassed by the unprofessional use of partial intelligence information. As Americans, we find ourselves hoping that, if you indeed have more conclusive evidence, you will find a way to make it public without further delay. In charging Russia with being directly or indirectly responsible, Secretary of State John Kerry has been particularly definitive. Not so the evidence. His statements seem premature and bear earmarks of an attempt to “poison the jury pool.”
(…)
m.z. / Full text of the Memorandum see  URL:
Primary source: www.washingtonsblog.com/2014/07/obama-release-ukraine-evidence.html
Secondary source: www.globalresearch.ca/the-mh17-crash-us-veteran-intelligence-officers-slam-the-flimsy-intelligence-against-russia/5393959

Peter VONNAHME – Zweiter Brief an den Chefredakteur der Augsburger Allgemeinen; 09.05.2014

Von: Martin Zeis <martin.zeis>
Datum: Dienstag, 13. Mai 2014 16:42
An: Global Crisis <globalcrisis%Martin.zeis>
Betreff: Peter VONNAHME – Zweiter Brief an den Chefredakteur der Augsburger Allgemeinen; 09.05.2014

gepostet von Willy WAHL
am 13.05.2014 – 13:37
Kontakt: willy.wahl

Der erste Brief von Peter VONNAHME ist auf dieser Liste gestern gepostet worden. Er verdient die weitestmögliche
Verbreitung – in alle Richtungen …

Cheers,
Martin Zeis

Atlantikbrücke.docx

gepostet von Willy WAHL
am 13.05.2014 – 13:37
Kontakt: willy.wahl@seniora.org

Der erste Brief von Peter VONNAHME ist auf dieser Liste gestern gepostet worden. Er verdient die weitestmögliche
Verbreitung – in alle Richtungen …

Cheers,
Martin Zeis

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Von: Peter Vonnahme [mailto:peter.vonnahme@onlinehome.de]
Gesendet: Montag, 12. Mai 2014 23:31
An: Walter Roller; zuefle@augsburger-allgemeine.de; AA-Redaktion; SZ-Redaktion; SZ-Prantl Heribert Dr.; andreas.zielcke@sueddeutsche.de; spiegel; FAZ; redaktion focus; presse@stern.de; Welt; NachDenkSeiten; Florian Rötzer; NRhZ; phoenix; Tagesschau; WDR; ZDF; zdf-auslandsjournal; dradio; ‘”Günther Jauch”‘; ‘Deutsche Welle DW’; ‘Tagesspiegel Online’; ‘taz Tageszeitung’; ‘Maybritt Illner’; ‘Theo Koll’; ‘WAZ Tageszeitung’; Kirchhoff Guido; politik@netzeitung.de; nzz; Welt
Cc: LT-Redaktion

Betreff: Medienkrieg 2. Teil; Replik an Chefredakteur

Guten Abend,

der Chefredakteur der Augsburger Allgemeinen, Walter Roller, hat auf meine Kritik an seiner parteiischen Berichterstattung bzw. Kommentierung im Ukrainekonflikt (vgl. meine Mail vom 29. April 2014) ziemlich ungehalten reagiert.
Ich habe mich mit Rollers Vorwürfen und der insgesamt kläglichen Rolle der aktuellen deutschen Mainstream-Publizistik nochmals auseinandergesetzt (siehe unten Mail vom 9. Mai 2014).
Im Interesse einer größtmöglichen Objektivität wollte ich ursprünglich auch Herrn Rollers Brief an mich dieser Mail anfügen, so dass sich jeder Leser eine eigene Meinung bilden kann.
Dem hat Herr Roller heute jedoch widersprochen. Ich respektiere seine Bitte, seinen Brief nicht weiterzuleiten, habe Herrn Roller jedoch Folgendes zu bedenken gegeben:

„… Ihre Auffassung, es handle sich um einen persönlichen Brief, kann ich nicht teilen.

Wenn der Chefredakteur Roller seine wiederholt öffentlich vorgetragenen Auffassungen zur Ukraine und zu Putin gegenüber einem Kritiker verteidigt, hat das inhaltlich keinen privaten Charakter. Abgesehen von Ihrem reichlich überflüssigen Hinweis auf meinen früheren Beruf und Ihrer Vermutung über meine parteipolitischen Präferenzen (warum eigentlich die Linkspartei??) enthält Ihr Brief keine persönlichen Bezüge. Alles andere ist öffentlich und deshalb nicht schutzbedürftig: Ihr geradezu zwanghaftes Feindbild Putin, die Geringschätzung russischer Sicherheitsinteressen und Ihre unübersehbare Sympathie für die westliche Expansionspolitik sind den Lesern Ihrer Zeitung hinlänglich bekannt. Man fragt sich deshalb schon, weshalb Sie sich nun der Weiterverbreitung von Altbekanntem so vehement widersetzen. Könnte es sein, dass Sie eine rationale Durchleuchtung Ihrer Einschätzungen scheuen? Es ist schon verwunderlich, dass ein Publizist, der die öffentliche Meinung tagtäglich hunderttausendfach einseitig beeinflussen kann, auf die vergleichsweise geringen Einflussmöglichkeiten eines Privatmannes so empfindlich reagiert. Noch verwunderlicher ist Ihr Hinweis, dass Sie in Ihrem Brief „nur einige Aspekte der Ukraine-Krise beleuchten konnten“. Sie und Ihre Zeitung haben seit Monaten Ihre Sichtweise umfassend öffentlich gemacht – ein Privileg, das ich nicht habe.

Da mir aber daran liegt, unser Verhältnis nicht zusätzlich zu belasten, werde ich Ihren Wunsch jedoch respektieren. Sie können davon ausgehen, dass ich Ihre Schreiben nicht verbreiten werde.“

Unten beigefügt ist also lediglich mein Brief. Ich bin aber zuversichtlich, dass der Text auch ohne Rollers vorausgehenden Brief verständlich ist.

Mir liegt viel daran, dass die Leser den Vorgang nicht nur als Privatfehde zwischen dem einflussreichen Chefredakteur einer Regionalzeitung und einem verärgerten, aber weitgehend machtlosen Zeitungsleser begreifen. Die aufgezeigten Meinungsunterschiede sind vielmehr exemplarisch für die sich vertiefende Kluft zwischen dem Machtkartell aus Politik und Medien einerseits und dem Rechtsempfinden vieler Medienkonsumenten andererseits.

PV

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Von: Peter Vonnahme [mailto:peter.vonnahme@onlinehome.de]
Gesendet: Freitag, 9. Mai 2014 15:42
An: ‘Walter Roller’
Betreff: da capo Putin und Roller

Sehr geehrter Herr Roller,

zuerst möchte ich Ihnen aufrichtig danken, dass Sie sich die Zeit genommen haben, auf meinen geharnischten Brief ausführlich (und ehrlich) zu antworten. Nur so besteht eine Chance des gegenseitigen Verstehens und – im günstigsten Fall – auch der schrittweisen Annäherung.

Ich habe meinen Brief, wie Sie wissen, nicht als ehemaliger „hoher Richter“ geschrieben. Sie haben jedoch insofern Recht, als meine Empörung über Ihre journalistische Arbeit wesentlich durch mein Berufsverständnis gespeist wird.
Was Ich Ihnen vorwerfe ist nicht, dass Sie eine andere Meinung haben als ich, sondern dass Sie mit zweierlei Maß messen mit der Folge, dass Ihre Einschätzungen zwangsläufig fehlerhaft sein müssen. Da ich Ihnen Unkenntnis in der Sache nicht unterstellen will, drängt sich der Verdacht der bewussten Diskriminierung des politischen Gegners oder gar der Hetze auf; letzteres wäre für den leitenden Redakteur einer auflagenstarken Zeitung allerdings ungut.

Selbstverständlich darf ein Journalist in einem Kommentar seine persönliche Auffassung darlegen. Allerdings rechtfertigt das nach meinem Verständnis nicht die Anlegung von zweierlei Maßstäben und genau das tun Sie bzw. Ihre Redaktion:
Wer die Verletzung des Völkerrechts durch Russland rügt, der darf die ungleich zahlreicheren und folgenschwereren Völkerrechtsverstöße des Westens unter der Führung der USA und der Nato im letzten Vierteljahrhundert nicht stillschweigend übergehen. Tut er es dennoch, macht er sich unglaubwürdig.
Wer die Abspaltung der Krim kritisiert, sollte die völkerrechtswidrige Abspaltung des Kosovo mit westlicher Beförderung zumindest nicht unerwähnt lassen. Natürlich rechtfertigt ein Rechtsbruch der einen Seite nicht einen solchen der anderen Seite. Aber es relativiert die Beurteilung.
Wer die Aktivisten auf dem Maidan zu Freiheitshelden und Kämpfern für Demokratie hochstilisiert, darf die Aufständischen in der Ostukraine nicht als ferngesteuerte Gewalttäter diskriminieren. In beiden Fällen spielen dunkle Elemente und Interessen von außen eine große Rolle.
Wer Putin einen Lügner, Täuscher oder Rechtsbrecher schilt, darf nicht müde werden, Obamas alltägliche Drohnenmorde, Guantanamo und die diversen Ausspähprogramme anzuprangern – und zwar gerade dann, wenn man sich selbst der westlichen „Wertegemeinschaft“ zugehörig fühlt.
Wer sich so vehement zum Fürsprecher des Völkerrechts aufschwingt wie Sie es in Ihren Kommentaren tun, kann – nebenbei bemerkt – auch den jahrzehntelangen massiven Völkerrechtsverletzungen der Besatzungsmacht Israel nicht mit Stillschweigen begegnen. Auch da wäre ein vergleichbar vehementes Wort am Platze.

Noch ärgerlicher als die erwähnten Kommentare empfinde ich die unzulängliche Berichterstattung Ihrer Zeitung aus dem Krisengebiet. Ich frage mich, ob die Ursache hierfür miserable Recherche vor Ort, Bequemlichkeit (unkritische Übernahme parteiischer Agenturmeldungen) oder politische Einäugigkeit ist. Durch solche Pressearbeit wird die Kritikfähigkeit der Leser nicht gestärkt, sondern der Vertuschung oder Meinungsmanipulation der Weg bereitet. Ich nenne nur stichwortartig: Brandanschlag in Odessa (wer war Täter, wer Opfer?), die fragwürdige Rolle der sog. „OSZE-Beobachter“, Funktion Putins bei deren Freilassung, Rolle der Rechtsextremisten und der Oligarchen auf dem Maidan und in der „Regierung“, Werdegang und Verhalten von Jazenjuk, Rolle westlicher Geheimdienste bei der Destabilisierung der Ukraine, etc.

Ihr berechtigter Hinweis, dass auch andere Journalisten und große Zeitungen mit gleicher Tendenz berichten, ist kein überzeugendes Argument gegen meine Kritik. Ein Blick in internationale Blätter und in die Neuen Medien (Internetzeitungen, Blogs) zeigt, dass jenseits des deutschen publizistischen Mainstreams eine große Unzufriedenheit mit Printmedien, Funk und TV herrscht. Dies wird durch die überaus zahlreichen zustimmenden Mails und Anrufe bestätigt, die ich als Reaktion auf meinen Brief an Sie erhalten habe. Die oben genannten Leitmedien sind im Begriff, ihre Glaubwürdigkeit zu verspielen. Wenn nicht die Lokalberichterstattung wäre, hätte ich Ihre Zeitung schon längst abbestellt.

Sie haben Recht, ich hätte meinen Brief auch an Joffe und Kornelius adressieren können, mein Vorwurf trifft sie mindestens in gleicher Weise (ich hatte allerdings ihre Mailadressen nicht). Aber Sie sind der Chefredakteur der Zeitung, die ich seit Jahrzehnten abonniert habe und lese. Und deshalb müssen Sie meinen Leserunmut aushalten.

Nein, ich glaube nicht, dass sich zahlreiche große Blätter und renommierte Journalisten „gegen Russland verschworen“ haben. Aber ich glaube sehr wohl, dass sie (und Sie!) Teil einer transatlantischen Gesinnungsgemeinschaft sind, deren erklärtes Ziel es ist, einseitig die Interessen der USA und des Westens zu befördern (mehr dazu in der Dokumentation „Atlantikbrücke“, siehe Anlage).

Dass auch der „Spiegel“ die von Ihnen verwendeten und von mir gerügten Bewertungen gebraucht hat, entschuldigt Ihre Missgriffe nicht. Zum einen kann man eigene Fehler nicht mit dem Hinweis auf das Fehlverhalten eines anderen rechtfertigen. Entscheidend ist allein, dass Sie sich die Abwertungen zueigen gemacht haben. Zum anderen hat der „Spiegel“ längst nicht mehr die publizistische Orientierungskraft wie einst unter Augsteins Verantwortung (Indiz: „Die Spiegel-Affäre“, ARD).

Herr Roller, seien Sie versichert: Sobald Sie zu einer gerechten Beurteilung vergleichbarer Sachverhalte finden, werde ich der erste sein, der Sie dafür genauso leidenschaftlich lobt (und zwar öffentlich) wie ich Ihr Verhalten jetzt (halböffentlich) kritisiert habe.

Die einseitige Pressearbeit ist dem Weltfrieden abträglich. Im konkreten Zusammenhang wirkt sie sich zulasten Russlands aus, dem gerade unser Land mehr Sensibilität und auch mehr Dankbarkeit schuldet (2.Weltkrieg, Wiedervereinigung).
Im Übrigen hat die Ukraine-Krise nicht Putin/Russland ausgelöst, sondern los ging es mit dem unüberlegten EU-Assoziierungsvertrag. Es folgte die Unterstützung des Maidan durch Minister Westerwelle und die Kanzlerin sowie die rechtlich hochproblematische Unterstützung einer durch Verfassungsbruch installierten „Regierung“. Begleitet wurde all das seit den 90er Jahren durch die von Nato/EU orchestrierte und von westlichen Staaten finanzierte planmäßige Einkreisung Russlands. Dass hierbei legitime russische Interessen nicht ausreichend berücksichtigt worden sind, leuchtet inzwischen auch altgedienten Atlantikern ein (Kissinger, Schmidt, Eppler, Teltschik, Ischinger, Gauweiler, Schröder, u.a.).

Ein großes Missverständnis liegt darin, dass Sie offensichtlich meinen, ich mache mich zum Fürsprecher Putins. Nein, ich verteidige nur einen (in mancherlei Hinsicht fragwürdigen) Menschen gegen unangemessene Anwürfe. Im Grunde nehme ich auch nicht Putin in Schutz, sondern das hinter ihm stehende Land. Und ja, an dieser Stelle melden sich Gewissen und Berufserfahrung des ehemaligen Richters!

Ich vermag im Gegensatz zu Ihnen nicht zu beurteilen, ob Putin „durch Schmerz über das Ende der Sowjetunion“ getrieben wird. Genauso gut kann ich mir vorstellen, dass ihn seine Verantwortung als russischer Präsident zu Reaktionen auf die massive westliche Expansions- und Einkreisungspolitik antreibt. Aber vielleicht haben Sie einen besseren Einblick in Putins Seelenleben.

Wenn Sie mir, dem „Putinversteher“, auch noch die Rolle von „Gysis Pressesprecher“ zutrauen, dann ehrt mich das. Ich bekenne, dass mich diese Funktion intellektuell weniger überfordern würde als der Versuch, die Ukraine-Politik Merkels, Obamas oder Rasmussens der Welt zu erklären.

Nebenbei, ich habe Sie nicht als Pressesprecher dieses Dreigestirns bezeichnet. Vielmehr habe ich Sie gebeten, Sie möchten sich besinnen, dass Sie genau das nicht sind. Das ist, mit Verlaub, ein großer Unterschied. Und als Kriegstreiber habe ich Sie auch nicht bezeichnet, das sind Sie sicher nicht. Aber Leuten wie Ihnen liegt erkennbar viel daran, die Vormachtstellung des „freien Westens“ auszubauen – auch zum Preis einer Doppelzüngigkeit und einer globalen Ungerechtigkeit.

Sehr geehrter Herr Roller, ich bemerke gerade, dass meine Antwort viel zu lang geraten ist. Betrachten Sie das bitte als Wertschätzung Ihrer offenen Äußerung.
Ich bin mir im Übrigen auch dessen bewusst, dass ich Sie vermutlich durch noch so viel Worte nicht von Ihren Grundüberzeugungen abbringen kann. Denn wir „ticken“ offensichtlich zu unterschiedlich.

Deswegen grüße ich Sie aber nicht minder freundlich.

Peter Vonnahme

p.s.
Ich beabsichtige, auch diesen Brief wieder demselben ausgewählten Empfängerkreis zugänglich zu machen. Eine Weiterverbreitung über Webportale und Mailaustausch ist zu erwarten.

Das Ende der US-Propaganda naht von Thierry Meyssan – Voltaire.net 12.05.2014

Von: Ste B <sbest>

Datum: Montag, 12. Mai 2014 12:11
An: Global Crisis <globalcrisis%Martin.zeis>
Betreff: Das Ende der US-Propaganda naht von Thierry Meyssan – Voltaire.net 12.05.2014

„Vor unseren Augen“

Das Ende der US-Propaganda naht

von Thierry Meyssan

Das angelsächsische Imperium beruht seit einem Jahrhundert auf Propaganda. Es ist ihr gelungen, uns davon zu überzeugen, dass die Vereinigten Staaten “das Land der Freiheit” sind und dass sie nur Kriege liefern um ihre Ideale zu verteidigen. Aber die gegenwärtige Krise in der Ukraine hat die Spielregeln geändert: Washington und seine Verbündeten sind nun nicht mehr die einzigen, die zu Wort kommen. Ihre Lügen werden von der Regierung und den Medien eines anderen großen Staates, Russland, offen angefochten. Die angelsächsische Propaganda funktioniert im Zeitalter der Satelliten und des Internets nicht mehr. (…)

Die aktuelle Krise zwischen Washington und Moskau in der Ukraine hat die Obama-Administration gezwungen, ihr System zu ändern. In der Tat ist Washington jetzt nicht mehr der einzige der das Wort hat, und muss der Regierung und den russischen, überall auf der Welt via Satellit und im Internet zugänglichen Medien widersprechen. Der Staatssekretär John Kerry hat daher einen neuen Assistenten in der Person des ehemaligen Chefredakteurs des Time Magazine, Richard Stengel für die Propaganda ernannt. [3]. Noch bevor er den Eid am 15. April ablegte, führte er bereits am 5. März seine Funktion aus, und schickte den großen atlantischen Medien ein “Argumtations-Blatt” über die “10 Lügen”, die Wladimir Putin über die Ukraine dargelegt hätte [4]. Er wiederholte dieses Unternehmen am 13. April mit einem zweiten Blatt mit „10 anderen Unwahrheiten“. [5]. (…)

Die Einstimmigkeit der atlantischen Medien über den 11. September hat geholfen, die internationale Öffentlichkeit davon zu überzeugen, aber die Arbeit von vielen Journalisten und Bürgern, deren Vorläufer ich war, bewies die physikalische Unmöglichkeit der offiziellen Version. Dreizehn Jahre später, haben Hunderte Millionen Menschen diese Lügen verstanden. Dieser Fortschritt kann mit dem neuen amerikanischen Propaganda-Gerät nur weitergehen. Alle diejenigen, die die Argumente des Weißen Hauses verbreiten, besonders die Regierungen und Medien der NATO, zerstören letztlich selbst ihre Glaubwürdigkeit.

Barack Obama und Benjamin Rhodes, John Kerry und Richard Stengel handeln auf kurze Sicht. Ihre Propaganda überzeugen die Massen nur ein paar Wochen und tragen dazu bei, sie aufzuwiegeln, wenn sie verstehen, dass sie manipuliert wurden. Unbewusst untergraben sie die Glaubwürdigkeit der Organe der NATO-Staaten, die sie ihnen bewusst zuspielten. Sie haben vergessen, dass die Propaganda des 20. Jahrhunderts nur funktionieren konnte, weil die Welt in Blöcke geteilt war, die nicht miteinander kommunizierten und ihr monolithisches Prinzip mit den neuen Kommunikationsmitteln nicht kompatibel ist.

Die Krise in der Ukraine ist noch nicht vorbei, aber sie hat bereits die Welt grundlegend verändert: als Wladimir Putin dem Präsidenten der Vereinigten Staaten öffentlich widersprach, machte er einen Schritt, der von jetzt ab den Erfolg der amerikanischen Propaganda vereitelt.

http://www.voltairenet.org/article183388.html

Thierry Meyssan

Thierry Meyssan Französischer Intellektueller, Präsident und Gründer des Réseau Voltaire und der Konferenz Axis for Peace. Er veröffentlicht Analysen über ausländische Politik in der arabischen, latein-amerikanischen und russischen Presse. Letztes, auf Französisch veröffentlichte Werk : L’Effroyable imposture : Tome 2, Manipulations et désinformations (hg. JP Bertand, 2007).

Desinformation, Irritationen, Halbwahrheiten Was ist los in der Ukraine? – Diskussion –

Von: “Fritz Mielert” <mielert@die-anstifter.de>
Datum:  21.03.2014 16:47:06
 
 
Desinformation, Irritationen, Halbwahrheiten
Was ist los in der Ukraine?
–   Diskussion  –
 
Mo, 24. März, 19:30 Uhr
Württembergischer Kunstverein (WKV), Schloßplatz 2, 70173 Stuttgart
 
Veranstalter: Die AnStifter, Ohne Rüstung leben, DFG/VK
 
Podium: Andreas Zumach (taz), Paul Russmann (Ohne Rüstung leben), EUCOM (angefragt), russische Botschaft (angefragt), ukrainische Botschaft (angefragt)
 
Moderation: Martin Zeis
 
Unterstützt von Kultur des Friedens und AK Demokratie.
 
Andreas Zumach, Jahrgang 1954, arbeitet auf den Gebieten des Völkerrechts, der Menschenrechtspolitik, der Sicherheitspolitik, der Rüstungskontrolle und internationaler Organisationen. Er arbeitet in Genf als Korrespondent für Printmedien (u.a. die tageszeitung). Einen Namen machte er sich m 2003 mit seiner Kritik am dritten Golfkrieg. Im Jahr 2009 erhielt er den Göttinger Friedenspreis.
 
Paul Russmann, Jahrgang 1956, arbeitet hauptamtlich für die ökumenische Friedensorganisation »Ohne Rüstung leben«. Als kritischer Aktionär tritt er immer wieder bei Hauptversammlungen großer Konzerne auf und setzt sich für eine Unternehmenspolitik ein, die sich am Allgemeinwohl orientiert und sich für Frieden, soziale Gerechtigkeit und Umweltschutz einsetzt.
 
Martin Zeis, Jahrgang 1952, seit 1981 Lehrer an Berufskollegs (Deutsch, Zeit-/Wirtschaftsgeschichte), seit 2006 Redakteur der Newsgruppe
„globalcrisis/globalchange“; parteilos; Mitglied in attac-D, Solidarische Moderne, Monetative.
 
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Über Fritz Mielert
Fritz Mielert, Jahrgang 1979, arbeitet als Geschäftsführer beim Bürgerprojekt Die AnStifter in Stuttgart. Davor betreute er zwischen 2011 und 2013 bei Campact politische Kampagnen im Spektrum zwischen Energiewende und Vorratsdatenspeicherung, engagierte sich in der AG Antragsbearbeitung der Bewegungsstiftung, baute ab 2010 maßgeblich die Parkschützer als eine der wichtigsten Gruppierung im Protest gegen Stuttgart 21 auf und war ab 1996 mehrere Jahre ehrenamtlich bei Greenpeace aktiv.
 
Die AnStifter e.V.
Fritz Mielert, Geschäftsführer
+49 (0)176 – 666 81 81 7
 
DenkMacherei
Mo-Fr, 10-18 Uhr oder 7-22 Uhr, je nach Lust und Laune
+49 (0)711 – 248 69 621
Werastr. 10, 70182 Stuttgart
 
AnStifterIn werden?
Formlos mailen – Infos folgen!
 
AnStiften. Der Zivilgesellschaft den Rücken stärken!
www.die-anstifter.de