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Dirk C. FLECK: EINE ORGIE DER ANPASSUNG: Die Krise des Informationsjournalismus; kritisches-netzwerk, 14.01.2016

globalcrisis/globalchange NEWS
Martin Zeis, 15.01.2016

Hallo zusammen,

zum Jahresbeginn ein Text von Dirk C. Fleck zur Krise des Mainstream-Journalismus, speziell der Printmedien (ist 1:1 übertragbar auf die „Orgie der Anpassung“ z.B. von ZDF/ARD). Zum Thema zitiert Fleck jetzige und ehemalige Journalisten von Spiegel, Stern. ZEIT. Eine Vielzahl von JournalistInnen im „Westen“, welche sich einem dem Berufsethos des unabhängigen, den recherchierten Fakten und den Pressionen der redaktionsintern und außerhalb der Redaktion agierenden Macht gegenüber unerschrockenen Journalismus verschrieben hatten, sind in den letzten 10 Jahren in selbst (oder mit anderen zusammen) gegründete Websites, Blogs, TVs etc. emigriert, und das mit in den letzten fünf Jahren steil ansteigender Resonanz. (Volltext im Anhang, pdf-Format 4 S.)

Einige Aspekte dieses Wandels thematisierte Noam Chomsky vor vier Jahren in einem hierzulande breiter bekannt gewordenen Interview mit ZEIT Campus „Studenten sollen Anarchisten werden“ und er charakterisierte dort allgemein seine Haltung gegenüber der real existierenden Welt, die er – an die junge Generation gerichtet – einzunehmen empfahl:

„ZEIT Campus: In 60 Jahren sind die Studenten von heute so alt wie Sie. Was müssen sie tun, um zufrieden auf ihr Leben blicken zu können?

Chomsky: Natürlich können sie sagen, dass sie gern gelebt haben, weil sie Freunde und Kinder haben und Spaß gehabt haben. Aber um ein wirklich erfülltes und befriedigendes Leben geführt zu haben, sollten sie Probleme erkannt und dazu beigetragen haben, diese zu beseitigen. Wenn sie mit 80 Jahren nicht zurückblicken und sagen können: „Ich habe etwas erreicht!“, dann ist ihnen ihr Leben nicht gelungen. (…)

ZEIT Campus: Sie sagen häufig, Sie seien Anarchist. Was meinen Sie damit?

Chomsky: Anarchisten versuchen, Machtstrukturen zu erkennen. Sie verlangen, dass sich diejenigen, die Macht ausüben, rechtfertigen. Meistens gelingt diese Rechtfertigung nicht. Dann arbeiten Anarchisten daran, die Strukturen zu enttarnen und sie zu überwinden – ganz egal, ob es sich um patriarchalische Familien, um ein mafiöses internationales System oder um die privaten Tyranneien der Wirtschaft, also die der Unternehmen, handelt. (…)

ZEIT Campus: Sollen alle Studenten Anarchisten werden?

Chomsky: Ja. Studenten sollen Autoritäten herausfordern und sich damit in eine lange anarchistische Tradition einreihen.

ZEIT Campus: „Autoritäten herausfordern“ – auch ein Liberaler oder ein moderater Linker würde diese Aufforderung unterschreiben können.

Chomsky: Sobald jemand illegitime Macht erkennt, herausfordert und überwindet, ist er Anarchist. Die meisten Menschen sind Anarchisten. Mir ist egal, wie sie sich nennen.

ZEIT Campus: Wen oder was muss die heutige Studentengeneration herausfordern?

Chomsky: Diese Welt ist voller Leiden, Not, Gewalt und Katastrophen. Studenten müssen sich entscheiden: Geht sie das etwas an oder nicht? Ich sage: Schauen Sie sich um, analysieren Sie die Probleme, fragen Sie sich, was Sie tun können, und machen Sie sich an die Arbeit!“ (zit. a. http://www.zeit.de/campus/2011/04/sprechstunde-chomsky/komplettansicht )

FLECK-Dirk-C_Die_Krise_des_Informationsjournalismus160114.pdf