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Andrew KORYBKO WHO’S RIGHT ABOUT SYRIAN IDENTITY: PUTIN OR SHAABAN?

Noch ist die Luft über Syrien Pulver und Blei haltig da werden bereits Umrisse einer den syrischen Ethnien und/oder Religiösen Minderheiten gerecht werdenden neuen Verfassung diskutiert. Wenigstens ist die anvisierte Balkanisierung durch das Empire und seine Proxies vom Tisch!

KORYBKO stellt zwei Positionen gegenüber, die ggf. weit reichende Auswirkungen auf einen wie immer gearteten kurdischen Autonomie-Status hätten.

WER HAT RECHT MIT DER SYRISCHEN IDENTITÄT: PUTIN ODER SHAABAN?

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WHO’S RIGHT ABOUT SYRIAN IDENTITY: PUTIN OR SHAABAN?

It’s the epitome of “political incorrectness” in the Alt-Media Community to point this out, but it’s about time that someone says something and encourages a respectful conversation about this very pressing issue that will powerfully shape Syria’s future for years to come.

On the one hand, Putin said last weekend in an interview with Arab Media prior to his trip to the Gulf that the UNSC-mandated reform of the Syrian Constitution (whether amended or completely rewritten) must include safeguards for all of Syria’s diverse people, some of which he specifically categorized based on religion.

Shaaban, meanwhile, just said that “we don’t simply say” that Syrians are of a specific ethnic or religious group, and strongly spoke out against providing any autonomy to the Kurds, which when contrasted with Putin’s earlier statement, appears to actually be a retort of sorts to it “gently” and “indirectly” made but nevertheless in opposition to the Russian President’s stance.

So, who’s right about Syrian identity, Putin or Shaaban, and why did each of them say what they did? What explains their polar opposite views towards this very important issue? Is a “compromise” possible between these two positions, and if not, which will ultimately prevail in the new constitution and why?

(links to the screenshots are below)

Source: https://www.facebook.com/korybko?__tn__=%2CdC-R-R&eid=ARDeJ-5vDS23p2WB1eQfkV8QXp_Dymhm_29bllW9rQjBX3RQqm2fChFTM4myEuos7K44h1ygD1sDa8jo&hc_ref=ARRE9HgMnTJoFuTkk1DfuVMC86llv4M6HR9D46nmOcZSsF3X1MnFt9f8RaN_iX2-9sc&fref=nf

 

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WER HAT RECHT MIT DER SYRISCHEN IDENTITÄT: PUTIN ODER SHAABAN?

Es ist der Inbegriff „politischer Falschheit“ in der Alt-Media-Community, darauf hinzuweisen, aber es ist an der Zeit, dass jemand etwas sagt und ein respektvolles Gespräch über dieses sehr dringende Thema anregt, das die Zukunft Syriens für die kommenden Jahre kraftvoll prägen wird.

Einerseits sagte Putin am vergangenen Wochenende in einem Interview mit den arabischen Medien vor seiner Reise in den Golf, dass die vom UN-Sicherheitsrat geforderte Reform der syrischen Verfassung (ob geändert oder vollständig umgeschrieben) Garantien für die gesamte Vielfalt der syrischen Bevölkerung beinhalten müsse, von denen einige er speziell nach Religion kategorisierte.

Shaaban sagte unterdessen nur, dass „wir nicht einfach sagen“, dass die Syrer einer bestimmten ethnischen oder religiösen Gruppe angehören, und sprach sich entschieden gegen eine Autonomie der Kurden aus, was im Gegensatz zu Putins früherer Erklärung eigentlich eine Art Antwort darauf zu sein scheint, die „sanft“ und „indirekt“, aber dennoch gegen die Haltung des russischen Präsidenten ist.

Also, wer hat Recht mit der syrischen Identität, Putin oder Shaaban, und warum hat jeder von ihnen gesagt, was er getan hat? Was erklärt ihre gegensätzlichen Ansichten zu diesem sehr wichtigen Thema? Ist ein „Kompromiss“ zwischen diesen beiden Positionen möglich, und wenn nicht, welcher wird sich letztlich in der neuen Verfassung durchsetzen und warum? (Übersetzung maschinell mit DeepL)

(Links zu den Screenshots finden Sie darunter)

 

 

Armen AVANESSIAN: Die Flüchtlingsströme stellen uns vor die Systemfrage: Der Kapitalismus und seine Eliten haben abgewirtschaftet, ZEIT 19.09.2015

globalcrisis/globalchange NEWS
Martin Zeis, 20.09.2015

Hallo zusammen,

wegen der sich vor aller Augen beschleunigenden und vertiefenden inneren und äußeren Krise der „Megamaschine“ der Geldvermehrung (Fabian Scheidler *) finden seit einigen Monaten ab und zu Texte/Wortmeldungen, welche die Wurzeln dieser Entwicklung offenlegen, Eingang in die eben dieses System stützenden Medien.

Die folgend auszugsweise dokumentierte Kampfschrift von Armen AVANESSIAN ist im Anhang und über den Link http://www.zeit.de/2015/36/fluechtlinge-migration-kapitalismus-rassismus/komplettansicht in Gänze verfügbar.

Grüße,
Martin Zeis

* Fabian SCHEIDLER: Das Ende der Megamaschine – Geschichte einer scheiternden Zivilisation; ProMedia Wien 2015, 271 S., ISBN: 978-3-85371-384-6

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Die ZEIT, 19.09.2015 — www.zeit.de/2015/36/fluechtlinge-migration-kapitalismus-rassismus/komplettansicht

Flüchtlinge
Diese Menschenschwärme
Die Flüchtlingsströme stellen uns vor die Systemfrage: Der Kapitalismus und seine Eliten haben abgewirtschaftet. Eine Kampfschrift

Von Armen Avanessian

Was sind das für Menschen? Diese Frage stellt sich angesichts der Bilder und Berichte von den Flüchtlingsströmen der letzten Monate. Und damit meine ich nicht die rassistischen Mobs oder die sprachlichen Gewalttäter in Boulevard und Politik – sondern jene „swarms of people“, wie der britische Premier David Cameron die nennt, die er nach guter alter Fuchsjagd-Tradition mit Spürhunden jagen lässt.
Können wir uns überhaupt vorstellen, was das für Menschen sind, die aus Verzweiflung auf unsicheren Wegen ihre Heimat und ihre Familie verlassen, die irgendwann irgendwo stranden, um dann auf Mülldeponien und im Schmutz notdürftig ihre Zelte aufzubauen?
Ich bezweifle, dass wir überhaupt schon begriffen haben, um was für Menschen es sich handelt. Ja, ich bezweifle, dass wir überhaupt verstehen wollen, was eine Flucht ins Ungewisse bedeutet. Es scheint fast so, als wollten wir sie nicht verstehen, diese Menschen und ihre Gründe, wenn wir in unserer Verwirrung nach den individuellen Motiven ihrer Flucht fragen, um so für ein wenig Ordnung und Selbstbeschwichtigung zu sorgen. (…)

Nadelstreifen-Rassisten leisten der Radikalisierung Vorschub
Es steht zu befürchten, dass nach den Jörg Haiders und Silvio Berlusconis in Zukunft ernst zu nehmendere Gestalten in Erscheinung treten werden. Der übliche selbstreflexive und „kritische“ Umgang mit den allerorten aus den Heimatböden schießenden rechtspopulistischen Clowns täuscht sich über die Nadelstreifen-Rassisten in unserer politischen Mitte, die der zunehmenden Radikalisierung Vorschub leisten. Bei dem toxischen, aber eben typisch postdemokratischen Cocktail von Austerität und Merkantilismus 2.0 etwa, mit dem nicht mehr nur in semiperipheren Ländern demokratisch legitimierte Regierungen weggeputscht oder wegtroikisiert werden sollen, geht es nicht um eine erschreckende Begleiterscheinung eines urplötzlich zurückgekehrten hässlichen Deutschlands.
Egal ob es sich um „Europa und Afrika“ oder „Deutschland und Griechenland“ handelt: Die Handelsüberschüsse des einen sind nun mal die Handelsdefizite des anderen, und an den Wettbewerbsvorteilen zu rütteln bedeutet, jene von einer liberalen „Linken“ vergessene Systemfrage zu stellen, was sich ein als alternativlos gerierender Neoliberalismus, und sei es mit Gewalt, verbittet. An dieser Stelle wird dann von den neunmalklugen Schreibstuben-Politologen und Hobby-Anthropologen gerne auf die korrupten und zurückgebliebenen Gesellschaftsstrukturen der betroffenen Länder verwiesen: ein Musterbeispiel an Ideologie qua Naturalisierung von kulturellen Unterschieden, die in Wahrheit historisch gewachsen und ökonomisch produziert sind.

Immanuel Wallerstein, der gemeinsam mit Étienne Balibar den Zusammenhang von Kapitalismus, Nationalismus und Rassismus vielleicht am luzidesten durchleuchtet hat, beschreibt das als „Ethnisierung der Hierarchien“. Deren Effekt ist ganz offensichtlich, dass das geografische Aufeinandertreffen der „ausländischen“ und „inländischen“ Verlierer der neoliberalistischen Revolution gerade nicht zu deren Solidarisierung führt. Ein konkretes Beispiel: der Umgang mit der Tatsache, dass in den nächsten Jahren immer mehr menschliche Arbeit durch Computer und Roboter ersetzt werden kann und wird. Eine akzelerationistische Politik würde diese Technologien der Beschleunigung (kürzere Arbeitszeit, weniger Arbeitsjahre) im Dienste der Arbeiter nutzen. Die gegenwärtige neoliberale Politik (längere Arbeitszeiten, späteres Pensionsalter) hingegen hat immer höhere Arbeitslosenzahlen zur Folge. Dass die Angst, auf Dauer vom Arbeitsmarkt ausgeschlossen zu werden, sich gegen Ausländer und Immigranten richtet, ist fester Bestandteil des Systems.
Man kann es darum nicht deutlich genug sagen: Der sich im Umgang mit der Flüchtlingsfrage manifestierende Rassismus speist sich aus derselben Quelle wie der außen- oder innenpolitische Sparfanatismus. Im Moment ihres größten Triumphs ist daran zu erinnern, dass die Gedankenwelt und Politik der protestantischen Zuchtmeister und schwäbischen Sparsadisten der Vergangenheit angehört. Eine nicht mehr an technologischem Analphabetismus und Zukunftsangst laborierende Linke würde dagegen den schon spürbaren Auswirkungen der digitalen Revolution und der Automatisierung mit Optimismus und Zukunftsemphase begegnen und sie für nicht nur industrielle, sondern auch gesellschaftliche Beschleunigung nutzen.

Mit lokalen Interventionen allein wird es keine globale Ruhe geben
Gibt es zum Beispiel irgendeinen rational nachvollziehbaren Grund, warum wir alle immer noch länger arbeiten sollen, unter noch prekäreren Bedingungen und noch belastenderen Flexibilitätsdiktaten? Und kann sich angesichts zunehmender Automatisierung und erhöhten Rentenalters irgendjemand ernsthaft über die ständig steigende Zahl an Arbeitslosen sowie deren politische Frustration und Angst wundern? Es ist allerhöchste Zeit, die bereits vorhandenen technologischen Möglichkeiten statt im Dienste des Shareholder-Value für weitere „Rationalisierungen“ und Einsparungen auf eine fortschrittliche und progressive Art und Weise zu nutzen. Ganz simpel gesagt, geht es um ein besseres Leben: weniger Arbeit, allgemeines Grundeinkommen, tatsächlich freien Personenverkehr et cetera. (…)
Nicht nur im Zusammenhang der Klimaveränderung, die die Flüchtlingsproblematik auf absehbare Zeit noch weiter verschärfen wird, gilt, dass die anstehenden Probleme nur auf einer globalen Ebene zu lösen sein werden. Egal ob private Biokarottenzucht in Großmutters Vorstadtgarten oder punktuelle humanitäre Interventionen, egal wie sich der bisweilen lächerliche oder bewundernswert aufopfernde Aktionismus unserer westlichen Mittelklassen Ausdruck verleiht, mit lokalen Interventionen werden wir in unserem globalen Dorf keine Ruhe finden.
Das ist es auch, was uns die Flüchtlinge in Erinnerung rufen, jeder einzelne von ihnen und in aller Drastik. Sie sind kein ärgerliches Detailproblem am Rande unserer Gesellschaft und werden es auf Dauer nicht dulden, sich in unscheinbaren Zeltlagern und verstreuten Asylantenheimen zu verstecken.
Um was für Menschen es sich also handelt? Diese Schwärme an „infamen Menschen“ (Foucault) sind vielleicht die wahren politischen Subjekte unserer Zeit, die uns bis auf Weiteres mit aller ihnen zur Verfügung stehenden Macht daran erinnern, dass es keine Lösung geben wird, die nicht eine radikale Transformation unseres Wirtschaftssystems bedeutet. (…) — Hervorh. m.z..—

AVANESSIAN-diese-Menschenschwaerme150919.pdf