Schlagwort-Archive: #Fluchtursachen

Der Film: Der Marsch/ The March

globalcrisis/globalchange NEWS
Stephan Best, 10.03.2016
Hallo an die Listen,

diesen Film sah ich vor 25 Jahren und schon damals hielt ich ihn nicht für eine überzeichnete Groteske. Im Gegenteil! Bei aller Unterschiedlichkeit der hier dargestellten Fluchtursachen bleibt ein immer deutlicher werdendes Motiv der MigrantInnen vergleichbar: ‘Wenn ihr eure Wirtschafts- und Handelsbeziehungen (die heute ganz offen geopolitisch durch Kriege und gewaltsame Regimewechsel ausgetragen werden) nicht zu unseren Gunsten ändert, dann kommen wir eben zu euch!’
Ciao Stephan Best

Auf Youtube finden sich 10 Teilsequenzen des Filmes. Engl. mit holländ. oder deutschen Untertiteln.

 Danke für diesen Hinweis der NETZFRAUEN auf dieses Zeitdokument!
 Auf FB ein ca. 20 minütiger Ausschnitt in deutscher Sprache mit Kernszenen:

“„Der Marsch“ beschrieb 1990 ein Szenario, wie wir es 2016 erleben.
Dieser Beitrag ist nicht mehr auf ‪#‎Youtube‬. Wir hoffen, dass dieser Beitrag nicht von Facebook entfernt werden muss!
„Der Marsch“ – Ein visionärer Film von 1990, der dem spanischen Fernsehen mit gutem Grund zu realistisch erschien: „Der Marsch“ beschrieb vor fünfundzwanzig Jahren ein Szenario, wie wir es jetzt in den spanischen Exklaven in Marokko erleben und nicht nur in Spanien, sondern in Calais, Idomeni und Griechenland – in der Festung Europa. „Wir kommen, da wir glauben, ihr lasst uns nicht sterben, wenn wir kommen.“

Der Marsch ist ein Film des Regisseurs David Wheatley über den Auswanderungsdruck aus den Entwicklungsländern. Der Film wurde 1990 nach dem Roman von William Nicholson gedreht. Er geht von einer unbestimmten Zukunft aus, in der auf Grund des Klimawandels große Teile Afrikas unbewohnbar geworden sind und in Europa die rassistischen Spannungen zugenommen haben.

Wir können nicht sagen, man habe uns nicht gewarnt. Die dramatischen Bilder der afrikanischen Flüchtlinge, die, aus dem armen Süden kommend, zu Tausenden die spanischen Exklaven in Marokko bestürmen und sich massenhaft gegen die Grenzen der dünn umzäunten Wohlstandsfestung Europa werfen. Diese Bilder haben wir schon einmal gesehen.

Damals, vor 25 Jahren, strahlte die ARD ein von der BBC produziertes Fernsehspiel mit dem Titel „Der Marsch“ aus, das den Aufbruch Zehntausender verzweifelter Menschen aus einem sudanesischen Flüchtlingslager erzählt. Fünf lange Jahre, so die Erfindung, hat es in Äthiopien und Somalia, im Tschad und im Sudan nicht mehr geregnet, und die Hilfsmittel aus Europa und den Vereinigten Staaten sind im Filz der korrupten Regime ihrer afrikanischen Heimatländer verschwunden. Was der britische Autor William Nicholson 1990 im Drehbuch zu „Der Marsch“ als düstere, biblisch unterlegte „Was wäre wenn“-Vision beschwor, hat heute, nur zwanzig Jahre später, beklemmende Aktualität gewonnen

Warum behandelt man uns wie Tiere?“ rufen noch heute die Flüchtlinge an dem Zaun in Melilla /Spanien. Lesen Sie dazu: Eine Schande! Friedensnobelpreisträger EU mit Schlagstöcken und Tränengas gegen Flüchtlinge

Die Antwort in „Der Marsch“ gibt der Anführer der Flüchtlinge, El-Mahdi, in Worten, die dem Zuschauer die Kehle zuschnüren. Den eilig nach Afrika entsandten Vermittlern der EU, die den Flüchtlingstreck zur Umkehr bewegen sollen, hält El-Mahdi entgegen: „Ihr habt in Europa so kleine Katzen. Es heißt, eine Katze kostet mehr als zweihundert Dollar pro Jahr. Lasst uns nach Europa kommen als eure Haustiere. Wir könnten Milch trinken, wir könnten eure Hand lecken. Wir könnten schnurren. Und wir sind viel billiger zu füttern.”
Der Film war ein Plädoyer für mehr Einsatz der Industrieländer für die Entwicklungsländer.
Mehr Info: https://goo.gl/72DMj7 “

Leseempfehlung: Vorurteile zur Flüchtlingsfrage- ISW Fred SCHMID

globalcrisis/globalchange NEWS

Hallo an die Liste,
auf eine Leseempfehlung von Jens Wernicke hin teile ich seine Einschätzung, dass die Argumentation von Fred Schmid et al. im für Februar angekündigten ISW-Report einen wichtigen Beitrag zur Versachlichung der deutschen Flüchtlingsdebatte darstellt.

See files attached to this message pdf 13 S.

Wider die Asyllügen und Vorurteile

Fred Schmid · Montag den 25. Januar 2016
Vorveröffentlichung

aus dem isw-Report 104 “Auf der Flucht”, der Mitte Februar erscheint.

Fakten und Argumente zum Thema Flüchtlinge und Asyl
“1990 haben kritische Wirtschafts- und SozialwissenschaftlerInnen zusammen mit GewerkschafterInnen in München das isw – Institut für sozial-ökologische

Wirtschaftsforschung

e.V. gegründet. Seitdem haben wir fast zweihundert Studien und Berichte veröffentlicht.[Weiterlesen…]”

Ciao Stephan Best


Stephan Best
sbest
steven25.com

isw-muenchen.de.pdf

Peter VONNAHME (ehem. Richter am VGH in München): Vorboten einer neuzeitlichen Völkerwanderung

globalcrisis/globalchange NEWS
Martin Zeis, 14.09.2015

Hallo zusammen,

der folgende, aufrüttelnde und tiefschichtige Text des ehemaligen Richters am Bayerischen Verwaltungsgerichtshof Peter Vonnahme, der lange als Asylrichter tätig war, ist bereits vor drei Wochen – in der Sommerferienzeit – auf telepolis publiziert worden.*
Nicht wenige auf dieser Liste sind in Schulen und anderen Bildungseinrichtungen tätig. M.E. eignet sich der Vonnahme-Text gut für den Einstieg in die Diskussion der unweigerlich bei SchülerInnen aufkommenden Fragen, die sie zu den Bildern, Filmen, Berichten … über die Massenflucht Hunderttausender aus dem Nahen/Mittleren Osten und Afrika hierher stellen (werden).

* http://www.heise.de/tp/artikel/45/45765/1.html

Im Folgenden einige Auszüge – der Volltext ist im Anhang (pdf, 6 S.) verfügbar.

Grüße,
Martin Zeis

==========

Vorboten einer neuzeitlichen Völkerwanderung
Peter VONNAHME*

Allmählich dämmert es auch den eifrigsten Verfechtern eines kurzen Prozesses mit „Asylbetrügern“ und „Wirtschaftsflüchtlingen“, dass es nicht damit getan ist, Ressentiments gegen Menschen in Not zu schüren. Denn was wir gerade beobachten können, ist nichts weniger als der Vorabend einer neuzeitlichen Völkerwanderung. Die Hunderttausende, die in unsere Städte und Dörfer strömen, sind nur die Vorhut. Viele Millionen stehen bereit, ihnen nachzufolgen. Der deutsche Innenminister musste deshalb die Jahresprognose für die in Deutschland ankommenden Asylbewerber kurzerhand von 450.000 auf 800.000 nahezu verdoppeln.

Die europäische Geschichte ist reich an Beispielen für solche Menschenströme mit ihren unvermeidlichen Dammbrüchen. Wir tun gut daran, uns mit dem Gedanken vertraut zu machen, dass diesen Zug nichts aufhalten wird, weder das Dampfgeplauder der Stammtische, noch die Militanz der Pegidaaktivisten und auch nicht die zum Ritual verkommenen Wir-haben-alles-im-Griff-Parolen der Politiker und deren Claqueuren in dienstbeflissenen Medien. (…)

Wenn sie sich dennoch auf den Weg machen, dann ist ihr Beweggrund nicht Abenteuerlust und der Traum von einem bequemen Leben in einem fernen unbekannten Land, sondern die verzweifelte Lage in ihrer Heimat. Wer verlässt schon leichten Herzens seine Familie, seine Freunde, seine Bekannten, sein vertrautes Dorf, seine Stadt? Und wer geht schon gern in ein Land, dessen Sprache er nicht spricht, dessen Kultur er nicht kennt und von dem er weiß, dass es ihn nicht haben will? …

Es zeugt von wenig Nachdenklichkeit, all die Menschen, die in Erstaufnahmeeinrichtungen, in Kasernen, in Turnhallen und desolaten Wohnhäusern untergebracht sind, als Wirtschaftsflüchtlinge und Asylbetrüger zu beschimpfen. Ihr Ziel ist im Regelfall nicht die viel beschworene „soziale Hängematte“, sondern das nackte Überleben. Ich habe in meiner langen Tätigkeit als Asylrichter die Schicksale vieler Asylbewerber kennengelernt. Die weitaus meisten wurden nicht als asylberechtigt anerkannt, weil sie nicht „politisch“ verfolgt waren. Entscheidend ist jedoch, dass nach meiner sicheren Erinnerung nahezu alle Asylbewerber einen überaus triftigen Grund für das Verlassen ihrer Heimat hatten. (…)

Völkerwanderungen gibt es seit Beginn der Menschheitsgeschichte. Die gegenwärtige Form der Migration hat jedoch Besonderheiten. Erstens gab es noch nie gleichzeitig so viel Bedrohliches für so viele Menschen. Zweitens hatten die Bedrohten noch nie so viel Kenntnis über die ungerechte Verteilung der Güter auf dieser Erde: bittere Armut auf der einen und überbordenden Reichtum auf der anderen Seite. Und drittens war es noch nie so einfach, von einem Erdteil in einen anderen zu gelangen. Kommt all das zusammen, dann sind Massenwanderungen die logische Folge.

So einfach diese Analyse ist, so schwierig ist die Therapie. Klar ist nur, dass es strategisch ohne Wert ist, sich an den unerfreulichen Symptomen der Flüchtlingsströme abzuarbeiten, ohne gleichzeitig den Versuch einer Ursachenbeseitigung zu unternehmen. Bei der Suche nach den Fluchtursachen fällt sofort auf, dass die mit Abstand meisten Flüchtlinge aus Ländern kommen, die in den letzten 20 Jahren Schauplätze von Kriegen waren: das ehemalige Jugoslawien, Afghanistan, Irak, Syrien, Äthiopien, Somalia. Nach einer Statistik des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) waren 2014 die genannten Staaten und ihre Zerfallsprodukte die zehn wichtigsten Herkunftsländer für Asylbewerber in Deutschland. Kennzeichnend für fast alle Kriege in den genannten Staaten sind völkerrechtswidrige Militärinterventionen, zumeist der USA und ihrer Bündnispartner. Das legt die Annahme nahe, dass diese Kriege hauptursächlich für die großen Fluchtbewegungen der Gegenwart sind. Diese Kriege bedeuteten Tod, Verarmung, Anarchie, Zerfall von Gesellschaften, religiös motivierte Massaker und Massenflucht. Nie gelang es, stabile Demokratien einzuführen oder gar Menschenrechte zu sichern. Wer also Massenflucht eingrenzen will, muss in einem e r s t e n Schritt militärische Abenteuer unterbinden und Militärbündnisse wie die NATO auf reine Verteidigungsaufgaben zurückführen. Das Gesagte gilt auch für schwelende Konfliktherde wie etwa Iran oder Ukraine. Wenn auch von dort Flüchtlingsströme einsetzen würden, wäre das allein schon wegen des Bevölkerungsreichtums dieser Länder eine Katastrophe unvorstellbaren Ausmaßes.

Leidtragende der Interventionskriege sind neben den gepeinigten und entwurzelten Menschen, den Flüchtlingen, insbesondere die Länder in der Peripherie der Fluchtstaaten. Das sind vor allem die ohnehin problembehafteten Staaten des Nahen Ostens und des südlichen Europas. Die USA, gut gesichert durch zwei Ozeane, bleiben von den Fluchtauswirkungen verschont. Ausbaden müssen ihre Kriege andere, auch die Bündnispartner. Der deutsche Beitrag muss deshalb p r i m ä r darin bestehen, jede politische und militärische Unterstützung für Interventionskriege rigoros abzulehnen und eigene Waffenlieferun gen in Krisenregionen einzustellen. (…)

VONNAHME-zur-neuzeitlichen-Völkerwanderung150821.pdf

Mehr als eine Million Flüchtlinge in Griechenland

Öffentlich geteilt  –  30.05.2015

Die Analyse von Annette Groth finde ich sehr aussagekräftig!! Mehr als eine Million Flüchtlinge in Griechenland

Annette Groth

Menschen auf der Flucht sind in den Staaten der Europäischen Union nicht willkommen. EU-Binnenstaaten, wie beispielsweise Deutschland, entziehen sich ihrer Verantwortung für eine solidarische Flüchtlingspolitik. Mit einer ständig perfektionierten Abschottungspolitik an ihren Außengrenzen baut sich die Europäische Union zur Festung aus: Hochtechnisierte Mauern – zunehmend unüberwindbar – schrecken Flüchtlinge ab. So nimmt die EU Menschen, die vor Verfolgung, Krieg und Hunger flüchten, die Möglichkeit, Asyl zu beantragen. Trotzdem versuchen Flüchtlinge in ihrer verzweifelten Lage, in kleinen Booten über das Mittelmeer nach Europa zu gelangen.

Ein perfides Instrument zur Flüchtlingsabwehr ist die Europäische Grenzschutzagentur »Frontex«. Mit viel Geld baut man Grenzanlagen und Zäune, installiert High-Tech-Überwachung und drängt Menschen aufs Meer zurück. Seit 2009 beträgt das jährliche Budget für »Frontex« etwa 88 Millionen Euro. Die Organisation Human Rights Watch hat kürzlich darauf hingewiesen, daß »Frontex«-Beschäftigte häufig MigrantInnen unmenschlicher und erniedrigender Behandlung aussetzen. (…)

http://www.sopos.org/aufsaetze/50dc888c436b0/1.phtml