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Ukraine-Krise – Wer heizt den Konflikt an? Pro und Contra – Puls4 26.11.2014

24.11.2014 | 51:22min

http://m.puls4.com/videos/video/?id=6003008&device=ios
Die Stimmung zwischen Europa und Russland ist so schlecht wie schon lange nicht. Seit der Ukraine-Krise hat sich das Verhältnis zwischen Europa und der Großmacht Russland in den letzten Monaten spürbar verschlechtert. Auf beiden Seiten verschärft sich die Rhetorik: Gegenseitig wirft man sich vor, den Konflikt anzuheizen. Mit Corinna Milborn diskutieren unter anderem der ehemalige Grüne Europaabgeordnete Johannes Voggenhuber, „Putin-Versteher“ Dirk Müller und „Standard“-Journalist Eric Frey. Ganze Folge vom 24.11.2014

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Eiszeit zwischen Russland und Europa, droht ein neuer kalter Krieg?

Eiszeit zwischen Russland und Europa, droht ein neuer kalter Krieg?

Die Fronten sind verhärtet: Die Stimmung zwischen Europa und Russland ist so schlecht wie schon lange nicht. Steuert die Welt auf einen neuen Kalten Krieg zu?

Seit Monaten brodelt es zwischen Russland und dem Westen: Seit der Ukraine-Krise hat sich das Verhältnis zwischen Europa und der Großmacht Russland in den letzten Monaten spürbar verschlechtert. Auf beiden Seiten verschärft sich die Rhetorik: Gegenseitig wirft man sich vor, den Konflikt anzuheizen. Gegenseitige Sanktionen setzen auch den Wirtschaften zu, ein Ende des Misstrauens ist vorerst nicht in Sicht.

„Atlantikachse“ mit den USA – oder doch bessere Beziehungen zu Russland?
Nicht jeder in Europa ist mit dem Kurs der EU zufrieden. Kritiker sehen die Europäische Union am Gängelband der USA und empfinden den Umgang mit Putin als unfair und unverhältnismäßig. Dem russischen Präsidenten hingegen wird vorgeworfen, nach der Annexion der Krim weiterhin für Unruhe in der Ukraine zu sorgen. Österreich hat im ganzen Konflikt eine spezielle Rolle inne: Einerseits Mitglied der EU, andererseits guter Wirtschaftspartner der Russen. Landwirte und einige Unternehmer stöhnen bereits unter den Sanktionen für Russland.
Wer ist schuld am schlechten Klima zwischen EU und Russland? Soll man entschlossener gegen russische Aggressionen auftreten oder sind wir am Gängelband der USA? Und wie kann man verhindern, dass wir 25 Jahre nach dem Ende der Sowjetunion in einen zweiten Kalten Krieg schlittern?

Folgende Gäste sind u.a.:

  • Johannes Voggenhuber – ehem. EU-Parlamentsabgeordneter, Die Grünen
  • Dirk Müller – Börsenexperte, „Mr. Dax“, Putin-Versteher
  • Wolfgang Petritsch – österreichischer Spitzendiplomat
  • Eric Frey – Journalist, Der Standard

Moderation: Corinna Milborn

Ihre Meinung zum Thema? Diskutieren Sie mit oder stellen Sie Ihre Frage schon vor der Sendung – auf sags.puls4.com!

PULS 4 News – Pro und Contra
Montag, 24.11.2014
23:05 PULS 4
auch in HD und online

Michael SCHULZE: Brief an einen skeptischen Journalisten betreffend die Berichterstattung in deutschen Medien zum Ukraine-Konflikt, 05.11.2014

Anfang der weitergeleiteten E‑Mail:

Von: „Martin Zeis“ <Martin.zeis>
Datum: 9. November 2014 12:32:07 MEZ
An: globalcrisis%Martin.zeis
Betreff: Michael SCHULZE: Brief an einen skeptischen Journalisten betreffend die Berichterstattung in deutschen Medien zum Ukraine-Konflikt, 05.11.2014

Michael SCHULZE:
Brief an einen skeptischen Journalisten betreffend die Berichterstattung in deutschen Medien
zum Ukraine-Konflikt, 05.11.2014

Die Veröffentlichung des persönlichen Briefs von Michael Schulze an einen skeptischen Journalisten ist von ihm am 6.11.2014 in der vorliegenden Form autorisiert worden. Dem per Mail verschickten Brief waren die beiden obigen Dokumente beigefügt:
a.) NATO-Kriegspropaganda feuert aus allen Rohren: Lügen und Desinformation; URL:
http://propagandaschau.wordpress.com/2014/10/31/nato-kriegspropaganda-feuert-aus-allen-rohren-lugen-und-desinformation
b.) Meldung des Verbandes der Ingenieure Russlands vom 15.08.2014: Analyse der Gründe für den Absturz des Fluges MH-17 (malaysische Boeing 777); URL: www.tlaxcala-int.org/upload/telechargements/147.pdf

Im Folgenden wird der Anfang des vierseitigen Briefs dokumentiert; der vollständige Text ist als pdf-Datei beigefügt (Schulze_M-Brief…pdf). Für Kommentare + weitere Veröffentlichungen kann mit Michael Schulze Kontakt aufgenommen werden unter: <schulze.michael>

B r i e f

Michael Schulze, 5. November 2014 (1)

(…),

heute möchte ich dir endlich mal auf deine Mail antworten.

Zunächst zu den Punkten, in denen ich dir zustimme. In den Foren, Portalen und Blogs, in denen der Ukraine-Konflikt und die deutsche Medienberichterstattung thematisiert werden, schreiben die unterschiedlichsten Leute: Hobby-Politiker, Möchtegern-Journalisten, engagierte Bürger und Verschwörungstheoretiker. Grundsätzlich kann man von diesen Leuten meines Erachtens nicht verlangen, dass sie die Regeln eines wissenschaftlichen Diskurses beherrschen. Wie in allen politischen Bewegungen kann man sich die Bündnispartner nicht immer aussuchen. Trotzdem gehe ich an diese Texte so ran, dass ich mich einerseits über den polemischen Stil ärgere, andererseits aber versuche, die darin enthaltenen Fakten herauszufiltern.

Ein typisches Beispiel dafür: Ein völlig unsachlicher Text zu einem Thema mit durchaus wichtigen Behauptungen zu einem Ereignis vor wenigen Tagen (darauf komme ich später noch zurück). Den Text findest du in dem ersten Dokument der Anlage. Ich habe die Stellen, die auch mir sehr missfallen haben, gelb markiert. Vollständig ist der Text unter folgendem Link zu finden: <http://propagandaschau.wordpress.com/2014/10/31/nato-kriegspropaganda-feuert-aus-allen-rohren-lugen-und-desinformation>

Nun aber möchte ich zu den Fakten kommen, die in den deutschen Medien falsch oder aus dem Zusammenhang gerissen berichtet worden oder schlicht weggelassen worden sind, obwohl nicht nur ich diese Themen für wichtig halte. Das sind die Berichte zu folgenden Themen: Brand des Gewerkschaftshauses in Odessa, Absturz des Flugzeuges in der Ukraine, Invasionen russischer Truppen in die Ukraine. Eine amüsante aber dennoch aufschlussreiche Darstellung findest in einem Ausschnitt der ZDF Sendung „die Anstalt“ vom September 2014: <https://www.youtube.com/watch? v=LSDitudiGR4>.

Es ist schon erschreckend, dass in der deutschen Medienlandschaft die Satire die Rolle des Wahrheitswächters übernehmen muss.
Zu den Fakten noch ein paar eigene Anmerkungen:

1. der Brand des Gewerkschaftshauses in Odessa, der unwidersprochen auf das Konto von Kräften aus Kiew zurückgeht, wurde in den deutschen Medien anfangs sehr unklar dargestellt und später sehr schnell wieder vergessen. Ich hatte den Eindruck, dass es den deutschen Medien darum ging, diesen Anschlag herunterzuspielen und aus dem kollektiven Gedächtnis herauszubekommen.
2. Das Standbild des separatistischen Soldaten, der einen Teddybär in die Kamera hält, und das vollständige Video, das diese Handlung zeigt, erzeugen völlig unterschiedliche emotionale Reaktionen, vor allem wenn man sich die gesprochenen Texte anhört, mit denen damals das Standbild kommentiert wurde: dazu seien die Separatisten sogar auch noch fähig, dies wurde als Zeichen von Leichenfledderei dargestellt. Dass den Redakteuren das vollständige Video nicht bekannt war, kann ich nicht glauben. Und wenn man solch ein Standbild aus solch einem Video herausschneidet, dann kann ich das nicht anders als bewusste emotionale Manipulation bezeichnen. Auch über die Bewertung der Aufräumarbeiten der Separatisten nach dem Absturz von der holländischen Untersuchungskommission habe ich in deutschen Medien nichts gefunden.
3. Über die Kritik des deutschen Programmbeirats an der Berichterstattung der ARD über den Ukraine-Konflikt wurde in den deutschen Medien meines Wissens nicht oder sehr minimal berichtet. Ich kann mich an eine Berichterstattung nicht erinnern. Auch wenn dieser kleine satirischen Beitrag eben eine Satire ist und entsprechend manchmal überzogenen formuliert ist, finde ich es wichtig, sich mal auf die dort genannten Fakten, die nachgewiesen sind, zu konzentrieren. Für mich ist das Ergebnis erschreckend und ich kann nicht anders, als die Berichterstattung vor allem in ARD und ZDF als zum Teil bewusst manipulativ ansehen. (…)

mh17-report-russ-ingenieure-dt140920.pdf
image.jpg
Schulze_M.-Brief-Ukraine-Konflikt+Medien141105.pdf

Dr. Uwe KRUEGER: Die Nähe zur Macht – Eine Netzwerkanalyse beleuchtet die Verbindungen deutscher Top- Journalisten zu Eliten aus Politik und Wirtschaft; MESSAGE, 1-2013

Anfang der weitergeleiteten E‑Mail:

Von: „Martin Zeis“ <Martin.zeis>
Datum: 29. April 2014 11:14:11 MESZ
An: globalcrisis%Martin.zeis
Betreff: Dr. Uwe KRUEGER: Die Nähe zur Macht – Eine Netzwerkanalyse beleuchtet die Verbindungen deutscher Top- Journalisten zu Eliten aus Politik und Wirtschaft; MESSAGE, 1-2013

Hallo zusammen,

am 27. März 2014 wies Stephan BEST auf dieser Liste auf zwei Beiträge von Dr. Uwe KRÜGER hin, welche durch die Wochenzeitung FREITAG unter der URL: www.freitag.de/autoren/mopperkopp/eliten-netzwerke einer etwas breiteren Öffentlichkeit bekannt wurden.

Dabei handelte es sich um eine Slide-Show (34 Slides) zum Thema: „Eliten-Netzwerke deutscher Journalisten und ihre Auswirkungen am Beispiel der Außen- und Sicherheitspolitik“ vorgestellt auf der 56. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Publizistik und Kommunikationswissenschaft – Dortmund 1.-3. Juni 2011 – abrufbar under der URL:
http://de.slideshare.net/ukrueg/elitennetzwerke-deutscher-journalisten-und-ihre-auswirkungen-am-beispiel-der-auen-und-sicherheitspolitik
sowie um einen gleich betitelten, von Krüger am 04.01.2013 ins Netz gestellten Vortrag.

Ergänzend werden im Folgenden Auszüge aus einem 8-seitigen Artikel Krügers in der Fachzeitschrift MESSAGE sowie weiterführende Links, u.a. zu seinem 378-Seiten-Opus „Meinungsmacht. Der Einfluss von Eliten auf Leitmedien und Alpha-Journalisten – eine kritische Netzwerkanalyse“, das ich allen ListenteilnehmerInnen empfehle, dokumentiert.

Grüße,
Martin Zeis

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Die Nähe zur Macht (1)

Eine Netzwerkanalyse beleuchtet die Verbindungen deutscher Top-
Journalisten zu Eliten aus Politik und Wirtschaft. Vier Journalisten
fallen mit ihrer elitenkonformen Berichterstattung besonders auf.

von Uwe Krüger (2)

(…)

Elitärer Sicherheitsbegriff übernommen?
Die Netzgrafik (ABB. 4) zeigt, dass die vier Journalisten (Klaus Dieter Frankenberger, FAZ; Josef Joffe, ZEIT; Michael Stürmer, Welt; Stefan Kornelius, Süddeutsche – m.z.) große Schnittmengen in ihren Argumenten aufwiesen. Niemand stand gänzlich abseits und benutzte völlig andere Frame-Elemente als die Kollegen. (…)

— Alle vier Journalisten gingen explizit auf den Begriff Sicherheit ein und sagten, dass er breiter geworden ist oder breiter gesehen werden muss (Frame-Element „erweiterter Sicherheitsbegriff“). Beispiel von Stefan Kornelius: „Die Finanzkrise und die Energiedebatte haben gezeigt, dass Sicherheit eigentlich ein breiter Begriff ist.“ (SZ vom 3. Februar 2010). Beispiel von Frankenberger: „Und nach den neuen verteidigungspolitischen Richtlinien wird die Sicherheit Deutschlands auch am Hindukusch verteidigt, der traditionelle geografische Sicherheitsbegriff also globalisiert und ausgeweitet. Dass die traditionellen Beschränkungen aufgegeben wurden, ist richtig, sie waren obsolet geworden, weil die Umstände sich fundamental geändert haben.“ (FAZ vom 24. Mai 2003).

— Alle vier erwähnen einen Katalog von Bedrohungen, wie er ähnlich in den offiziellen Dokumenten von Bundesregierung, EU, Nato und USA vorkommt (Frame-Element „Bedrohungskatalog“). Frankenberger: „Diese Gefahren und Herausforderungen reichen vom Terrorismus über die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen über Energie und Klimawandel bis zu Cyberangriffen, wirtschaftlicher Instabilität und Pandemien.“ (FAZ vom 8. Februar 2010 Joffe: „Von den ‚globalen Herausforderungen’ gibt es, weiß Gott, genug: vom Klima bis zur Armut, vom Terrorismus bis zur Atomrüstung jener, die sich nicht durch besondere Verantwortung auszeichnen“ (Zeit vom 15. Februar 2007)

— Einig sind sich alle vier, dass Deutschland die transatlantischen Beziehungen pflegen muss, um den Bedrohungen angemessen begegnen zu können (Frame-Element „Bündnis mit USA pflegen“). Kornelius: „Wer nach der Alternative zur Nato Ausschau hält, der wird schnell enttäuscht werden: Es gibt keine bessere.“ (SZ vom 8. Februar 2008). Frankenberger: „Als atlantische Gemeinschaft lassen sich die Turbulenzen der neuen multipolaren Welt allemal besser aushalten. Nur in dieser Kombination können die vielfältigen Herausforderungen gemeistert werden.“ ( FAZ vom 5. November 2006)

— Angesichts der Tatsache, dass die Deutschen mehrheitlich skeptisch gegenüber Nato-Militäreinsätzen, insbesondere dem in Afghanistan, eingestellt sind, fordern alle vier die deutsche Politik zu verstärkter Überzeugungsarbeit und mehr Führung auf (Frame-Element „Volk überzeugen!“). Frankenberger: „Den Meinungskampf an der Heimatfront darf die Politik nicht scheuen, wenn sie von dem überzeugt ist, was sie vorgibt. (…) Der Kampf um die ‚hearts and minds’ muss auch bei uns geführt werden.“ (FAZ vom 7. Januar 2008) Joffe: „Alle Politik muss den Wählerwillen respektieren. Aber das Grundgesetz verbietet es den Regierenden nicht, für das außenpolitisch Gebotene zu werden.“ (Zeit vom 7. Februar 2008)

Fazit: … Möglich ist auch, dass die Netzwerke überhaupt erst entstanden sind, weil die Journalisten bereits elitenkompatible Ansichten hatten, oder eine Kombination aus beidem: Journalisten werden von Politik und Wirtschaftseliten nur dann kooptiert, wenn sie keine allzu kritischen Einstellungen aufweisen, und die Einbindung in das Elitenmilieu macht es immer unwahrscheinlicher, dass ein Konsens unter Eliten hinterfragt wird.

Den vier Journalisten wurde die Studie zur Kenntnis gegeben, verbunden mit der Einladung, ihre Sicht der Dinge in separaten Beiträgen für die Buchveröffentlichung darzustellen. Alle vier haben abgelehnt. — Textende — Hervorh. m.z.

Anmerkungen

(1) Der hier auszugsweise wiedergegebene Beitrag erschien in MESSAGE – Internationale Zeitschrift für Journalismus; 1-2013, S. 22-28; er ist als pdf-Datei abrufbar unter:
www.message-online.com/wp-content/uploads/Artikel_Krueger_Die_Naehe_zur_Macht_Message_1_2013.pdf

Krügers Text stützt sich auf sein Buch „Meinungsmacht. Der Einfluss von Eliten auf Leitmedien und Alpha-Journalisten – eine kritische Netzwerkanalyse“, erschienen in der Reihe des (Leipziger) Instituts für Praktische Journalismus- und Kommunikationsforschung (IPJ), 9 – 2013, 378 S., 30 Abb., 17 Tab., Broschur, 213 x 142 mm, dt. EUR(D) 29,50 / EUR (A) 30,20 / sFr. 49,80; editiert bei: Halem Verlag 2013 – ISBN 978-3-86962-070-1
Eine (intentionale und methodische) Beschreibung des Forschungsansatzes von Uwe Krüger, das Inhaltsverzeichnis sowie eine längere Leseprobe sind abrufbar unter: www.halem-verlag.de/2013/meinungsmacht-und-elite-journalismus
Eine Bestellung der Forschungsarbeit ist direkt möglich über: Herbert von Halem Verlag , Lindenstr. 19, 50674 Köln – info@halem-verlag.de – http://www.halem-verlag.de

(2) Uwe Krüger, geb. 1978, ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Kommunikations- und Medienwissenschaft der Universität Leipzig. Er promovierte am Institut für Praktische Journalismus- und Kommunikationsforschung in Leipzig (IPJ) und betreute mehrere Jahre lang als Redakteur das Journalismus-Fachmagazin Message. Aktuelle Arbeitsschwerpunkte: Journalistische Recherche, Journalismus und Social Media, Journalismus und Psychologie. …

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Martin Zeis
globalcrisis/globalchange News
martin.zeis@gmxpro.net