Archiv der Kategorie: Geschichte

Eine russische Warnung | The Vineyard Saker ­ Deutsche Version

globalcrisis/globalchange NEWS

Stephan Best 01.06.2016

http://vineyardsaker.de/usa/eine-russische-warnung/#more-4713

(Die deutsche Übersetzung des heutigen Aufrufes ins Deutsche durch Dagmar Henn als PDF im Anhang)

Eine russische Warnung | The Vineyard Saker – Deutsche Version

A Russian Warning

Vorbemerkung: Eigentlich bräuchte es eine deutsche Version eines solchen Textes. Es gab schon Ähnliches, den Aufruf der ehemaligen NVA-Offiziere… aber Saker hat Recht, es ist nötig, im Grunde überfällig, gezielt das Militär anzusprechen. Auch die Bundeswehr. D.H. (Dagmar HENN)

Wir, die Unterzeichnenden, sind Russen, die in den USA leben und arbeiten. Wir haben mit zunehmender Sorge beobachtet, wie die gegenwärtige Politik der USA und der NATO uns auf einen extrem gefährlichen Kollisionskurs mit der Russischen Föderation gebracht hat, wie auch mit China. Viele angesehene, patriotische Amerikaner, wie Paul Craig Roberts, Stephen Cohen, Philip Giraldi, Ray McGovern und viele andere haben vor einem drohenden Dritten Weltkrieg gewarnt. Aber ihre Stimmen sind im Geschrei der Massenmedien untergegangen, die angefüllt sind mit täuschenden und fehlerhaften Berichten, die die russische Wirtschaft als im Chaos versunken und das russische Militär als schwach beschreiben – ohne dass es dafür Beweise gäbe. Aber wir, die wir sowohl die russische Geschichte als auch den heutigen Zustand der russischen Gesellschaft und des russischen Militärs kennen, können diese Lügen nicht schlucken. Wir empfinden es jetzt als unser Pflicht, als in den USA lebende Russen, das amerikanische Volk zu warnen, dass es belogen wird, und ihm die Wahrheit zu sagen. Und die Wahrheit ist schlicht dies:

Wenn es zu einem Krieg mit Russland kommt, dann werden die Vereinigten Staaten mit hoher Sicherheit zerstört, und viele von uns wird das das Leben kosten.

Treten wir einen Schritt zurück und stellen das, was geschieht, in einen historischen Kontext. Russland hat viel unter ausländischen Invasoren gelitten und 22 Millionen Menschen im zweiten Weltkrieg verloren. Die meisten der Toten waren Zivilisten, denn es wurde in das Land eingefallen, und die Russen haben geschworen, ein solches Unglück nie wieder geschehen zu lassen. Jedes mal, wenn Russland überfallen wurde, war es am Ende siegreich. 1812 marschierte Napoleon in Russland ein; 1814 ritt die russische Kavallerie in Paris ein. Am 22. Juli 1941 bombardierte Hitlers Luftwaffe Kiew; am 8. Mai 1945 rollten sowjetische Truppen durch Berlin.

Aber seitdem haben sich die Zeiten geändert. Würde Hitler Russland heute angreifen, wäre er 20 bis 30 Minuten später tot und sein Bunker durch einen Schlag einer Kalibr Überschalllenkrakete in einen Haufen glühenden Schutts verwandelt, die von einem kleinen Schiff der russischen Marine irgendwo in der baltischen See abgefeuert wurde. Die operationellen Fähigkeiten der neuen russischen Armee wurden während der jüngsten Einsätze gegen ISIS, Al Nusra und andere aus dem Ausland finanzierte Terrorgruppen, die in Syrien operieren, sehr überzeugend demonstriert. Vor langer Zeit musste Russland auf Provokationen reagieren, indem es auf seinem eigenen Gebiet Landgefechte führte und dann zur Gegeninvasion überging; aber das ist nicht länger nötig. Russlands neue Waffen sorgen für sofortige, nicht zu entdeckende, unaufhaltsame und perfekt tödliche Erwiderung.

Daher ist es sichergestellt, dass die USA, falls morgen ein Krieg zwischen ihnen und Russland ausbräche, vernichtet würden. Zum Mindesten gäbe es kein Stromnetz mehr, kein Internet, keine Öl- und Gaspipelines, keine Autobahnen, keinen Luftransport und keine GPS-Navigation. Die Finanzzentren lägen in Trümmern. Regierung würde auf jeder Ebene aufhören, zu funktionieren. Die US-Streitkräfte, die rund um den Globus stationiert sind, würden nicht länger mit Nachschub versorgt. Im schlimmsten Fall würde die gesamte Landmasse der USA von einer Lage radioaktiver Asche bedeckt. Wir erzählen euch das nicht, um Panik zu machen, sondern, weil wir selbst, auf Grundlage dessen, was wir wissen, besorgt sind. Wenn Russland angegriffen wird, wird es nicht nachgeben, es wird zurückschlagen, und es wird die Vereinigten Staaten völlig auslöschen.

Die Führung der USA hat alles in ihren Mächten stehende getan, um die Situation an den Rand der Katastrophe zu führen. Zuerst hat ihre anti-russische Politik die russische Führung davon überzeugt, dass es nutzlos ist, dem Westen Konzessionen zu machen oder mit ihm zu verhandeln. Es wurde offensichtlich, dass der Westen immer jedes Individuum, jede Bewegung oder Regierung unterstützen wird, die anti-russisch ist; seien es Steuern hinterziehende russische Oligarchen, verurteilte ukrainische Kriegsverbrecher, von den Saudis unterstützte wahabitische Terroristen in Tschetschenien oder Punks, die in Moskau eine Kathedrale entweihen. Nun, da die NATO sich unter Bruch ihrer früheren Versprechen bis an die russische Grenze ausgedehnt hat, und US-Truppen ins Baltikum entsandt sind, in Artilleriereichweite von St. Petersburg, Russlands zweitgrößter Stadt, gibt es nichts, wohin die Russen zurückweichen könnten. Sie werden nicht angreifen, aber sie werden auch nicht nachgeben oder sich ergeben. Die russische Führung genießt die Unterstützung von über 80% der Bevölkerung, und die verbliebenen 20% sind der Überzeugung, sie sei den westlichen Übergriffen gegenüber zu zaghaft. Aber Russland wird Vergeltung üben, und eine Provokation oder ein simpler Fehler könnten eine Kette von Ereignissen auslösen, die mit Millionen toter Amerikaner und den USA als Trümmerhaufen endet.

Anders als viele Amerikaner, die Krieg als aufregendes, siegreiches Abenteuer im Ausland sehen, hassen und fürchten die Russen den Krieg. Aber sie sind ebenso bereit dazu, und sie haben sich schon seit einigen Jahren darauf vorbereitet. Ihre Vorbereitungen waren sehr effektiv. Anders als die USA, die ungezählte Milliarden für zweifelhafte, überteuerte Waffenprogramme wie den F-35 Mehrzweckkampfflieger verschleudern, gehen die Russen mit den Rubeln ihres Verteidigungsetats sehr sparsam um und erhalten dafür im Vergleich zur aufgeblasenen US-amerikanischen Rüstungsindustrie etwa zehn Mal soviel ‘Knall für die Kohle’. Auch wenn es stimmt, dass die russische Wirtschaft unter den niedrigen Energiepreisen gelitten hat, ist sie weit davon entfernt, ins Chaos zu stürzen, und eine Rückkehr zu Wachstum wird bereits nächstes Jahr erwartet. Senator John McCain nannte Russland einmal „eine Tankstelle, die vorgibt, ein Land zu sein.“ Nun, er hat gelogen. Ja, Russland ist der weltgrößte Ölproduzent und der zweitgrößte Ölexporteur; aber es ist auch der weltgrößte Exporteur von Getreide und von Nukleartechnik. Russland ist ebenso fortgeschritten und hoch entwickelt wie die Vereinigten Staaten. Die russischen Streitkräfte, die konventionellen wie die nuklearen, sind jetzt zum Kampf bereit, und sie sind denen der USA und der NATO mehr als ebenbürtig, insbesondere, wenn ein Krieg irgendwo in der Nähe der russischen Grenze ausbrechen sollte.

Aber ein solcher Kampf wäre für alle Seiten selbstmörderisch. Wir sind davon überzeugt, dass ein konventioneller Krieg in Europa mit hoher Wahrscheinlichkeit sehr schnell nuklear wird, und dass jeder Nuklearschlag der USA oder der NATO gegen russische Truppen oder russisches Gebiet automatisch einen atomaren russischen Vergeltungsschlag gegen die USA selbst auslösen wird. Entgegen der verantwortungslosen Behauptungen einiger amerikanischer Propagandisten können die amerikanischen Raketenschilde gegen ballistische Raketen das amerikanische Volk nicht vor einem russischen Nuklearschlag schützen. Russland hat die Mittel, Ziele in den USA zu treffen, mit nuklearen wie auch mit konventionellen Langstreckenwaffen. (…)

 

http://vineyardsaker.de/usa/eine-russische-warnung/#more-4713

(Die deutsche Übersetzung des heutigen Aufrufes ins Deutsche durch Dagmar Henn als PDF im Anhang)

The SAKER Aufruf dt. 20160601

P.C. ROBERTS: Somnolent Europe, Russia, and China: Accept US Hegemony or Go to War? EU was a creature of the CIA

globalcrisis/globalchange NEWS
Martin Zeis, 08.05.2016

Dear all,

the articles below written by Paul Craig Roberts and Ambrose Evans-Pritchard explain the enormous pressure the US-Empire exerts on the British government preventing a BREXIT at all costs.

First: „Declassified American government documents show that the US intelligence community ran a campaign in the Fifties and Sixties to build momentum for a united Europe. It funded and directed the European federalist movement. The documents confirm suspicions voiced at the time that America was working aggressively behind the scenes to push Britain into a European state. One memorandum, dated July 26, 1950, gives instructions for a campaign to promote a fully fledged European parliament. It is signed by Gen. William J. Donovan, head of the American wartime Office of Strategic Services, precursor of the CIA.“ (cf. A. Evans-Pritchard)

Second: „As I have previously written, Washington believes that it is easier to control one government, the EU, than to control many separate European governments. As Washington has a long term investment in orchestrating the European Union, Washington is totally opposed to any country exiting the arrangement. That is why President Obama recently went to London to tell his lapdog, the British Prime Minister, that there could be no British exit.
Like other European nations, the British people were never allowed to vote on whether they were in favor of their country ceasing to exist and them becoming Europeans. … Washington’s position is that the British people must not be permitted to decide against the EU, because such a decision is not in Washington’s interest.“ (cf. P.C. Roberts)

PCR-EU=creature-of-CIA160506.pdf

Immanuel WALLERSTEIN Die Linke und die Nation: ungelöste Mehrdeutigkeiten

Immanuel Wallerstein Aus: Sand im Getriebe 119

http://www.attac.de/uploads/media/sig_119.pdf

 

Kommentar Nr. 419, 15. Februar 2016 Der Begriff Nation hatte im Laufe der Jahrhunderte verschiedene Bedeutungen. Aber heute und besonders seit der Französischen Revolution wurde der Begriff mehr oder weniger im Zusammenhang mit dem Nationalstaat verstanden. Damit versteht man unter Nation die Menschen, die rechtmäßige Mitglieder einer Gemeinschaft sind, die sich auf einem bestimmten Staatsgebiet befindet. Ob die Menschen, die eine Nation bilden, einen Staat erschaffen oder ob ein Staat die Kategorie Nation schafft, wird schon lange debattiert. Ich selbst glaube, dass Staaten die Nationen schaffen und nicht umgekehrt. Die Frage ist daher, warum Staaten die Nationen schaffen und welche Stellung die Linke zum Konzept der Nation ein- nehmen sollte. (…)

Der vollständige Beitrag als PDF im Anhang

WALLERSTEIN sig_119 page 28

Immanuel Wallerstein (* 28. September 1930 in New York City) ist ein US-amerikanischer Sozialwissenschaftler und Sozialhistoriker. Er ist der Begründer einer Weltsystemanalyse, die Aspekte von Geschichte, Ökonomie, Politikwissenschaft und Soziologie zusammenfasst.

Griechenland: eine deutsche Schuldenkolonie?

Guten Abend zusammen,Griechenland taucht in den Medien seit einiger Zeit nur noch im Zusammenhang mit der Flüchtlingsproblematik auf. Die finanzielle und soziale Lage scheint sich entspannt zu haben. Dem ist aber keinesfalls so. Von den im August vereinbarten 86 Milliarden Euro des dritten Kreditpaketes erhielt Griechenland im November und Dezember 2015 16 Milliarden, für den Schuldendienst sowie die Rekapitalisierung der Banken. Seit Monaten läuft von Seiten der Gläubigerinstitutionen die Evaluation der seit Sommer verordneten Gesetzesauflagen. Da die griechische Regierung sich bislang weigert, zusätzliche Auflagen und Kürzungen auf Vorrat zu beschließen, sperrt die Quadriga (EU-Kommission, IWF, ESM, EZB) den Geldhahn wieder zu und gibt keine weitere Kredittranche frei.

 

Im Kontext dieser Angriffswelle der Finanzkriegsführung gegen Griechenland schreibt Margarita Tsomou einen lesenswerten Essay, in dem sie die post-kolonialen Perspektiven des globalen Südens einbezieht und diskutiert, inwiefern Griechenland sich in einem postkolonialen Beherrschungsverhältnis befindet. Zu den stärksten Passagen des Essays gehört das Herausschälen der ideologischen Legitimationsfigur „des deutschen Steuerzahlers“, der nicht nur als Kollektiv gegen ‚DEN minderwertigen Griechen‘ in Stellung gebracht wird, sondern auch gesellschaftliche Ungleichheits- und Ausbeutungsverhältnisse in Deutschland kaschiert.

Es folgen Auszüge aus dem Essay; der vollständige Text ist im Anhang verfügbar (10 S.)

Margarita Tsomou arbeitet als Autorin, Dramaturgin, Kulturschaffende und Kuratorin in Berlin. Sie ist eine der Herausgeberinnen des Pop-feministischen Missy Magazine und schreibt für deutsche Zeitungen und Radiosender.

 

Griechenland: eine deutsche Schuldenkolonie?

Griechenland: eine deutsche Schuldenkolonie?

Essay von Margarita Tsomou

Eine neue (postkoloniale) Lesart der griechischen Krise. Oder: Wie aus Griechenland ein neokoloniales Protektorat wurde, und was dies für die dortige und europäische Demokratie bedeutet.
[…]
Jayati Ghosh, Professorin am Zentrum für ökonomische Studien an der Jawaharlal-Nehru-Universität in Neu Delhi,[…] argumentiert, dass die Schuldenkrise der europäischen Peripherie alles andere als neu oder ein Ausnahmeunfall in der europäischen Geschichte sei, sondern einem bereits vorgeschriebenen Skript folge: Dabei reihe sich Griechenland in die lange Liste der überschuldeten Länder der Peripherie des Westens ein, die sich durch ein neokoloniales Verhältnis zu ihren Gläubigern auszeichnen. Was ist damit gemeint?
Neokolonialismus ist ein Begriff der Postcolonial Studies und meint eine geopolitische Praxis, die ökonomische Mechanismen, globalisierte Unternehmen, aber auch transnationale ökonomische Regulationsinstitutionen wie WTO, IWF, Weltbank nutzt, um die Politik von Ländern zu beeinflussen, anstatt – wie etwa im Kolonialismus – sie direkter militärischer Kontrolle zu unterziehen. […] Einer der wichtigsten Mechanismen für die Herstellung dieser neokolonialen Abhängigkeit ohne militärischen Eingriff ist natürlich die Verschuldung. David Graeber (2012) hat gezeigt, wie Schulden stets ein Herrschaftsinstrument zwischen Nationen waren und das Recht auf politische Kontrolle der Gläubiger legitimierten und begründeten. […] Die Logik ist bekannt: Ökonomisch schwache Länder sind zur Aufnahme von Schulden gezwungen, die Kreditvergabe ist dabei an Strukturanpassungsprogramme gebunden. Es sind Programme zur kompletten Umstrukturierung von Ökonomie und Gesellschaft. […]
Der entscheidende Unterschied zu außereuropäischen Staaten ist, dass Griechenland selbst Teil des Körpers ist, zu dem sich ein ökonomisches neokoloniales Abhängigkeitsverhältnis entwickelt hat. Zudem stellt sich die Frage des „Ortes der Macht“ deutlich anders als bei den traditionellen kolonialen Verhältnissen: Es gibt keinen offensichtlichen feindlichen „Fremdstaat“, sondern ein multilaterales Netz von EU-Institutionen, Finanzakteuren, EU-Bürokraten und Regierungen mit unterschiedlich starkem Mitspracherecht. […]
Die Bedeutung des Mitspracherechts der jeweiligen EU-Partner wird an seiner wirtschaftlichen Leistung gemessen. Das Wort derjenigen, die die Stabilitätskriterien am optimalsten erfüllen, die gute Außenhandelsbilanzen, gute Überschüsse erzielen, gute Ratingagentur-Noten erhalten, wiegt mehr als das der anderen. Und wer hat die besten Noten, und wessen Wort wiegt dementsprechend schwer? Es ist Deutschland.
[…]
Viele der EU-Institutionen sind nach deutschem Beispiel konstruiert worden – allen voran die EZB, die nach dem Beispiel der Bundesbank konzipiert wurde. Deutschland ist das Vorbild und exportiert Wirtschaftspolitik – sei es bei der Implementierung der Schuldenbremse, der unter dem Druck von Deutschland festgelegten Stabilitätskriterien oder bei dem Modell Hartz IV, das Lohndumping und Deregulierung des Arbeitsmarkts fordert. (Außenminister Nikos) Kotzias argumentiert, dass Deutschland dabei nicht nur eine Beratungsfunktion zukommt, sondern dass die Souveränitätsrechte seitens der Schuldnerstaaten und allen voran Griechenlands an Deutschland abgetreten worden sind − auch in Form von einem Recht der Kontrolle und Überwachung des anderen Staates.
Kotzias beschreibt, wie über die Memoranden ein ausdifferenziertes Kontroll- und Beaufsichtigungssystem über die griechische Politik etabliert worden ist. So schickte die Troika in den vergangenen Jahren eine große Gruppe von Beamt_innen zur Kontrolle in alle Ministerien, die für den öffentlichen Bereich von Bedeutung waren. Bis aufs kleinste Detail mussten die Beamt_innen über die griechische Wirtschaft informiert sein: Sie forderten Namenslisten der Entlassenen, Informationen über die Öffnungszeiten von Apotheken oder die Lizenzvergabe für Kosmetikstudios. Das dritte und aktuelle Memorandum ist an die bisher intensivste Beaufsichtigung europäischer Expertenkomitees gebunden.
Beaufsichtigung oder Kontrolle sind für Kotzias zentrale Charakteristika neokolonialer Dominanz.
Legitimation durch kulturelle Abwertung

Einer der Effekte der Klassifizierung als „Anderer“ ist die Abwertung, mit der legitimiert wird, dass „Andere“ unterdrückt, ausgeschlossen oder enthumanisiert werden. Zentral dabei ist die doppelte Wertung des Anderen: sowohl als minderwertigen Anderen, aber auch als bedrohenden Anderen, der im Sinne eines zivilisatorischen Projekts erzogen werden muss. Im Fall der Eurokrise haben wir es mit einer ökonomistischen Variation der abwertenden kulturellen Konstruktion des Anderen zu tun. […]

Dieses „deutsche Wir“ gegen das „griechische Sie“ ist eine nationale Anrufung besonderer, weil verdeckter Art. Denn das Subjekt dieses neuen Nationalismus ist die Figur des „deutschen Steuerzahlers“, meine Lieblingsfigur in der Debatte. Es ist eine interessante nationale Identität, die nicht den Souverän, das Volk oder den Bürger als die Kollektivität setzt, sondern die ökonomische Position als verbindende Gemeinsamkeit unterstellt. Es ist einer neue Art von ökonomischem Nationalismus: ohne Blut, Verwandtschaft, Tradition, Sprache, Kultur und so weiter. Dieser neue „kleine Mann“ ist nicht Arbeitnehmer oder Wähler, sondern Steuerzahler, und als solcher hat er das gleiche Interesse wie „unsere Banker und unsere Politiker“. Und er ist natürlich Opfer: Er sowie „seine Banken“ geben Milliarden an die Griechen – und was ist mit ihnen? Die Angst der Deutschen vor dem sozialen Abstieg in der europäischen Krise wird nicht an die Habenden adressiert, sondern umgelenkt an die vermeintlichen Nicht-Zahler. Dieser ökonomische Nationalismus entpuppt sich dadurch auch als Klassismus, denn Nicht-Zahler sind natürlich auch Hartz-IV-Empfänger, Flüchtlinge, „Sozialschmarotzer“ – oder eben undankbare Griechen.
[…]

TSOMOU-Griechenland-deutsche-Schuldenkolonie2016_04

Viele Grüße

Elke Schenk

globalcrisis/globalchange NEWS

Lesenswert – Interview mit Kurt GRITSCH: „Krieg um Kosovo: Geschichte, Hintergründe, Folgen“; Jens WERNICKE, NDS 26.04.2016

globalcrisis/globalchange NEWS
Martin Zeis, 26.04.2016

Der Journalist Jens WERNICKE hat den Schweizer Zeithistoriker und Konfliktforscher Kurt GRITSCH (Jg. 1976) zu seiner kürzlich bei University Press (Innsbruck) erschienenen Studie „Krieg um Kosovo: Geschichte, Hintergründe, Folgen“ interviewt (vgl. www.nachdenkseiten.de/?p=33128#more-33128 ).

Nach dem Angriffskrieg auf Jugoslawien äußerte sich Jamie SHEA, Pressprecher der NATO offenherzig zur Aufgabe der Medien: „Die Medienkampagne zu gewinnen, ist genauso wichtig, wie die militärische Kampagne für sich zu entscheiden.“

Was Kurt Gritsch vielleicht nicht weiß, ist die bedeutende Rolle, welche die laufende Berichterstattung auf der Website der „AG Friedensforschung“ (Kassel) http://www.ag-friedensforschung.de bei der Kritik und Aufklärung über sämtliche in dem Interview angesprochenen Aspekte/Hintergründe dieses geostrategischen Präzendenzkrieges der USA/NATO spielte.

Viele – auch in der Partei „Die Grünen“ – nutzten die dort veröffentlichten Dokumente, Memoranden, den Nachweis und die Enthüllung fortgesetzter medialer Fälschungen, die angezeigten/rezensierten Artikel/Bücher über die geopolitische Bedeutung der Zerstörung/Zerlegung der Mittelmacht Jugoslawien in hilflose, abhängige, sowohl von US/D/EU leicht steuerbare Kleinstaaten (sog. Balkanisierung).

Die Website war entscheidend für den Unterricht in (Zeit-)-Geschichte und Deutsch an den allgemeinen und beruflichen (Ober-) Schulen und für die Aufklärung friedensbewegter KollegInnen, welche unter dem Druck der medialen Propaganda fast zusammenbrachen, insbesondere, weil sich Leute ihres Vertrauens (wie Leitfiguren der Grünen, die mit Reformhoffnungen von ihnen gewählte Rot-/Grün-Regierung, Schriftsteller wie Enzensberger mit einem Spiegel-Essay: Milosevicz = Hitler) dem US-/NATO-Krieg angeschlossen hatten.

Ich erinnere mich noch genau, welche Zustimmung aber auch kognitive Dissonanzen die halbwöchentlich im Kollegium und den Kollegklassen verteilten Doku-Mappen mit den o.a. AG-Friedensforschungs-Materialien auslösten … aber auch an den Parteiaustritt vieler tausend Mitglieder der sich ihres friedenspolitischen Gründungskonsens’ („Nie wieder Krieg“, „Raus aus der NATO“) entledigenden Partei.

Im Folgenden der Anfang des gehaltvollen NDS-Interviews, das in Gänze auch im Anhang (pdf, 8 S.) verfügbar ist.

Viele Grüße,

Martin Zeis

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Herr Gritsch, soeben erschien Ihr neues Buch „Krieg um Kosovo: Geschichte, Hintergründe, Folgen“, mit dem Sie vielen neuzeitlichen Geschichtsmythen, die sich um den Kosovo-Krieg ranken, entgegentreten. Warum dieses Buch? Was war, was ist Ihre Intention?

Ich beschäftige mich seit 1999 als Historiker mit diesem Konflikt. Das vorliegende Buch enthält die Quintessenz dieser Forschung. Ich habe darin einerseits Texte vereint, die zuvor in Fachzeitschriften und Massenmedien erschienen sind, und andererseits die gesamte Thematik nochmals aktualisiert und letztlich auch in den breiteren Kontext von NATO-Osterweiterung sowie Ukraine- und Syrien-Konflikt gestellt. Denn das, was wir seit einigen Jahren erleben, ist eine Folge der NATO-Wandlung von Verteidigung zu Intervention, und das ist mit dem Kosovo-Krieg geschehen.

Sie schreiben im Buch, dass die Feuilletondiskussionen in FAZ, Süddeutscher, Zeit und Spiegel damals in hohem Ausmaß gesteuert waren, es also gezielte Bemühungen gab, Kriegszustimmung zu erheischen. Können Sie das denn belegen?

Ich habe dazu einerseits die Konfliktberichterstattung von FAZ, Süddeutscher, Zeit, Spiegel und taz im Krisenjahr 1998 bis vor Kriegsbeginn im März 1999 punktuell analysiert. Punktuell heißt, dass ich besonders wichtige Anlässe untersucht habe, wie zum Beispiel das Holbrooke-Miloševi-Abkommen sowie das mutmaßliche Massaker von Račak.

Andererseits habe ich die Feuilleton-Debatte in den fünf Zeitungen vom 24. März bis zum 10. Juni 1999 quantitativ und qualitativ ausgewertet.

Und zu welchen Ergebnissen gelangten Sie dabei? Was fiel Ihnen auf?

Auffallend war, dass alle fünf untersuchten Zeitungen zu keinem Zeitpunkt deeskalierend berichtet haben, wie dies beispielsweise die UNESCO-Mediendeklaration von 1978 verlangt, sondern stattdessen ein militärisches Eingreifen der NATO forderten.

Dazu wurde offenbar sehr gezielt ein jugoslawisch-serbisches Feindbild aufgebaut, indem man an das negative Jugoslawien-Bild aus dem „Bosnien-Krieg“ anknüpfte.

So wurde Belgrad etwa unterstellt, im Kosovo würde mit einer „ethnischen Säuberung“ begonnen. Dazu wurde der von der PR-Agentur Ruder Finn bereits 1992 lancierte Vergleich Serben=Nazis aus dem Bosnien-Krieg reaktiviert, der schließlich in der Analogie Miloševicz=Hitler kulminierte. Dieser Vergleich wurde dann vor allem 1999 während der Luftangriffe verwendet.

Die These der einseitigen serbischen „ethnischen Säuberung“ stammte damals ja von der NATO. UNO-Generalsekretär Kofi Annan vertrat sie nicht…

Das ist richtig. Annan hat von einem Bürgerkrieg gesprochen und nicht von einem einseitigen „serbischen Vertreibungs- und Vernichtungsprogramm“. Er hat auch wiederholt betont, dass Kosovo ein politisches Problem sei, das einer politischen Lösung bedürfe.

Aber die von mir untersuchten Medien sind auf diese Darstellung, die Annan auch mit Fakten belegte, entweder gar nicht erst eingegangen oder sie haben sie als unrealistisch dargestellt.

So wurde die UNO diskreditiert und die NATO als effizientere Lösungsorganisation porträtiert.

Diese Geringschätzung gegenüber der UNO stammt aus den USA, war damals unter den Transatlantikern weit verbreitet und speiste sich aus Ereignissen wie Ruanda oder Srebrenica, freilich ohne zu erwähnen, dass bestimmte Mitgliedsstaaten die UNO damals zuerst im Stich gelassen hatten.

GRITSCH-Kosovokrieg_Wernicke-Interview160426.pdf

KenFM im Gespräch mit: Eugen Drewermann

Veröffentlicht am 20.03.2016

Eugen Drewermann ist das Gegenteil eines Menschenfeindes. Er spricht selbst über die, die ihn verraten und verkauft haben, nicht abfällig, und das sind eine Menge Leute. Sie alle haben etwas gemeinsam. Sind waren und sind Teil einer Struktur, in der weniger der Einzelne und sein Tun zählt, sonder mehr seine Position in der Machtpyramide und sein Unterlassen.

Drewermann prangert vor allem das Unterlassen an. Das Unterlassen von Mitgefühl. Das Unterlassen von Widerstand. Das Unterlassen von Wahrhaftigkeit.

Wir leben in einer durch und durch korrumpierten Welt, in der jeder für sich, mehr oder weniger, versucht, sich über Wasser zu halten. Immer mehr Menschen sind bereit, dafür andere untergehen zu lassen, aus Angst, sonst als nächstes an die Reihe zu kommen. Dieses System trägt den verharmlosenden Namen Marktwirtschaft und gibt vor, demokratisch zu sein und sich um das Wohl der Massen zu bemühen.

In Wirklichkeit herrscht eine kleine Elite über den großen Rest, indem sie verkündet, die Massen wären in Kern identisch. Das genaue Gegenteil ist der Fall. Die größte Gemeinsamkeit aller Menschen ist ihre Individualität. Individualität und Profit beißen sich, denn nur wenn man uns alle gleich macht, kann eine Macht die Massen gleichmäßig und damit global unterdrücken.

Das System ist perfide, schmeckt süß und glänzt in den buntesten Farben, aber es kommt nicht ohne Gewalt aus. Gewalt nach Außen, Gewalt im Inneren. Systemgewalt. Jeder, der diese Mechanik erkannt hat und laut ausspricht, wird vom System attackiert und isoliert. Man versucht, an ihm ein Exempel zu statuieren, indem man zum Beispiel alles dafür tut, um die wirtschaftliche Situation zu zerstören. Die physische Vernichtung wird bei diesen Machtspielchen billigend in Kauf genommen, um nicht zu sagen – erwünscht.

An Eugen Drewermann haben sich schon unzählige Personen die Zähne ausgebissen. Der Theologe und Kirchenkritiker ist aber unkaputtbar. Als Psychoanalytiker kennt er sich aus mit dem menschlichen Verstand, als Priester hat er gute Verbindungen nach ganz Oben. Der Autor Drewermann ist aber alles andere als entrückt. Im Gegenteil. Er weiß bis ins letzte Detail, was Sache ist. Ob NATO-Übung oder Geldsystem, Neoliberalismus oder Propagandatechniken der Massenmedien, Eugen Drewermann ist ein wandelndes Archiv. Ein Beobachter und Analyst.
Mit ihm zu sprechen war eine echte Herausforderung, denn seine Antworten dauern mitunter 15 Minuten und bauen Gedanken zu komplexen Gebäuden, die, wenn sie schlüsselfertig vollendet wurden, dem Zuhörer Räume eröffnen, die dieser zuvor gar nicht kannte. „Sapere Aude“ könnte man die Begegnung mit diesem Denker zutreffend zusammenfassen. Wage es, weise zu sein.

https://www.kenfm.de
https://www.kenfm.de/unterstutze-kenfm
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Great Game & Partitioning Of Syria

Report by Shelley Kasli, Founder & Editor of GreatGameIndia, India’s only quarterly journal on Geopolitics and International Affairs.EDITOR’S CHOICE | 20.03.2016Russia’s decision to greatly reduce its military presence in Syria, coming as it did with little warning, has left the world struggling for explanations. Russia is to maintain a military presence at its naval base in Tartous and at…

http://pwlasowa.blogspot.com/2016/03/great-game-partitioning-of-syria.html

John PILGER: A WORLD WAR HAS BEGUN. BREAK THE SILENCE; address at the University of Sydney – published 20 March 2016

globalcrisis/globalchange NEWS
Martin Zeis, 23.03.2016

Dear all,

in a striking address at the University of Sydney John Pilger roasts the US foreign policy 1945 ff, the nationwide systemic record of violence and the ideology of a messianic Americanism, claiming „a world substantially made over in [America’s] own image“ (as 1947 described in a series of National Security Council directives).
Similar to other globally wellknown writers like Pepe Escobar, Michel Chossudovsky, John Whitehead, Paul Craig Roberts etc. he’s warning the public of a presidency of Hillary Clinton who’s epitomising „the resilience and violence of a system whose vaunted „exceptionalism“ is totalitarian with an occasional liberal face“.

He finishes angry and troubled:

„What has happened to the great tradition of popular direct action, unfettered to parties? Where is the courage, imagination and commitment required to begin the long journey to a better, just and peaceful world? Where are the dissidents in art, film, the theatre, literature? Where are those who will shatter the silence?“

PILGER-Break-the-Silence160320.pdf

Sergey LAVROV: "Russia’s Foreign Policy: Historical Background"; Global Affairs, March 3, 2016

globalcrisis/globalchange NEWS
Martin Zeis, 03.03.2016

Dear all,

today the Ministry of Foreign Affairs of The Russian Federation published a striking article by Sergey Lavrov about Russia’s foreign policy over the course of the last 1000 years.

(full text attached, pdf-file 8p)

Greets
Martin Zeis

— E X C E R P T —

http://www.mid.ru/en/foreign_policy/news/-/asset_publisher/cKNonkJE02Bw/content/id/2124391

The Ministry of Foreign Affairs of The Russian Federation,
Foreign policcy / News
3 March 2016 09:20

Sergey Lavrov’s article „Russia’s Foreign Policy: Historical Background“ for „Russia in Global Affairs“ magazine, March 3, 2016

„International relations have entered a very difficult period, and Russia once again finds itself at the crossroads of key trends that determine the vector of future global development.

Many different opinions have been expressed in this connection including the fear that we have a distorted view of the international situation and Russia’s international standing. I perceive this as an echo of the eternal dispute between pro-Western liberals and the advocates of Russia’s unique path. There are also those, both in Russia and outside of it, who believe that Russia is doomed to drag behind, trying to catch up with the West and forced to bend to other players’ rules, and hence will be unable to claim its rightful place in international affairs. I’d like to use this opportunity to express some of my views and to back them with examples from history and historical parallels.

It is an established fact that a substantiated policy is impossible without reliance on history. This reference to history is absolutely justified, especially considering recent celebrations. In 2015, we celebrated the 70th anniversary of Victory in WWII, and in 2014, we marked a century since the start of WWI. In 2012, we marked 200 years of the Battle of Borodino and 400 years of Moscow’s liberation from the Polish invaders. If we look at these events carefully, we’ll see that they clearly point to Russia’s special role in European and global history.

(…)

Speaking about Russia’s role in the world as a great power, Russian philosopher Ivan Ilyin said that the greatness of a country is not determined by the size of its territory or the number of its inhabitants, but by the capacity of its people and its government to take on the burden of great world problems and to deal with these problems in a creative manner. A great power is the one which, asserting its existence and its interest … introduces a creative and meaningful legal idea to the entire assembly of the nations, the entire “concert” of the peoples and states. It is difficult to disagree with these words.“

LAVROV-Russia’s-Foreign-Policy160303.pdf