Archiv der Kategorie: Geschichte

Andrew KORYBKO – Hybrid Wars 6. Trick To Containing China (IX)

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Quelle: Hybrid Wars 6. Trick To Containing China (IX)Andrew Korybko is the American political commentator currently working for the Sputnik agency. He is the post-graduate of the MGIMO University and author of the monograph “Hybrid Wars: The Indirect Adaptive Approach To Regime Change” (2015). This text will be included into his forthcoming book on the theory of Hybrid Warfare.

 

PREVIOUS CHAPTERS:

Hybrid Wars 1. The Law Of Hybrid Warfare

Hybrid Wars 2. Testing the Theory – Syria & Ukraine

Hybrid Wars 3. Predicting Next Hybrid Wars

Hybrid Wars 4. In the Greater Heartland

Hybrid Wars 5. Breaking the Balkans

 

Die Verantwortung des Westens für das Elend im Mittleren Osten – Nachdenkseiten

Bereits 1916 als die Staatsgrenzen Syriens und seiner Nachbarstaaten gezogen wurden war die Region ein Spielball der Großmächte. Hundert Jahre später liegt das Land in Trümmern. Jens Wernicke sprach mit der Journalistin und Autorin Karin Leukefeld zur Frage, warum. Und erfährt von einem gezielt betriebenen Wirtschafts- und Stellvertreterkrieg des Westens, der zunehmend zum Exitus des syrischen Staates führe, die Bevölkerung in den Hungertod treibe und bereits 11 Millionen Syrer auf die Flucht getrieben hat.

11. August 2016 Quelle: Die Verantwortung des Westens für das Elend im Mittleren Osten

Die Türken vor Wien – U. Gellermann

Geschichte wiederholt sich als Farce : Als die Türken zum letzten Mal vor Wien standen, war das Habsburger-Kaiserreich eine europäische Führungsmacht. Das heutige nette Österreich führt wesentlich sich selbst. Doch immerhin: Als die Flüchtlinge aus Syrien, Afghanistan und dem Irak vor den Toren der Europäischen Union…

über Die Türken vor Wien — Rationalgalerie Aktuell 08.08.2016

Riesiger Friedensmarsch auf Kiew

Stephan Best
globalcrisis/globalchange NEWS
15.07.2016

 

Hallo an die Listen,
nachdem erstaunlich große Volksbewegungen im Westen der Ukraine sich auf den Weg des Protests nach Kiew machen und die westlichen Mainstream-Medien darüber nicht berichten, verwundert es doch einigermaßen, dass auch auf den sonst verlässlichen Portalen nichts darüber zu finden ist. Nun möchten wir zwei Fundstellen dokumentieren, die mit Informationen dazu aufwarten: Willy Wimmer reflektiert die Rolle der (orthodoxen) Kirche bei der Moblisierung des Protestmarsches auf seniora.org, während Russia Insider bereits eine gewaltsame Unterdrückung der russisch-orthodoxen Aktion befürchtet. Dazu sprechen einige Kommentare aus der ukrainischen Administration eine deutliche Sprache. Offensichtlich passen diese Zehntausenden mit ihren Kreuzen und Heiligenbildern so gar nicht in das hierzulande medial gehätschelte Muster von Maidan- und Anti-Maidan Kräften in der Ukraine.

-=Beide Dokumente im Anhang!=-

Ciao Stephan Best
++++++++

seniora.org

Seniora.org – Riesiger Friedensmarsch auf Kiew

Willy Wahl

Von Willy Wimmer – 14. 07. 2016

Mit den Bildern aus der Ukraine wird das ganze Dilemma in Europa deutlich. In der Ukraine haben die Kirchen den Menschen noch etwas zu sagen und die Menschen lassen sich nicht alles durch die Regierenden bieten. Die Menschen wollen Frieden und sie gehen dafür nicht nur auf die Straßen. Sie pilgern über hunderte von Kilometern und nehmen damit unglaubliche Strapazen auf sich.

Der damit deutlich werdende Aufschrei der Menschen gegen die gegenwärtigen Verhältnisse ist so dramatisch, daß weder die Staatsgewalt noch die rechtsfaschistischen Kräfte es wagen, sich den Pilgern in den Weg zu stellen. Wo sind bei uns die Pilgerzüge, die sich den Kriegstreibern in den Weg stellen und wo die Kirchen, deren Priester den Menschen noch etwas zu sagen haben?

Die Bilder könnten gegensätzlicher nicht sein. Der Westen, der hinter dem schlimmen Schicksal der Ukraine steht und alles dort letztlich zu verantworten hat, glänzt durch Militärmanöver und dramatisches Säbelrasseln.

Dagegen zeigen die Menschen in einem tiefgläubigen Land mit ihren Friedenszügen, was der christliche Glaube in und für ein Volk bewirken kann. Wir im Westen sollten uns nicht täuschen, was die tatsächliche Lage in der Ukraine anbelangt.

Dabei ist es geradezu unglaublich, daß die Pilgerzüge im Westen der Ukraine ihren Ausgang genommen haben. In dem Teil der Ukraine, der schon dem Bilde nach an das alte Österreich erinnert und das bislang nach Westen oder in die Eigenstaatlichkeit strebte.

Wer in den letzten Jahren nach dem westlich unterstützten Putsch gegen die legitime Regierung in Kiew angenommen hatte, daß es keine staatliche Kooperation mit den alten faschistischen Strukturen in diesem Lande geben würde, sah sich enttäuscht.

Die Europäische Union hatte nicht das geringste dagegen einzuwenden, riesige Finanzströme dem “rechten Sektor” zugute kommen zu lassen, solange sich diese Kräfte gegen den russisch-sprechenden Teil der Ukraine oder Rußland selbst einsetzen ließen. Der deutsche Widersinn kam dabei besonders deutlich zu Tage. Hier wurde der Verbotsantrag gegen die NPD beim Bundesverfassungsgericht eingereicht und deutsches Regierungsgeld stärkte die “Asow”-und sonstigen Bataillone im Kampf gegen alles das, was “russisch” war und ist.

Die Pilgerzüge haben nichts von dem “an sich”, was in den letzten Jahren die Wiege des russischen Volkes in Europa so auseinandergetrieben hatte. Man muß sich in beiden Ländern nur einmal die Mehrzahl der Ehepaare ansehen, um eines feststellen zu können: Russen heiraten Ukrainer und umgekehrt. Hier haben nach dem Zerfall der Sowjetunion jene westlichen Kräfte angesetzt, die schon vor dem Ersten Weltkrieg über den Council on foreign relations aus Chicago alles unternommen haben, die österreichisch-ungarische Doppelmonarchie auseinander zu jagen.

Das für Mitteleuropa so desaströse amerikanische Modell wurde nach dem Zerfall der Sowjetunion nicht nur in der Ukraine umgesetzt. Rußland ist jetzt das Ziel. Dagegen stehen die Menschen in der Ukraine auf. Sie wollen sich ihre Mitmenschlichkeit nicht auch noch nehmen lassen. Und es ist das christliche Kreuz, das ihre Friedenspilgerzüge bestimmt.
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https://www.youtube.com/watch?v=yOAxKT5jLnEVideo vom Friedensmarsch Ukrainischer Orthodoxer nach Kiew, beeindruckend das “Volk” – der Mut und die Konsequenz
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13. Juli 2016 Update 22:00 Noch ist alles ruhig. Die Regierung in Kiew tobt und fordert jetzt unverblümt den Rechten Sektor auf einzugreifen und die Ankunft in Kiew zu verhindern. Das ist aber bereits unmöglich geworden. Die Kreuzzüge werden immer umfangreicher und die schieren Menschenmassen sind einfach zu groß, als daß man sie noch stoppen könnte. Selbst Gewalt richtet gegen Hunderttausende aus drei Richtungen nichts mehr aus.Der ukrainische Geheimdienst SBU soll die riesigen Prozessionen beobachten, sich aber zurückhalten. Einzelne Gruppen des Rechten Sektors stehen auch bisweilen am Straßenrand, beschimpfen und bepöbeln die Pilger, trauen sich aber bisher nicht wirklich, die Leute anzugreifen.

Die Leute stehen überall am Straßenrand, verneigen sich, bekreuzigen sich. Immer mehr ziehen mit.

Der Zug, der aus dem Westen auf Kiew zuwandert, startete vom Heiligen Himmelfahrtskloster in Potschajiw in der Oblast Tarnopil aus. Am Auszug aus dem Kloster beteiligten sich mindestens 5.000 Gläubige was man nach Minute 3 des untenstehenden Videos gut sehen kann. Als die Prozession die erste Etappe erreichte, waren es schon Zehntausend Pilger, die im Namen von Liebe, Frieden und Gebet nach Kiew ziehen. Hier gibt es ein Video mit Aufnahmen davon:

http://quer-denken.tv/ukrainer-stehen-auf-zigtausende-auf-einem-friedensmarsch-nach-kiew/

14.07.2016 — http://russia-insider.com/en/politics/ukraine-about-start-war-against-orthodox-believers-video/ri15603

Ukraine is About to Start War Against Orthodox Believers (Video)
By Daniel REYNOLDS

For many people in war-torn countries, there is only one safe harbor left – the Church. They turn to religion in search for missing peace, love and hope. That’s what is happening today in Ukraine.
The immense Cross Procession began in the Donetsk region, in the east of the country, on July 3 as an initiative of the Ukrainian Orthodox Church of the Moscow Patriarchate. A week later, it was kept up by the western inhabitants of Ukraine, who launched their own procession in the Ternopol region on July 9. Both columns of believers are going to meet each other in Kiev on July 27 on the eve of the Rus Epiphany celebration.
More than ten thousand pilgrims (and counting) left their homes to join the Cross Procession. They pray for peace, love, and the absence of war in the country. In modern Ukraine, this is called Kremlin provocation.
Look at the blessed faces of these people (the large part of them are women, children and the elderly) who take part in this procession and try to identify Kremlin agents who are working hard to destabilize Ukraine.

Video — The Orthodox Church in Ukraine Organises All-Ukraine Orthodox Christian Sacred Procession;
YouTube, 13.07.201,6 6:37min – https://www.youtube.com/watch?v=pIZRV_ey238

Any success?

Probably not. It’s because you don’t have the fevered imagination of Ukrainian nationalists who see Russian aggression literally everywhere.

The infamous Ukrainian “Right Sector” nationalist movement has already organized provocations against the Orthodox believers, writes the Union of Orthodox Journalists. (1) They escorted the procession with red-and-black flags chanting, “Russia is an aggressor!”, “Thanks be to Dazhbog!”, and other BS.

Some Ukrainian public figures have already made radical statements:
Zoryan Shkiryak, acting advisor of the head of the Ministry of Internal Affairs, called the procession a, “FSB provocation”, and promised “to do everything possible to ruin vile Kremlin plans”. (2)

Ukrainian expert in politics, Yury Romanenko, offered to put crosses along the way of the Cross Procession with a promise to crucify its participants:

“Moscow popes are trying to organize the Cross Procession from Lugansk and Donetsk regions towards Kiev. If more precisely, not Moscow popes but the Kremlin with the popes’ support. What should we do? First, we should announce everywhere that all the participants will be crucified beyond the front line. Second, we should put crosses along the route of the procession in advance. The effect will be great.”

A well-known Ukrainian neo-nazi, Viktoria Reznichenko, wrote on her FB page: “We have to stop this scum. We have to get ready and unite our efforts. Offer concrete ideas: how will we kill, burn or shoot them down?”

Oh, well … what other way is it possible to deal with a big procession of defenseless people praying for peace?

Notes
(1) http://uoj.org.ua/novosti/vopros-very/pravoradikaly-pytalis-pomeshat-krestnomu-khodu
(2) https://www.facebook.com/zoryan.zoryan/posts/1124724974255115

Willy WIMMER Friedensmarsch 20160714.pdf
Willy WIMMER Friedensmarsch 20160714.docx
UKRAINE-cross-procession-to-kiev160714.pdf

Hybrid Wars 6. Trick To Containing China (II) — Réseau International (english)

The global economic position of ASEAN is of pivotal importance in contemporary international relations, but similarly just as significant is the region’s strategic one vis-à-vis China and the unipolar world.

über Hybrid Wars 6. Trick To Containing China (II) — Réseau International (english)

To be continued…

Andrew Korybko is the American political commentator currently working for the Sputnik agency. He is the post-graduate of the MGIMO University and author of the monograph “Hybrid Wars: The Indirect Adaptive Approach To Regime Change” (2015). This text will be included into his forthcoming book on the theory of Hybrid Warfare.

Eine russische Warnung | The Vineyard Saker ­ Deutsche Version

globalcrisis/globalchange NEWS

Stephan Best 01.06.2016

http://vineyardsaker.de/usa/eine-russische-warnung/#more-4713

(Die deutsche Übersetzung des heutigen Aufrufes ins Deutsche durch Dagmar Henn als PDF im Anhang)

Eine russische Warnung | The Vineyard Saker – Deutsche Version

A Russian Warning

Vorbemerkung: Eigentlich bräuchte es eine deutsche Version eines solchen Textes. Es gab schon Ähnliches, den Aufruf der ehemaligen NVA-Offiziere… aber Saker hat Recht, es ist nötig, im Grunde überfällig, gezielt das Militär anzusprechen. Auch die Bundeswehr. D.H. (Dagmar HENN)

Wir, die Unterzeichnenden, sind Russen, die in den USA leben und arbeiten. Wir haben mit zunehmender Sorge beobachtet, wie die gegenwärtige Politik der USA und der NATO uns auf einen extrem gefährlichen Kollisionskurs mit der Russischen Föderation gebracht hat, wie auch mit China. Viele angesehene, patriotische Amerikaner, wie Paul Craig Roberts, Stephen Cohen, Philip Giraldi, Ray McGovern und viele andere haben vor einem drohenden Dritten Weltkrieg gewarnt. Aber ihre Stimmen sind im Geschrei der Massenmedien untergegangen, die angefüllt sind mit täuschenden und fehlerhaften Berichten, die die russische Wirtschaft als im Chaos versunken und das russische Militär als schwach beschreiben – ohne dass es dafür Beweise gäbe. Aber wir, die wir sowohl die russische Geschichte als auch den heutigen Zustand der russischen Gesellschaft und des russischen Militärs kennen, können diese Lügen nicht schlucken. Wir empfinden es jetzt als unser Pflicht, als in den USA lebende Russen, das amerikanische Volk zu warnen, dass es belogen wird, und ihm die Wahrheit zu sagen. Und die Wahrheit ist schlicht dies:

Wenn es zu einem Krieg mit Russland kommt, dann werden die Vereinigten Staaten mit hoher Sicherheit zerstört, und viele von uns wird das das Leben kosten.

Treten wir einen Schritt zurück und stellen das, was geschieht, in einen historischen Kontext. Russland hat viel unter ausländischen Invasoren gelitten und 22 Millionen Menschen im zweiten Weltkrieg verloren. Die meisten der Toten waren Zivilisten, denn es wurde in das Land eingefallen, und die Russen haben geschworen, ein solches Unglück nie wieder geschehen zu lassen. Jedes mal, wenn Russland überfallen wurde, war es am Ende siegreich. 1812 marschierte Napoleon in Russland ein; 1814 ritt die russische Kavallerie in Paris ein. Am 22. Juli 1941 bombardierte Hitlers Luftwaffe Kiew; am 8. Mai 1945 rollten sowjetische Truppen durch Berlin.

Aber seitdem haben sich die Zeiten geändert. Würde Hitler Russland heute angreifen, wäre er 20 bis 30 Minuten später tot und sein Bunker durch einen Schlag einer Kalibr Überschalllenkrakete in einen Haufen glühenden Schutts verwandelt, die von einem kleinen Schiff der russischen Marine irgendwo in der baltischen See abgefeuert wurde. Die operationellen Fähigkeiten der neuen russischen Armee wurden während der jüngsten Einsätze gegen ISIS, Al Nusra und andere aus dem Ausland finanzierte Terrorgruppen, die in Syrien operieren, sehr überzeugend demonstriert. Vor langer Zeit musste Russland auf Provokationen reagieren, indem es auf seinem eigenen Gebiet Landgefechte führte und dann zur Gegeninvasion überging; aber das ist nicht länger nötig. Russlands neue Waffen sorgen für sofortige, nicht zu entdeckende, unaufhaltsame und perfekt tödliche Erwiderung.

Daher ist es sichergestellt, dass die USA, falls morgen ein Krieg zwischen ihnen und Russland ausbräche, vernichtet würden. Zum Mindesten gäbe es kein Stromnetz mehr, kein Internet, keine Öl- und Gaspipelines, keine Autobahnen, keinen Luftransport und keine GPS-Navigation. Die Finanzzentren lägen in Trümmern. Regierung würde auf jeder Ebene aufhören, zu funktionieren. Die US-Streitkräfte, die rund um den Globus stationiert sind, würden nicht länger mit Nachschub versorgt. Im schlimmsten Fall würde die gesamte Landmasse der USA von einer Lage radioaktiver Asche bedeckt. Wir erzählen euch das nicht, um Panik zu machen, sondern, weil wir selbst, auf Grundlage dessen, was wir wissen, besorgt sind. Wenn Russland angegriffen wird, wird es nicht nachgeben, es wird zurückschlagen, und es wird die Vereinigten Staaten völlig auslöschen.

Die Führung der USA hat alles in ihren Mächten stehende getan, um die Situation an den Rand der Katastrophe zu führen. Zuerst hat ihre anti-russische Politik die russische Führung davon überzeugt, dass es nutzlos ist, dem Westen Konzessionen zu machen oder mit ihm zu verhandeln. Es wurde offensichtlich, dass der Westen immer jedes Individuum, jede Bewegung oder Regierung unterstützen wird, die anti-russisch ist; seien es Steuern hinterziehende russische Oligarchen, verurteilte ukrainische Kriegsverbrecher, von den Saudis unterstützte wahabitische Terroristen in Tschetschenien oder Punks, die in Moskau eine Kathedrale entweihen. Nun, da die NATO sich unter Bruch ihrer früheren Versprechen bis an die russische Grenze ausgedehnt hat, und US-Truppen ins Baltikum entsandt sind, in Artilleriereichweite von St. Petersburg, Russlands zweitgrößter Stadt, gibt es nichts, wohin die Russen zurückweichen könnten. Sie werden nicht angreifen, aber sie werden auch nicht nachgeben oder sich ergeben. Die russische Führung genießt die Unterstützung von über 80% der Bevölkerung, und die verbliebenen 20% sind der Überzeugung, sie sei den westlichen Übergriffen gegenüber zu zaghaft. Aber Russland wird Vergeltung üben, und eine Provokation oder ein simpler Fehler könnten eine Kette von Ereignissen auslösen, die mit Millionen toter Amerikaner und den USA als Trümmerhaufen endet.

Anders als viele Amerikaner, die Krieg als aufregendes, siegreiches Abenteuer im Ausland sehen, hassen und fürchten die Russen den Krieg. Aber sie sind ebenso bereit dazu, und sie haben sich schon seit einigen Jahren darauf vorbereitet. Ihre Vorbereitungen waren sehr effektiv. Anders als die USA, die ungezählte Milliarden für zweifelhafte, überteuerte Waffenprogramme wie den F-35 Mehrzweckkampfflieger verschleudern, gehen die Russen mit den Rubeln ihres Verteidigungsetats sehr sparsam um und erhalten dafür im Vergleich zur aufgeblasenen US-amerikanischen Rüstungsindustrie etwa zehn Mal soviel ‘Knall für die Kohle’. Auch wenn es stimmt, dass die russische Wirtschaft unter den niedrigen Energiepreisen gelitten hat, ist sie weit davon entfernt, ins Chaos zu stürzen, und eine Rückkehr zu Wachstum wird bereits nächstes Jahr erwartet. Senator John McCain nannte Russland einmal „eine Tankstelle, die vorgibt, ein Land zu sein.“ Nun, er hat gelogen. Ja, Russland ist der weltgrößte Ölproduzent und der zweitgrößte Ölexporteur; aber es ist auch der weltgrößte Exporteur von Getreide und von Nukleartechnik. Russland ist ebenso fortgeschritten und hoch entwickelt wie die Vereinigten Staaten. Die russischen Streitkräfte, die konventionellen wie die nuklearen, sind jetzt zum Kampf bereit, und sie sind denen der USA und der NATO mehr als ebenbürtig, insbesondere, wenn ein Krieg irgendwo in der Nähe der russischen Grenze ausbrechen sollte.

Aber ein solcher Kampf wäre für alle Seiten selbstmörderisch. Wir sind davon überzeugt, dass ein konventioneller Krieg in Europa mit hoher Wahrscheinlichkeit sehr schnell nuklear wird, und dass jeder Nuklearschlag der USA oder der NATO gegen russische Truppen oder russisches Gebiet automatisch einen atomaren russischen Vergeltungsschlag gegen die USA selbst auslösen wird. Entgegen der verantwortungslosen Behauptungen einiger amerikanischer Propagandisten können die amerikanischen Raketenschilde gegen ballistische Raketen das amerikanische Volk nicht vor einem russischen Nuklearschlag schützen. Russland hat die Mittel, Ziele in den USA zu treffen, mit nuklearen wie auch mit konventionellen Langstreckenwaffen. (…)

 

http://vineyardsaker.de/usa/eine-russische-warnung/#more-4713

(Die deutsche Übersetzung des heutigen Aufrufes ins Deutsche durch Dagmar Henn als PDF im Anhang)

The SAKER Aufruf dt. 20160601

P.C. ROBERTS: Somnolent Europe, Russia, and China: Accept US Hegemony or Go to War? EU was a creature of the CIA

globalcrisis/globalchange NEWS
Martin Zeis, 08.05.2016

Dear all,

the articles below written by Paul Craig Roberts and Ambrose Evans-Pritchard explain the enormous pressure the US-Empire exerts on the British government preventing a BREXIT at all costs.

First: “Declassified American government documents show that the US intelligence community ran a campaign in the Fifties and Sixties to build momentum for a united Europe. It funded and directed the European federalist movement. The documents confirm suspicions voiced at the time that America was working aggressively behind the scenes to push Britain into a European state. One memorandum, dated July 26, 1950, gives instructions for a campaign to promote a fully fledged European parliament. It is signed by Gen. William J. Donovan, head of the American wartime Office of Strategic Services, precursor of the CIA.” (cf. A. Evans-Pritchard)

Second: “As I have previously written, Washington believes that it is easier to control one government, the EU, than to control many separate European governments. As Washington has a long term investment in orchestrating the European Union, Washington is totally opposed to any country exiting the arrangement. That is why President Obama recently went to London to tell his lapdog, the British Prime Minister, that there could be no British exit.
Like other European nations, the British people were never allowed to vote on whether they were in favor of their country ceasing to exist and them becoming Europeans. … Washington’s position is that the British people must not be permitted to decide against the EU, because such a decision is not in Washington’s interest.” (cf. P.C. Roberts)

PCR-EU=creature-of-CIA160506.pdf

Immanuel WALLERSTEIN Die Linke und die Nation: ungelöste Mehrdeutigkeiten

Immanuel Wallerstein Aus: Sand im Getriebe 119

Klicke, um auf sig_119.pdf zuzugreifen

 

Kommentar Nr. 419, 15. Februar 2016 Der Begriff Nation hatte im Laufe der Jahrhunderte verschiedene Bedeutungen. Aber heute und besonders seit der Französischen Revolution wurde der Begriff mehr oder weniger im Zusammenhang mit dem Nationalstaat verstanden. Damit versteht man unter Nation die Menschen, die rechtmäßige Mitglieder einer Gemeinschaft sind, die sich auf einem bestimmten Staatsgebiet befindet. Ob die Menschen, die eine Nation bilden, einen Staat erschaffen oder ob ein Staat die Kategorie Nation schafft, wird schon lange debattiert. Ich selbst glaube, dass Staaten die Nationen schaffen und nicht umgekehrt. Die Frage ist daher, warum Staaten die Nationen schaffen und welche Stellung die Linke zum Konzept der Nation ein- nehmen sollte. (…)

Der vollständige Beitrag als PDF im Anhang

WALLERSTEIN sig_119 page 28

Immanuel Wallerstein (* 28. September 1930 in New York City) ist ein US-amerikanischer Sozialwissenschaftler und Sozialhistoriker. Er ist der Begründer einer Weltsystemanalyse, die Aspekte von Geschichte, Ökonomie, Politikwissenschaft und Soziologie zusammenfasst.

Griechenland: eine deutsche Schuldenkolonie?

Guten Abend zusammen,Griechenland taucht in den Medien seit einiger Zeit nur noch im Zusammenhang mit der Flüchtlingsproblematik auf. Die finanzielle und soziale Lage scheint sich entspannt zu haben. Dem ist aber keinesfalls so. Von den im August vereinbarten 86 Milliarden Euro des dritten Kreditpaketes erhielt Griechenland im November und Dezember 2015 16 Milliarden, für den Schuldendienst sowie die Rekapitalisierung der Banken. Seit Monaten läuft von Seiten der Gläubigerinstitutionen die Evaluation der seit Sommer verordneten Gesetzesauflagen. Da die griechische Regierung sich bislang weigert, zusätzliche Auflagen und Kürzungen auf Vorrat zu beschließen, sperrt die Quadriga (EU-Kommission, IWF, ESM, EZB) den Geldhahn wieder zu und gibt keine weitere Kredittranche frei.

 

Im Kontext dieser Angriffswelle der Finanzkriegsführung gegen Griechenland schreibt Margarita Tsomou einen lesenswerten Essay, in dem sie die post-kolonialen Perspektiven des globalen Südens einbezieht und diskutiert, inwiefern Griechenland sich in einem postkolonialen Beherrschungsverhältnis befindet. Zu den stärksten Passagen des Essays gehört das Herausschälen der ideologischen Legitimationsfigur “des deutschen Steuerzahlers”, der nicht nur als Kollektiv gegen ‘DEN minderwertigen Griechen’ in Stellung gebracht wird, sondern auch gesellschaftliche Ungleichheits- und Ausbeutungsverhältnisse in Deutschland kaschiert.

Es folgen Auszüge aus dem Essay; der vollständige Text ist im Anhang verfügbar (10 S.)

Margarita Tsomou arbeitet als Autorin, Dramaturgin, Kulturschaffende und Kuratorin in Berlin. Sie ist eine der Herausgeberinnen des Pop-feministischen Missy Magazine und schreibt für deutsche Zeitungen und Radiosender.

 

Griechenland: eine deutsche Schuldenkolonie?

Griechenland: eine deutsche Schuldenkolonie?

Essay von Margarita Tsomou

Eine neue (postkoloniale) Lesart der griechischen Krise. Oder: Wie aus Griechenland ein neokoloniales Protektorat wurde, und was dies für die dortige und europäische Demokratie bedeutet.
[…]
Jayati Ghosh, Professorin am Zentrum für ökonomische Studien an der Jawaharlal-Nehru-Universität in Neu Delhi,[…] argumentiert, dass die Schuldenkrise der europäischen Peripherie alles andere als neu oder ein Ausnahmeunfall in der europäischen Geschichte sei, sondern einem bereits vorgeschriebenen Skript folge: Dabei reihe sich Griechenland in die lange Liste der überschuldeten Länder der Peripherie des Westens ein, die sich durch ein neokoloniales Verhältnis zu ihren Gläubigern auszeichnen. Was ist damit gemeint?
Neokolonialismus ist ein Begriff der Postcolonial Studies und meint eine geopolitische Praxis, die ökonomische Mechanismen, globalisierte Unternehmen, aber auch transnationale ökonomische Regulationsinstitutionen wie WTO, IWF, Weltbank nutzt, um die Politik von Ländern zu beeinflussen, anstatt – wie etwa im Kolonialismus – sie direkter militärischer Kontrolle zu unterziehen. […] Einer der wichtigsten Mechanismen für die Herstellung dieser neokolonialen Abhängigkeit ohne militärischen Eingriff ist natürlich die Verschuldung. David Graeber (2012) hat gezeigt, wie Schulden stets ein Herrschaftsinstrument zwischen Nationen waren und das Recht auf politische Kontrolle der Gläubiger legitimierten und begründeten. […] Die Logik ist bekannt: Ökonomisch schwache Länder sind zur Aufnahme von Schulden gezwungen, die Kreditvergabe ist dabei an Strukturanpassungsprogramme gebunden. Es sind Programme zur kompletten Umstrukturierung von Ökonomie und Gesellschaft. […]
Der entscheidende Unterschied zu außereuropäischen Staaten ist, dass Griechenland selbst Teil des Körpers ist, zu dem sich ein ökonomisches neokoloniales Abhängigkeitsverhältnis entwickelt hat. Zudem stellt sich die Frage des „Ortes der Macht“ deutlich anders als bei den traditionellen kolonialen Verhältnissen: Es gibt keinen offensichtlichen feindlichen „Fremdstaat“, sondern ein multilaterales Netz von EU-Institutionen, Finanzakteuren, EU-Bürokraten und Regierungen mit unterschiedlich starkem Mitspracherecht. […]
Die Bedeutung des Mitspracherechts der jeweiligen EU-Partner wird an seiner wirtschaftlichen Leistung gemessen. Das Wort derjenigen, die die Stabilitätskriterien am optimalsten erfüllen, die gute Außenhandelsbilanzen, gute Überschüsse erzielen, gute Ratingagentur-Noten erhalten, wiegt mehr als das der anderen. Und wer hat die besten Noten, und wessen Wort wiegt dementsprechend schwer? Es ist Deutschland.
[…]
Viele der EU-Institutionen sind nach deutschem Beispiel konstruiert worden – allen voran die EZB, die nach dem Beispiel der Bundesbank konzipiert wurde. Deutschland ist das Vorbild und exportiert Wirtschaftspolitik – sei es bei der Implementierung der Schuldenbremse, der unter dem Druck von Deutschland festgelegten Stabilitätskriterien oder bei dem Modell Hartz IV, das Lohndumping und Deregulierung des Arbeitsmarkts fordert. (Außenminister Nikos) Kotzias argumentiert, dass Deutschland dabei nicht nur eine Beratungsfunktion zukommt, sondern dass die Souveränitätsrechte seitens der Schuldnerstaaten und allen voran Griechenlands an Deutschland abgetreten worden sind − auch in Form von einem Recht der Kontrolle und Überwachung des anderen Staates.
Kotzias beschreibt, wie über die Memoranden ein ausdifferenziertes Kontroll- und Beaufsichtigungssystem über die griechische Politik etabliert worden ist. So schickte die Troika in den vergangenen Jahren eine große Gruppe von Beamt_innen zur Kontrolle in alle Ministerien, die für den öffentlichen Bereich von Bedeutung waren. Bis aufs kleinste Detail mussten die Beamt_innen über die griechische Wirtschaft informiert sein: Sie forderten Namenslisten der Entlassenen, Informationen über die Öffnungszeiten von Apotheken oder die Lizenzvergabe für Kosmetikstudios. Das dritte und aktuelle Memorandum ist an die bisher intensivste Beaufsichtigung europäischer Expertenkomitees gebunden.
Beaufsichtigung oder Kontrolle sind für Kotzias zentrale Charakteristika neokolonialer Dominanz.
Legitimation durch kulturelle Abwertung

Einer der Effekte der Klassifizierung als „Anderer“ ist die Abwertung, mit der legitimiert wird, dass „Andere“ unterdrückt, ausgeschlossen oder enthumanisiert werden. Zentral dabei ist die doppelte Wertung des Anderen: sowohl als minderwertigen Anderen, aber auch als bedrohenden Anderen, der im Sinne eines zivilisatorischen Projekts erzogen werden muss. Im Fall der Eurokrise haben wir es mit einer ökonomistischen Variation der abwertenden kulturellen Konstruktion des Anderen zu tun. […]

Dieses „deutsche Wir“ gegen das „griechische Sie“ ist eine nationale Anrufung besonderer, weil verdeckter Art. Denn das Subjekt dieses neuen Nationalismus ist die Figur des „deutschen Steuerzahlers“, meine Lieblingsfigur in der Debatte. Es ist eine interessante nationale Identität, die nicht den Souverän, das Volk oder den Bürger als die Kollektivität setzt, sondern die ökonomische Position als verbindende Gemeinsamkeit unterstellt. Es ist einer neue Art von ökonomischem Nationalismus: ohne Blut, Verwandtschaft, Tradition, Sprache, Kultur und so weiter. Dieser neue „kleine Mann“ ist nicht Arbeitnehmer oder Wähler, sondern Steuerzahler, und als solcher hat er das gleiche Interesse wie „unsere Banker und unsere Politiker“. Und er ist natürlich Opfer: Er sowie „seine Banken“ geben Milliarden an die Griechen – und was ist mit ihnen? Die Angst der Deutschen vor dem sozialen Abstieg in der europäischen Krise wird nicht an die Habenden adressiert, sondern umgelenkt an die vermeintlichen Nicht-Zahler. Dieser ökonomische Nationalismus entpuppt sich dadurch auch als Klassismus, denn Nicht-Zahler sind natürlich auch Hartz-IV-Empfänger, Flüchtlinge, „Sozialschmarotzer“ – oder eben undankbare Griechen.
[…]

TSOMOU-Griechenland-deutsche-Schuldenkolonie2016_04

Viele Grüße

Elke Schenk

globalcrisis/globalchange NEWS

Lesenswert – Interview mit Kurt GRITSCH: „Krieg um Kosovo: Geschichte, Hintergründe, Folgen“; Jens WERNICKE, NDS 26.04.2016

globalcrisis/globalchange NEWS
Martin Zeis, 26.04.2016

Der Journalist Jens WERNICKE hat den Schweizer Zeithistoriker und Konfliktforscher Kurt GRITSCH (Jg. 1976) zu seiner kürzlich bei University Press (Innsbruck) erschienenen Studie „Krieg um Kosovo: Geschichte, Hintergründe, Folgen“ interviewt (vgl. www.nachdenkseiten.de/?p=33128#more-33128 ).

Nach dem Angriffskrieg auf Jugoslawien äußerte sich Jamie SHEA, Pressprecher der NATO offenherzig zur Aufgabe der Medien: „Die Medienkampagne zu gewinnen, ist genauso wichtig, wie die militärische Kampagne für sich zu entscheiden.“

Was Kurt Gritsch vielleicht nicht weiß, ist die bedeutende Rolle, welche die laufende Berichterstattung auf der Website der „AG Friedensforschung“ (Kassel) http://www.ag-friedensforschung.de bei der Kritik und Aufklärung über sämtliche in dem Interview angesprochenen Aspekte/Hintergründe dieses geostrategischen Präzendenzkrieges der USA/NATO spielte.

Viele – auch in der Partei „Die Grünen“ – nutzten die dort veröffentlichten Dokumente, Memoranden, den Nachweis und die Enthüllung fortgesetzter medialer Fälschungen, die angezeigten/rezensierten Artikel/Bücher über die geopolitische Bedeutung der Zerstörung/Zerlegung der Mittelmacht Jugoslawien in hilflose, abhängige, sowohl von US/D/EU leicht steuerbare Kleinstaaten (sog. Balkanisierung).

Die Website war entscheidend für den Unterricht in (Zeit-)-Geschichte und Deutsch an den allgemeinen und beruflichen (Ober-) Schulen und für die Aufklärung friedensbewegter KollegInnen, welche unter dem Druck der medialen Propaganda fast zusammenbrachen, insbesondere, weil sich Leute ihres Vertrauens (wie Leitfiguren der Grünen, die mit Reformhoffnungen von ihnen gewählte Rot-/Grün-Regierung, Schriftsteller wie Enzensberger mit einem Spiegel-Essay: Milosevicz = Hitler) dem US-/NATO-Krieg angeschlossen hatten.

Ich erinnere mich noch genau, welche Zustimmung aber auch kognitive Dissonanzen die halbwöchentlich im Kollegium und den Kollegklassen verteilten Doku-Mappen mit den o.a. AG-Friedensforschungs-Materialien auslösten … aber auch an den Parteiaustritt vieler tausend Mitglieder der sich ihres friedenspolitischen Gründungskonsens’ („Nie wieder Krieg“, „Raus aus der NATO“) entledigenden Partei.

Im Folgenden der Anfang des gehaltvollen NDS-Interviews, das in Gänze auch im Anhang (pdf, 8 S.) verfügbar ist.

Viele Grüße,

Martin Zeis

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Herr Gritsch, soeben erschien Ihr neues Buch „Krieg um Kosovo: Geschichte, Hintergründe, Folgen“, mit dem Sie vielen neuzeitlichen Geschichtsmythen, die sich um den Kosovo-Krieg ranken, entgegentreten. Warum dieses Buch? Was war, was ist Ihre Intention?

Ich beschäftige mich seit 1999 als Historiker mit diesem Konflikt. Das vorliegende Buch enthält die Quintessenz dieser Forschung. Ich habe darin einerseits Texte vereint, die zuvor in Fachzeitschriften und Massenmedien erschienen sind, und andererseits die gesamte Thematik nochmals aktualisiert und letztlich auch in den breiteren Kontext von NATO-Osterweiterung sowie Ukraine- und Syrien-Konflikt gestellt. Denn das, was wir seit einigen Jahren erleben, ist eine Folge der NATO-Wandlung von Verteidigung zu Intervention, und das ist mit dem Kosovo-Krieg geschehen.

Sie schreiben im Buch, dass die Feuilletondiskussionen in FAZ, Süddeutscher, Zeit und Spiegel damals in hohem Ausmaß gesteuert waren, es also gezielte Bemühungen gab, Kriegszustimmung zu erheischen. Können Sie das denn belegen?

Ich habe dazu einerseits die Konfliktberichterstattung von FAZ, Süddeutscher, Zeit, Spiegel und taz im Krisenjahr 1998 bis vor Kriegsbeginn im März 1999 punktuell analysiert. Punktuell heißt, dass ich besonders wichtige Anlässe untersucht habe, wie zum Beispiel das Holbrooke-Miloševi-Abkommen sowie das mutmaßliche Massaker von Račak.

Andererseits habe ich die Feuilleton-Debatte in den fünf Zeitungen vom 24. März bis zum 10. Juni 1999 quantitativ und qualitativ ausgewertet.

Und zu welchen Ergebnissen gelangten Sie dabei? Was fiel Ihnen auf?

Auffallend war, dass alle fünf untersuchten Zeitungen zu keinem Zeitpunkt deeskalierend berichtet haben, wie dies beispielsweise die UNESCO-Mediendeklaration von 1978 verlangt, sondern stattdessen ein militärisches Eingreifen der NATO forderten.

Dazu wurde offenbar sehr gezielt ein jugoslawisch-serbisches Feindbild aufgebaut, indem man an das negative Jugoslawien-Bild aus dem „Bosnien-Krieg“ anknüpfte.

So wurde Belgrad etwa unterstellt, im Kosovo würde mit einer „ethnischen Säuberung“ begonnen. Dazu wurde der von der PR-Agentur Ruder Finn bereits 1992 lancierte Vergleich Serben=Nazis aus dem Bosnien-Krieg reaktiviert, der schließlich in der Analogie Miloševicz=Hitler kulminierte. Dieser Vergleich wurde dann vor allem 1999 während der Luftangriffe verwendet.

Die These der einseitigen serbischen „ethnischen Säuberung“ stammte damals ja von der NATO. UNO-Generalsekretär Kofi Annan vertrat sie nicht…

Das ist richtig. Annan hat von einem Bürgerkrieg gesprochen und nicht von einem einseitigen „serbischen Vertreibungs- und Vernichtungsprogramm“. Er hat auch wiederholt betont, dass Kosovo ein politisches Problem sei, das einer politischen Lösung bedürfe.

Aber die von mir untersuchten Medien sind auf diese Darstellung, die Annan auch mit Fakten belegte, entweder gar nicht erst eingegangen oder sie haben sie als unrealistisch dargestellt.

So wurde die UNO diskreditiert und die NATO als effizientere Lösungsorganisation porträtiert.

Diese Geringschätzung gegenüber der UNO stammt aus den USA, war damals unter den Transatlantikern weit verbreitet und speiste sich aus Ereignissen wie Ruanda oder Srebrenica, freilich ohne zu erwähnen, dass bestimmte Mitgliedsstaaten die UNO damals zuerst im Stich gelassen hatten.

GRITSCH-Kosovokrieg_Wernicke-Interview160426.pdf