Schlagwort-Archive: #Kapitalismus

Wie Eliten Macht organisieren. Bilderberg & Co, Lobbying, Think Tanks und Mediennetzwerke; Wernicke-Interview, NDS 30.05.2016

globalcrisis/globalchange NEWS
Martin Zeis, 31.05.2016

Hallo zusammen,

Das spannende, viele Elemente der Herrschaftsforschung der letzten Jahrzehnte in den Blick nehmende Interview von Jens Wernicke mit dem Soziologen Markus Klöckner ist „Pflichtlektüre“ (inklusive der filmischen Teile zur Medienkrititk, der Vorträge von Rainer Mausfeld oder des Interviews mit dem „Alpha“-Journalisten Stefan Cornelius und der inzwischen oft zitierten Forschungen/Beiträge des leider viel zu früh verstorbenen französischen Soziologen Pierre Bourdieu. (u.a. maßgeblicher Autor des Grundlagenwerks: Das Elend der Welt. Zeugnisse und Diagnosen alltäglichen Leidens an der Gesellschaft; dt. Ausgabe: Universitätsverlag Konstanz 1997, 848 S.; frz. Originalausgabe : La misère du monde, Editions du Seuil, 1993.)

„Nicht bemitleiden, nicht auslachen, nicht verabscheuen, sondern verstehen“: Diese Anweisung Spinozas sich zu eigen zu machen wäre für den Soziologen nutzlos, könnte er nicht auch die Mittel an die Hand geben, um sie zu befolgen. Wie aber lassen sich die Mittel des Verstehens, die es ermöglichen, die Menschen so zu nehmen wie sie sind, anders weitergeben als dadurch, dass er die Instrumente anbietet, die notwendig sind, um sie als notwendige zu erfassen, um sie notwendig zu machen, indem er sie methodisch auf die Ursachen und Gründe zurückführt, derentwegen sie sind, was sie sind?“ (Pierre Bourdieu: An den Leser, a.a.O. S. 13)

Der deutsche Soziologe, der frühzeitig die Forschungen der „Power Structure Research“ – zurückgehend auf den Soziologen Charles Wright Mills – hierzulande versuchte publik und fruchtbar zu machen, ist Hans Jürgen Krysmanski. Er lehrte bis 2001 an der Universität Münster.

In seinem letzten Buch „0,1% – Das Imperium der Milliardäre“, das „Teil eines offenen Projekts (ist), keine abgeschlossene Analyse oder gar ein fertiges Theoriestück. Es soll anregen, sich weiter mit diesem Thema zu beschäftigen – auch im Internet“ / S.9) entwickelt Krysmanski u.a. „das Schema einer ‚Ringburg’, () das meine Überlegungen zu einem Imperium der Milliardäre wesentlich bestimmt hat. Dieses Modell versucht die Wege anzudeuten, die von den 99 Prozent zu den 0,1 Prozent und den 0,01 Prozent führen, von denen dieses Buch handelt. Die konzentrischen Ringe verweisen auf den Zusammenhang, der für das Funktionieren des gegenwärtigen Kapitalismus existentiellen Eliten: der superreichen Geldelite einerseits, der verschiedenen Funktionseliten andererseits. Die mit dem Namen Ringburg verbundenen feudalistischen Konnotationen sind nicht unbeabsichtigt. Im übrigen hat dieses Ringmodell der Eliten inzwischen sogar eine ‚Protest Rock Opera’ angeregt“ / S. 37, 40, 63, 103) – zit.a. H.J. Krysmanski: 0,1% – Das Imperium der Milliardäre; Westend-Verlag 2012, 287 S.

Viel Spaß bei den Lektüren,
Martin Zeis

NDS, 30.05.2016 – http://www.nachdenkseiten.de/?p=33580

Wie Eliten Macht organisieren. Bilderberg & Co, Lobbying, Think Tanks und Mediennetzwerke

„Die Eliten im Lande diskutieren bereits seit Jahren über Sinn und Unsinn, die Vor- und Nachteile der Demokratie. Die Fesseln der Demokratie werden ihnen zuneh-mend lästig. Wer aber sind diese „Eliten“? Wie organisieren und exekutieren sie ihre Macht? Und wie erreichen sie es, dass es so wenig Gegenwehr gegen immer weite-ren Sozialabbau, Entsolidarisierung und Entdemokratisierung gibt?“ (zit.a. Vorwort von Jens Berger)

Jens Wernicke im Gespräch mit dem Autor Markus Klöckner

Herr Klöckner, wir verdanken Ihnen nicht nur wunderbare Telepolis-Artikel zum Vertrauensverlust in die Medien und den Gründen hierfür; gerade erschien auch noch das Buch „Wie Eliten Macht organisieren: Bilderberg & Co.: Lobby-ing, Think Tanks und Mediennetzwerke“, dessen Mitherausgeber Sie sind. Warum dieses Buch? Was treibt Sie an?

Da gibt es mehrere Gründe. Der Aufhänger für das Buch ist, dass es in diesem Jahr genau 60 Jahre her ist, seitdem die Soziologie mit der Theorie der Machtelite berei-chert wurde. Es war nämlich im Jahr 1956, als der Soziologe Charles Wright Mills ein Buch mit dem bezeichnenden Titel „The Power Elite“, das in Deutschland zu Beginn der 60er Jahre unter dem Titel „Die amerikanische Machtelite“ veröffentlicht wurde, herausbrachte.
In dem Buch hat Mills etwas getan, was ein guter Soziologe geradezu tun muss und was leider ziemlich selten geworden ist: Er hat ganz grundlegende „Wahrheiten“ kri-tisch hinterfragt und ist nicht davor zurückgeschreckt, Antworten zu geben, die fest an dem politischen Wirklichkeitsverständnis von so manchem Zeitgenossen gerüttelt haben.
Sein besonderes Interesse galt dabei der Frage, ob die demokratischen Strukturen in den USA auch tatsächlich in der Praxis, also faktisch funktionieren, oder ob es nicht vielmehr so ist, dass es zwar eine demokratische Oberfläche gibt, sich hinter dieser aber längst Netzwerke gebildet haben, denen es gelingt, den demokratischen Ge-danken immer weiter zu unterlaufen.
Das Ergebnis von Mills‘ Forschung war die bereits erwähnte Machtelitentheorie. Demnach geht Mills davon aus, dass es Akteure gibt, die unterschiedlichen politi-schen, wirtschaftlichen und militärischen Gruppen angehören und zusammen ein komplexes Gebilde formen.

Mills erkannte: Diese Akteure, die aufgrund ihres Status und ihrer Vernetzung eine Machtelite bilden, sind in der Lage, Entscheidungen zu treffen, die sich mindestens auf nationaler Ebene bewegen. Anders gesagt: Der Soziologe hat herausgearbeitet, dass es in der amerikanischen Gesellschaft Akteure gibt, die sich quasi von den „nor-malen“ Reichen und Mächtigen noch weiter abgesetzt haben und über eine enorme Struktursetzungsmacht verfügen.
Da die Machtstrukturforschung insbesondere innerhalb der Soziologie in Deutsch-land eher am Rande vegetiert, haben wir uns entschlossen, dieses Buch herauszu-geben: Eine kritische Machtstrukturforschung ist für eine Demokratie sehr wichtig, da sie in der Lage ist, Bruchstellen im demokratischen Gefüge aufzuzeigen und die Ur-sachen für diese zu benennen. Wenn Sie so wollen, ist der Antrieb für das Buch also ein sehr demokratischer.

Was verstehen Sie denn unter „Eliten“ und warum ist ein Blick auf diese und ihre Macht wichtig in einer parlamentarischen Demokratie? (…)

Wernicke_KLÖCKNER-Interview_Wie-Eliten-Macht-organisieren160530.pdf

Sahra WAGENKNECHT: Interview zu ihrem Buch „Reichtum ohne Gier. Wie wir uns vor dem Kapitalismus retten“ , NDS 29.03.2016

globalcrisis/globalchange NEWS
Martin Zeis, 29.03.2016

Hallo zusammen,

im Folgenden Auszüge aus einem substanziellen Interview, das NDS-Herausgeber Albrecht Müller (AM) mit MdB Sahra Wagenknecht (SW) zu ihrem jüngst erschienenen Buch „Reichtum ohne Gier. Wie wir uns vor dem Kapitalismus retten“ (Campus Frankfurt/Main, März 2016, 292 S., 19,95 €) führte.

Viel Spaß bei der Lektüre.

====================

NDS, 29.03.2016 — www.nachdenkseiten.de/?p=32548

(…)
AM: Was ist denn die Hauptbotschaft, die Sie mit diesem Buch vermitteln wollen? Was sollen die Leserinnen und Leser von Ihnen lernen?
SW: Es gibt zwei zentrale Botschaften. Die erste ist: Unsere aktuelle Wirtschaftsordnung, der Kapitalismus, erzeugt nicht allein eine immer größere soziale Ungleichheit, sondern ist auch längst nicht mehr so produktiv und innovativ, wie die meisten glauben. Im Gegenteil, in wichtigen Feldern wird Innovation blockiert oder – wie in der digitalen Welt – monopolisiert und so gegen die Allgemeinheit gewendet. Und die zweite Botschaft lautet: Es gibt eine vernünftige Alternative zum Kapitalismus, die die Scheinalternativen Markt- versus Planwirtschaft oder Privat- versus Staatswirtschaft hinter sich lässt. Die Grundrisse einer solchen neuen Wirtschaftsordnung versuche ich, im Buch zu skizzieren.
(…)
AM: Worin unterscheidet sich die neue Wirtschaftsordnung von der alten?
SW: Kurz zusammengefasst kann man sagen: sie würde den Wirtschaftsfeudalismus überwinden, wie er dem Kapitalismus bis heute eigen ist: also keine leistungslosen Millioneneinkommen aus Betriebsvermögen mehr, die auf der Arbeit anderer beruhen, und keine Vererbbarkeit der Kontrolle über Unternehmen. Seit Abschaffung der Monarchie ist es gesellschaftlicher Konsens, dass politische Macht nicht vererbbar sein sollte. Aber die Vererbbarkeit wirtschaftlicher Macht, die wesentlich folgenreicher ist, wird bis heute akzeptiert. Ich halte das für falsch.
AM: Auch die Verfassung von Unternehmen und Betrieben ist bei Ihnen ein zentraler Gegenstand des Nachdenkens und des Schreibens. Auch dies ist eigentlich kein Thema mehr in der sonstigen öffentlichen Debatte. Was ist die optimale Betriebs- und Eigentumsform, aus ihrer Sicht?
SW: Ja, leider wird allseits hingenommen, dass Unternehmen heute Anlageobjekte sind, die in erster Linie der Geldvermehrung ihrer Anteilseigner dienen. Aber das ist doch nicht alternativlos. Ich zeige am Beispiel der ältesten deutschen Unternehmensstiftung, der Carl-Zeiss-Stiftung, dass Unternehmen gar nicht notwendigerweise externe Eigentümer brauchen. Was sie brauchen, ist eine effektive Kontrolle des Managements durch Leute, die an einer langfristig guten Unternehmensentwicklung interessiert sind. Die heutigen Eigentümer – Finanzinvestoren oder Erbendynastien – sind das oftmals gar nicht, sie wollen vor allem möglichst viel Geld aus dem Unternehmen herausholen. Für die Belegschaft dagegen ist das Unternehmen die Grundlage ihrer sozialen Existenz, deshalb ist es sinnvoll, wenn die Kontrollorgane aus gewählten Vertretern der Belegschaft bestehen.
AM: Ein mögliches Modell ist aus Ihrer Sicht die sogenannte Mitarbeitergesellschaft? Wie sähe das konkret aus?
SW: Eine Mitarbeitergesellschaft ist kein Unternehmen, an dem die Mitarbeiter verkäufliche oder vererbbare Anteile halten und auf hohe Dividenden warten. Meine zentrale These ist vielmehr, dass der römische Eigentumsbegriff für Unternehmen nicht passt. Eine Mitarbeitergesellschaft gehört wie eine Stiftung sich selbst, sie hat keine externen Eigentümer, und muss daher auch an niemanden Geld ausschütten. Aber die Belegschaft bestimmt die Besetzung des Kontrollorgans, das über die Unternehmensleitung entscheidet und ihr die Ziele vorgibt. Die Ziele würden unter solchen Bedingungen sicher nicht lauten, Maximierung des kurzfristigen Gewinns, sondern: langfristiges Unternehmenswachstum, solide Gewinne, um Investitionen zu finanzieren, aber eben keine Erhöhung der Rendite mittels prekärer Jobs oder durch Verlagerung in Niedriglohnländer.
AM: Und was wäre die „Gemeinwohlgesellschaft“? Und wie würde sich diese von der „Öffentlichen Gesellschaft“ unterscheiden? Ist das nicht ein bisschen verwirrend?
SW: Die Öffentliche Gesellschaft ist genau wie die Mitarbeitergesellschaft ein kommerzielles Unternehmen, bei dem allerdings wegen seiner Größe die öffentliche Hand ebenfalls Vertreter ins Kontrollorgan entsendet. Die Gemeinwohlgesellschaft dagegen arbeitet nicht gewinnorientiert und ist dort angebracht, wo Märkte schlicht nicht funktionieren oder aus ethischen Gründen keinen Platz haben. Ein Krankenhaus etwa muss sich nicht in erster Linie rechnen, sondern muss Kranke optimal behandeln. Wenn dagegen betriebswirtschaftliche Kriterien über die gewählte Therapie entscheiden, ist das einfach pervers. Ein anderes Beispiel ist die digitale Wirtschaft, in der aufgrund des Netzwerkeffekts lauter Monopole entstehen. Überlassen wir diese wichtigste Infrastruktur des 21. Jahrhunderts weiterhin privaten Datenkraken, werden wir alle verlieren. Hier brauchen wir gemeinnützige Anbieter.
(…)
— vollständiges Interview im Anhang —

Wagenknecht-Reichtum-ohne-Gier-Interview160329.pdf

Armen AVANESSIAN: Die Flüchtlingsströme stellen uns vor die Systemfrage: Der Kapitalismus und seine Eliten haben abgewirtschaftet, ZEIT 19.09.2015

globalcrisis/globalchange NEWS
Martin Zeis, 20.09.2015

Hallo zusammen,

wegen der sich vor aller Augen beschleunigenden und vertiefenden inneren und äußeren Krise der „Megamaschine“ der Geldvermehrung (Fabian Scheidler *) finden seit einigen Monaten ab und zu Texte/Wortmeldungen, welche die Wurzeln dieser Entwicklung offenlegen, Eingang in die eben dieses System stützenden Medien.

Die folgend auszugsweise dokumentierte Kampfschrift von Armen AVANESSIAN ist im Anhang und über den Link http://www.zeit.de/2015/36/fluechtlinge-migration-kapitalismus-rassismus/komplettansicht in Gänze verfügbar.

Grüße,
Martin Zeis

* Fabian SCHEIDLER: Das Ende der Megamaschine – Geschichte einer scheiternden Zivilisation; ProMedia Wien 2015, 271 S., ISBN: 978-3-85371-384-6

=========

Die ZEIT, 19.09.2015 — www.zeit.de/2015/36/fluechtlinge-migration-kapitalismus-rassismus/komplettansicht

Flüchtlinge
Diese Menschenschwärme
Die Flüchtlingsströme stellen uns vor die Systemfrage: Der Kapitalismus und seine Eliten haben abgewirtschaftet. Eine Kampfschrift

Von Armen Avanessian

Was sind das für Menschen? Diese Frage stellt sich angesichts der Bilder und Berichte von den Flüchtlingsströmen der letzten Monate. Und damit meine ich nicht die rassistischen Mobs oder die sprachlichen Gewalttäter in Boulevard und Politik – sondern jene „swarms of people“, wie der britische Premier David Cameron die nennt, die er nach guter alter Fuchsjagd-Tradition mit Spürhunden jagen lässt.
Können wir uns überhaupt vorstellen, was das für Menschen sind, die aus Verzweiflung auf unsicheren Wegen ihre Heimat und ihre Familie verlassen, die irgendwann irgendwo stranden, um dann auf Mülldeponien und im Schmutz notdürftig ihre Zelte aufzubauen?
Ich bezweifle, dass wir überhaupt schon begriffen haben, um was für Menschen es sich handelt. Ja, ich bezweifle, dass wir überhaupt verstehen wollen, was eine Flucht ins Ungewisse bedeutet. Es scheint fast so, als wollten wir sie nicht verstehen, diese Menschen und ihre Gründe, wenn wir in unserer Verwirrung nach den individuellen Motiven ihrer Flucht fragen, um so für ein wenig Ordnung und Selbstbeschwichtigung zu sorgen. (…)

Nadelstreifen-Rassisten leisten der Radikalisierung Vorschub
Es steht zu befürchten, dass nach den Jörg Haiders und Silvio Berlusconis in Zukunft ernst zu nehmendere Gestalten in Erscheinung treten werden. Der übliche selbstreflexive und „kritische“ Umgang mit den allerorten aus den Heimatböden schießenden rechtspopulistischen Clowns täuscht sich über die Nadelstreifen-Rassisten in unserer politischen Mitte, die der zunehmenden Radikalisierung Vorschub leisten. Bei dem toxischen, aber eben typisch postdemokratischen Cocktail von Austerität und Merkantilismus 2.0 etwa, mit dem nicht mehr nur in semiperipheren Ländern demokratisch legitimierte Regierungen weggeputscht oder wegtroikisiert werden sollen, geht es nicht um eine erschreckende Begleiterscheinung eines urplötzlich zurückgekehrten hässlichen Deutschlands.
Egal ob es sich um „Europa und Afrika“ oder „Deutschland und Griechenland“ handelt: Die Handelsüberschüsse des einen sind nun mal die Handelsdefizite des anderen, und an den Wettbewerbsvorteilen zu rütteln bedeutet, jene von einer liberalen „Linken“ vergessene Systemfrage zu stellen, was sich ein als alternativlos gerierender Neoliberalismus, und sei es mit Gewalt, verbittet. An dieser Stelle wird dann von den neunmalklugen Schreibstuben-Politologen und Hobby-Anthropologen gerne auf die korrupten und zurückgebliebenen Gesellschaftsstrukturen der betroffenen Länder verwiesen: ein Musterbeispiel an Ideologie qua Naturalisierung von kulturellen Unterschieden, die in Wahrheit historisch gewachsen und ökonomisch produziert sind.

Immanuel Wallerstein, der gemeinsam mit Étienne Balibar den Zusammenhang von Kapitalismus, Nationalismus und Rassismus vielleicht am luzidesten durchleuchtet hat, beschreibt das als „Ethnisierung der Hierarchien“. Deren Effekt ist ganz offensichtlich, dass das geografische Aufeinandertreffen der „ausländischen“ und „inländischen“ Verlierer der neoliberalistischen Revolution gerade nicht zu deren Solidarisierung führt. Ein konkretes Beispiel: der Umgang mit der Tatsache, dass in den nächsten Jahren immer mehr menschliche Arbeit durch Computer und Roboter ersetzt werden kann und wird. Eine akzelerationistische Politik würde diese Technologien der Beschleunigung (kürzere Arbeitszeit, weniger Arbeitsjahre) im Dienste der Arbeiter nutzen. Die gegenwärtige neoliberale Politik (längere Arbeitszeiten, späteres Pensionsalter) hingegen hat immer höhere Arbeitslosenzahlen zur Folge. Dass die Angst, auf Dauer vom Arbeitsmarkt ausgeschlossen zu werden, sich gegen Ausländer und Immigranten richtet, ist fester Bestandteil des Systems.
Man kann es darum nicht deutlich genug sagen: Der sich im Umgang mit der Flüchtlingsfrage manifestierende Rassismus speist sich aus derselben Quelle wie der außen- oder innenpolitische Sparfanatismus. Im Moment ihres größten Triumphs ist daran zu erinnern, dass die Gedankenwelt und Politik der protestantischen Zuchtmeister und schwäbischen Sparsadisten der Vergangenheit angehört. Eine nicht mehr an technologischem Analphabetismus und Zukunftsangst laborierende Linke würde dagegen den schon spürbaren Auswirkungen der digitalen Revolution und der Automatisierung mit Optimismus und Zukunftsemphase begegnen und sie für nicht nur industrielle, sondern auch gesellschaftliche Beschleunigung nutzen.

Mit lokalen Interventionen allein wird es keine globale Ruhe geben
Gibt es zum Beispiel irgendeinen rational nachvollziehbaren Grund, warum wir alle immer noch länger arbeiten sollen, unter noch prekäreren Bedingungen und noch belastenderen Flexibilitätsdiktaten? Und kann sich angesichts zunehmender Automatisierung und erhöhten Rentenalters irgendjemand ernsthaft über die ständig steigende Zahl an Arbeitslosen sowie deren politische Frustration und Angst wundern? Es ist allerhöchste Zeit, die bereits vorhandenen technologischen Möglichkeiten statt im Dienste des Shareholder-Value für weitere „Rationalisierungen“ und Einsparungen auf eine fortschrittliche und progressive Art und Weise zu nutzen. Ganz simpel gesagt, geht es um ein besseres Leben: weniger Arbeit, allgemeines Grundeinkommen, tatsächlich freien Personenverkehr et cetera. (…)
Nicht nur im Zusammenhang der Klimaveränderung, die die Flüchtlingsproblematik auf absehbare Zeit noch weiter verschärfen wird, gilt, dass die anstehenden Probleme nur auf einer globalen Ebene zu lösen sein werden. Egal ob private Biokarottenzucht in Großmutters Vorstadtgarten oder punktuelle humanitäre Interventionen, egal wie sich der bisweilen lächerliche oder bewundernswert aufopfernde Aktionismus unserer westlichen Mittelklassen Ausdruck verleiht, mit lokalen Interventionen werden wir in unserem globalen Dorf keine Ruhe finden.
Das ist es auch, was uns die Flüchtlinge in Erinnerung rufen, jeder einzelne von ihnen und in aller Drastik. Sie sind kein ärgerliches Detailproblem am Rande unserer Gesellschaft und werden es auf Dauer nicht dulden, sich in unscheinbaren Zeltlagern und verstreuten Asylantenheimen zu verstecken.
Um was für Menschen es sich also handelt? Diese Schwärme an „infamen Menschen“ (Foucault) sind vielleicht die wahren politischen Subjekte unserer Zeit, die uns bis auf Weiteres mit aller ihnen zur Verfügung stehenden Macht daran erinnern, dass es keine Lösung geben wird, die nicht eine radikale Transformation unseres Wirtschaftssystems bedeutet. (…) — Hervorh. m.z..—

AVANESSIAN-diese-Menschenschwaerme150919.pdf

Der Saker interviewt Michael Hudson

Original Liebe Freunde, ich empfinde es als Privileg und Ehre, euch mein Interview mit Michael Hudson zur Verfügung zu stellen, den ich für einen der besten Ökonomen im Westen halte. Der Saker Saker: Wir hören, die Ukraine wird den Bankrott erklären müssen, aber dass es vermutlich ein „technischer“ Bankrott wird, im Gegensatz zu einem offiziellen.…

http://vineyardsaker.de/analyse/der-saker-interviewt-michael-hudson/

Interview mit Richard Sennett * „Ich hoffe auf den Kollaps des Systems“

—  gesamtes Interview im Anhang  —
Interview mit Richard Sennett *
„Ich hoffe auf den Kollaps des Systems“
Von Sebastian Moll
07. April 2015 – 11:09 Uhr
Im „neuen Kapitalismus“, schreibt der Soziologe Richard Sennett in seinem neuen Buch **, werde Arbeit zur Einbahnstraße: Während vom Arbeitnehmer totale Flexibilität gefordert wird, hat der Arbeitgeber über die Bezahlung hinaus keinerlei Verpflichtung mehr.
New York – – Seine Themen sind der Wandel der Arbeitswelt und die „Kultur des neuen Kapitalismus“. In seinem neuen Buch plädiert der amerikanische Soziologe Richard Sennett für mehr „Zusammenarbeit“ als Möglichkeit, die Gesellschaft vor einem Auseinanderbrechen zu bewahren.
Mr. Sennett, Sie sind 72, publizieren unermüdlich, sind ständig auf Vortragsreisen unterwegs. Offenbar lieben Sie Ihre Arbeit.
Ja, ich möchte an meinem Schreibtisch sterben. Der einzige Grund, den ich mir vorstellen könnte, mich zur Ruhe zu setzen, wäre,  mehr Zeit zum Cellospielen zu haben.
Wenn Sie einen Job in dem hätten, was Sie den „neuen Kapitalismus“ nennen – der globalen, neoliberalen Wirtschaftsordnung –, würden Sie aber wahrscheinlich nicht so gern arbeiten?
Ich habe sehr viel Glück gehabt in meinem Leben, ich konnte beständig an einer Sache arbeiten und mich darin vertiefen. Das gibt es heute nicht mehr. Die neue Wirtschaftsordnung bietet nur noch serielle, kurzfristige Befriedigung. Das betrifft heute ja sogar die Universität. Lebenszeitprofessuren wie meine gibt es ja kaum mehr, sie werden durch immer mehr kurzfristige Lehrverträge ohne soziale Absicherung ersetzt. Das ist pure Ausbeutung.
Sie sprechen die Fragmentierung und den Mangel an Beständigkeit an. Was sind außerdem die sozialen Kosten unserer neuen Wirtschaftsordnung?
Die ständige Unsicherheit und damit verbunden die Unmöglichkeit der Mitsprache innerhalb von Institutionen. Um beim Beispiel der Universität zu bleiben: sagen wir, Sie unterrichten hier in New York Soziologie. Wenn Sie sich zu viel beschweren, sitzen Sie sofort auf der Straße, weil Hunderte anderer Soziologen nur auf Ihren Job warten. Und so ist das überall, egal ob wir von der Finanzwelt sprechen oder vom Technologiesektor. In der neuen Wirtschaftsordnung ist das Verhältnis von Arbeitgeber zu Angestelltem eine Einbahnstraße. Der Arbeitgeber hat jenseits der Bezahlung keinerlei Verpflichtung mehr.
Das ist vor allem eine Folge der Dominanz kurzfristigen Denkens und Planens, das für Sie zum Paradigma dieser Wirtschaftsordnung geworden ist.
Sicher, das Short-Terming spielt eine riesige Rolle, es geht überall nur noch darum, Investoren kurzfristigen Profit zu gewährleisten und nirgendwo mehr darum, dauerhafte Wert zu schaffen. Aber das Problem ist auch, dass die Institutionen keine erkennbare Form mehr haben. Die Organisationen werden zunehmend chamäleonhaft, man passt sich ständig dem Geschmack des Konsumenten an und verliert dabei seine Identität. Die heutigen Wirtschaftsorganisationen sind bewusst instabil.  (…)
* Weitere Infos zu Richard SENNETT: <https://de.wikipedia.org/wiki/Richard_Sennett> ;  <www.richardsennett.com/site/senn/templates/home.aspx?pageid=1&cc=gb>
**  Richard SENNETT: Zusammenarbeit – Was unsere Gesellschaft zusammen hält; (DTV – München 2014 Okt.), 414 S., 12,90 Euro — ISBN-13: 9783423348379
=======
Martin Zeis
globalcrisis/globalchange NEWS
martin.zeis@gmxpro.net

War da was? Was war das da in Frankfurt am 18.03.?

 War da was? Was war das da in Frankfurt am 18.03.? Eine Zusammenstellung Stephan BEST

Blockupy_was war da Stephan BEST 20150318

Die meisten ritualisierten Reaktionen der veröffentlichten Meinung waren sich wieder mal gleich einig, alles, was sich links von der CDU/CSU im Bundestag bewegt oder sitzt (wenn überhaupt anwesend) sollte sich von ‚der Gewalt‘ öffentlich distanzieren. Und zwar (nur) von der der Straße. Ganz gleich, wer die eigentlichen Urheber oder Tätergruppen waren und welche Ziele diese jeweils verfolgten, Distanzierung von Gewalt der Selbsthelfer scheint Not zu tun im ‚freiheitlichen‘ Rechtsstaat. Das transportierte auch schon Friedrich Schiller in seinem Drama ‚Die Räuber‘. Ganz gleich auf welches Unrecht diese Wütenden und Zornigen reagieren.

Im Web tauchen immerhin tiefer gehende Fragestellungen auf, wenn da z.B. der doppelte Standard auffällt, den auch kein Journalist bereit ist zu erklären. Anscheinend wurde binnen Monatsfrist schon vergessen, wie am Jahrestag der Maidan-Eskalation mit anschließendem Staatsstreich dieser von den Mainstream-Medien gefeiert wurde als Akt der Befreiung ? Dürfen all die Ermordeten und Verletzten, die abgefackelten Polizisten und von Scharfschützen eiskalt ‚erlegten‘ um die Wut auf die Staatsmacht zum Kochen zu bringen und einen gewählten Präsidenten zum Abdanken zu zwingen gebilligt werden? Aber übergriffige Gewalt gegen Sachen und Menschen – gleichgültig erstmal ob von Demonstrierenden oder der Staatsgewalt ausgehend – werden zum hiesigen Staatsnotstand hochstilisiert !

Die Bildzeitung veröffentlichte ein Foto auf dem von weitem die EZB-Twin-Towers in Frankfurt in Rauchschwaden gehüllt aussahen wie jene in New York am 11. September. Diesen Widerspruch der jungen Generation zu erklären, wird journalistisch verantwortlich in den Leitmedien gar nicht erst versucht.

Einige Reflexionen der Ereignisse in Frankfurt seien zum Nachlesen dokumentiert:

Echte Demokratie jetzt (Face book)

‪#‎18NullDrei‬ – Jens Berger von den NachDenkSeiten kommentiert: „Ist es wirklich so unverständlich, dass die ‪#‎Verelendungspolitik‬ der ‪#‎Troika‬, der ja auch die ‪#‎EZB‬ angehört, bei einigen Menschen ‚blinden Hass‘ provoziert? Ich finde eher überraschend, dass die Duldungsstarre der Opfer immer noch anhält & ‚Krawalle‘ so selten vorkommen. Wenn man sich die Kommentare des heutigen Tages durchliest, könnte man fast denken, der schwarze Block sei der einzige Akteur, der hier Gewalt anwendet. Was ist denn dann die Verelendungspolitik der Troika, die im Süden Europas & in Irland unzähliges physisches & psychisches Leid angerichtet hat? Ist das etwa keine ‪#‎Gewalt‬? Seit den Unruhen im Umfeld des ‪#‎G8‬-Gipfels 2001 in Genua ist es seitens der gewaltbereiten Autonomen ziemlich ruhig geworden. Weder in ‪#‎Griechenland‬ noch in ‪#‎Italien‬‪#‎Spanien‬‪#‎Portugal‬ oder ‪#‎Irland‬ hat es als Reaktion auf die Politik der Troika nennenswerte gewalttätige Reaktionen gegeben. Und man kann nicht unbedingt sagen, dass der friedliche Widerstand von Erfolg gekrönt war. Nun kann man sich natürlich vortrefflich darüber streiten, ob diese Gewaltlosigkeit die Verelendungspolitik nicht vielleicht sogar befördert hat. Man darf sich jedoch nicht wundern, wenn den Menschen irgendwann einmal der Kragen platzt & sie die Barrikaden stürmen.“

Die clowneske Revolution

 

Die clowneske Revolution

VON NORA BOSSONG am 19. März 2015 um 14:54

 

Es gibt eine Legitimitätskrise des Kapitalismus und der Macht der Banken. Aber eine Randale wie in Frankfurt schafft auch keinen Umsturz.

 

Qualmende Mülltonnen, brennende Polizeiwagen. Die Bilder sind düster, zumindest jene, die Spiegel online zusammengeschnitten hat. Flammen, Autowracks, krawallierende dunkle Gestalten. Wären es doch die Pariser Banlieus, weit weg und am Rande der Gesellschaft. Aber das hier ist Frankfurt und mehr als das, es ist das klappernde Herz der europäischen Geldpolitik, beheimatet im neuen Doppelturm der Europäischen Zentralbank, der gestern, als die Bilder entstanden sind, eingeweiht wurde, im kleinsten Kreis, aus Sicherheitsgründen. (…)

Blockupy hat recht Junge Welt (online) 20.03.2015 Von André SCHEER

Bundestagsfraktionen distanzieren sich im Chor von Gewalt bei Protesten in Frankfurt. Böckler-Stiftung bestätigt gleichzeitig die Analysen der EZB-Gegner
»Im Verlauf der Krise wurde aus der EU mehr und mehr ein autoritäres Regime mit einem offensichtlichen Mangel an demokratischer Partizipation. Das mörderische europäische Grenzregime und die fortschreitende Militarisierung sind ebenfalls Teil dieses Prozesses. (…) Deutschland ist eine der treibenden Kräfte hinter dieser Spar- und Austeritätspolitik. Es ist gewissermaßen das Herz der Bestie und das relativ ruhige Auge des Sturms zugleich.« Am Donnerstag morgen hatte die Regierungserklärung von Bundeskanzlerin Angela Merkel einmal mehr deutlich gemacht, wie korrekt diese Analyse von »Blockupy« ist.“ (…)

Echte Demokratie jetzt und Peter Grohmann

Danke an Peter Grohmann*), der auf Facebook nicht nur die Kolumne Jakob Augstein lobt, sondern ihre Kernaussagen herausdestilliert:

Peter Grohmann

Augstein, gut gesagt

Blockupy-Proteste: Gewalt gegen Gewalt – SPIEGEL ONLINE

„Aus den Protesten gegen die EZB wurde in Frankfurt ein Aufruhr gegen das System – und viele sind empört. Aber wenn wir die Gewalt der Straße verachten, warum akzeptieren wir dann die Gewalt der Politik?“ S:P:O:N: 19.03.2015 spiegel.de|Von SPIEGEL ONLINE, Hamburg, Germany

 

 

„Aus den Protesten gegen die EZB wurde in Frankfurt ein Aufruhr gegen das System – und viele sind empört. Aber wenn wir die Gewalt der Straße verachten, warum akzeptieren wir dann die Gewalt der Politik?“

„Vergessen wir nicht: Die Finanzkrise hat die fundamentale Wahrheit enthüllt, dass ein Riss durch das System geht, zwischen oben und unten, zwischen mächtig und ohnmächtig – und dass es überhaupt ein „System“ gibt. Eine ungute Verschränkung von Kapitalismus und Demokratie. Eine fatale Verkehrung der Rollen. So dass nicht mehr der Kapitalismus ein Werkzeug ist zur Verteilung von knappen Gütern nach den Regeln und Maßstäben der Demokratie. Sondern die Demokratie dem Akkumulationsprozess des Kapitalismus zu institutionellem Rahmen und moralischer Legitimation verhilft.“

….

„Einer der Vordenker der Protestbewegung, Herbert Marcuse, hatte schon 1964 geschrieben, dass die „traditionellen Mittel und Wege des Protests“ unwirksam geworden seien, weil der moderne Kapitalismus gelernt habe, auch den Protest zu integrieren. Marcuse sagte, wer in der Gesellschaft der „repressiven Toleranz“ seine Rechte ausübt – das Recht der Wahl, der freien Rede, der unabhängigen Presse – trage allein dadurch zum Anschein bei, dass es noch demokratische Freiheiten gebe, die in Wirklichkeit jedoch längst ihren Inhalt verloren hätten: „In einem solchen Fall wird die Freiheit zu einem Instrument, die Knechtschaft freizusprechen.““

Der Brückenschlag zu Herbert Marcuse (Unwirksamkeit friedlichen Protests, repressive Toleranz) sowie der Fokus auf einen Kapitalismus, der täglich spürbar(er) für die ‚Überflüssigen‘ des System anscheinend seinerseits nur die alltägliche Gewalt der Austeritätspolitik und das Prekariat bereit hält, erinnert an Debatten, wie sie seit Mitte der 60er Jahre zunehmend in der Protest Bewegung an der Tagesordnung waren. Besonders der Begriff der ‚Strukturellen Gewalt‘, wie er bei Augstein implizit anklingt, die es rechtfertige nicht nur mit sog. ‚friedlichen‘ Mitteln diese Dialektik aufzubrechen, hat einen gewissen heuristischen Wert für das Verstehen mancher Aktionsformen des zivilen Ungehorsams der Blockupy-Bewegung. Deutlich spürbar wird ein Motiv dieser Bewegung, nämlich die Empathie und Solidarität gegenüber den Leidtragenden der Finanzkrise (in und außerhalb Europas) in ihren Aktionen zum Ausdruck zu bringen. Angesichts einer martialischen Staatsgewalt, desinformierender Medien und einer weitgehend apathischen Bevölkerung kann diese mehr als berechtigte und keineswegs utopische (weil unerreichbare) Zielsetzung bei einigen in Zorn und Hass umschlagen. Nebenbei: 1967/68 regierte auch eine Große Koalition .

Nicht zuletzt die Empörung angesichts der US-amerikanischen Terrorangriffe auf die vietnamesische Zivilbevölkerung hat seinerzeit so manchen Aktivisten erstmalig auf die Straße getrieben. Wasserwerfer und Schlagstöcke haben nicht wenige darüber nachdenken lassen, auf welche Weise und mit welchen Mitteln sich wohl ein Systemwechsel herbei führen ließe, der dauerhaft solche Barbareien eines Imperiums weltweit verhindern würde. Einige wenige meinten sogar dafür westdeutsche Kaufhäuser ähnlich brennen lassen zu müssen, wie die Strohhütten und Dörfer friedlicher Vietnamesen um dadurch größere Bevölkerungsteile in die Rebellion zu treiben.

Damals wie Heute haben solche Aktionsformen zwar die Staatsgewalt herausgefordert, ohne aber die strukturellen Grundlagen für eine menschlichere Welt schaffen zu können. Es ist aber nicht verboten darüber nachzudenken, mit wem und mit welchen Anstrengungen (ja, auch der Analyse und Reflexion) eine weltweiter Aufbruch hin zu einer menschlicheren Welt-Gemeinschaft erreicht werden kann.

In Griechenland wurde bereits praktisch damit begonnen.

Stephan BEST 20.03.2015

Hervorhebungen StB

*)Peter GROHMANN gehört zu den Mitbegründern des Stuttgarter Club Voltaire, ein Alt-achtundfünfziger und Streiter gegen Obrigkeitsglauben, Gehorsam und Standesdünkel, ein Alt-Linker und Gründer der Anstifter

Buchempfehlung: Promedia – Hannes Hofbauer – DIE DIKTATUR DES KAPITALS

Promedia – Hannes Hofbauer – DIE DIKTATUR DES KAPITALS.

Hannes Hofbauer – DIE DIKTATUR DES KAPITALS

Souveränitätsverlust im postdemokratischen Zeitalter

Pressestimmen zum Buch:

Peter Nowak in „Neues Deutschland“ vom 24. Oktober 2014: „Hofbauer hat ein dramatisches Kapitel Kapitalgeschichte verfasst. Er liefert allen, die sich gegen das TTIP und andere Freihandelsabkommen engagieren, eine gute Einführung in die Funktionsweise des Kapitalismus unserer Tage. Deutlich wird, dass Abkommen wie TTIP Resultat egoistischen kapitalistischen Verwertungsinteresses sind und nicht, wie oft behauptet, der Allgemeinheit dienen.“

http://www.neues-deutschland.de/artikel/950209.es-begann-mit-einer-schocktherapie.html

 

Georg Auernheimer auf der Plattform „www.socialnet.de“ am 25. November 2014: „Die in der jüngsten Vergangenheit schon mehrfach kritisch behandelten Demokratiedefizite der Europäischen Union, die zusammen mit dem neoliberalen Politikkonzept die Interessen von Banken und Industriekonzernen begünstigen, werden vom Vf. nochmals verdeutlicht. Da er darüber hinaus die Wege der direkten Einflussnahme seitens der Wirtschaftseliten aufdeckt, die bisher in der Literatur eher vernachlässigt wurden – dort finden eher strukturelle oder konstitutionelle Defizite Aufmerksamkeit – wird das Ausmaß der Machtverschiebung deutlicher. Insofern ist die Lektüre der ersten beiden Kapitel empfehlenswert, wogegen man das letzte Kapitel, das einzelne interessante Aspekte von Gesellschaftskritik enthält, aber wenig systematisch behandelt, eher selektiv lesen wird. (…) Aber der Souveränitätsverlust wird, wie im Titel angezeigt, zumindest für Europa ausreichend belegt. Fazit: Das Buch trägt zur politischen Aufklärung bei. Der Hauptteil ist, wie oben angezeigt, sehr lesenswert.“

http://www.socialnet.de/rezensionen/17905.php

Wolf Senff auf der Plattform „titel-kulturmagazin.net“ am 10. Oktober 2014: „Der Begriff Postdemokratie, 2003 von Colin Crouch geprägt, ist fester Bestandteil der kapitalismuskritischen Debatte. Hofbauer greift in seinem Beitrag diesen Begriff auf, und nicht nur die Gegenwart, sondern auch der Rückblick auf die Jahrzehnte seit Kriegsende sieht auf einmal gänzlich anders aus, als uns der mediale Mainstream glauben machen möchte. In den westlichen Gesellschaften werde die Macht durch Oligarchen und Spitzenpolitiker ausgeübt und medial abgesichert. (…) Es ist überaus spannend, diese Darstellung Hannes Hofbauers zu lesen, weil auch aufseiten des ›normalen‹ Bürgers das Vertrauen in die Weisheit des allgegenwärtig erdrückenden medialen Mainstream längst gen null tendiert. Hofbauer zeigt aufschlussreiche Perspektiven und liefert sowohl eine kenntnisreiche Geschichtsschreibung als auch eine präzise Beschreibung gegenwärtiger Machtstrukturen.

http://titel-kulturmagazin.net/2014/10/10/der-neofeudale-zugriff/

 

Sebastian Gerhardt in der Zeitschrift „Lunapark21“, Nr. 27/ Herbst 2014: „Wie jeder echte Ermittler begibt sich
auch Hannes Hofbauer an die Tatorte. Er hat nicht nur gelesen, sondern selbst in Augenschein genommen. Souverän
kombiniert er Eindrücke und Analysen, vergleicht wirtschaftliche Entwicklungen und politische Entscheidungen in verschiedenen Ländern. Nationale Scheuklappen sind ihm fremd. Auch wenn die Länder Osteuropas wie in seinen journalistischen Beiträgen immer wieder im Zentrum stehen, so greifen seine Überlegungen doch weit darüber hinaus. Für ihn ist der Kapitalismus ein Weltsystem.“

auch als E-Book unter anderem erhältlich bei:

Amazon, iTunes, Kobo, Libreka, Mayersche, Thalia, Weltbild

ISBN 978-3-85371-376-1, br., 240 Seiten, 17,90 Euro

 

„Global agierende Kapitalgruppen, euphemistisch „Märkte“ genannt, treiben Parlamente und Regierungen vor sich her. Die Wirtschaft steht längst nicht mehr im Dienste des Menschen. Wer diesen Zustand anprangert, gerät ins politische Abseits. Spätestens seit der Weltwirtschaftskrise 2008 ist es in immer mehr Ländern nicht mehr der Souverän, sondern die „Troika“ aus IWF, Europäischer Zentralbank und EU-Kommission, die Regierungen einsetzt. Volksentscheide werden von ihr als unkalkulierbares Risiko betrachtet. Wer dennoch das Volk politisch mobilisieren will, gilt den herrschenden Medien – je nach Richtung und Gusto – als links- oder rechtspopulistisch. (…)

Radikalpazifistische Rede Eugen Drewermanns vor Schloss Bellewue am 13.12.2014

Drewermanns Rede vor dem Schloss Bellevue am 13.12.2014:
https://www.youtube.com/watch?v=88xxWfegO_s

Zitat-Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=sugXUF1canE
(Interview mit KenFM)

Martin Zeis postete die folgende Nachricht zu dieser bemerkenswerten Rede aus der Tradition der ‚alten‘ Friedensbewegung:

Z e i t d o k u m e n t
Rede des Theologen Eugen Drewermann auf der Abschlusskundgebung des Berliner Bündnisses FRIEDENSWINTER am 13.12.2014 vor Schloss Bellevue, dem Amtssitz Gaucks.
YouTube-Clip, 27:37 min, URL: https://www.youtube.com/watch?v=88xxWfegO_s
Der tief bewegte Eugen Drewermann hält ein ergreifendes, ethisches, mit den Erfahrungen der Menschheit seit dem Dreißigjährigen Krieg untermauertes, die US-/NATO-Angriffs-Maschine analysierendes + geißelndes Plädoyer für den Frieden und die dafür voraussetzende, umfassende Gehorsamsverweigerung auf allen Ebenen der Kriegsvorbereitung und -führung.
Diese Rede verdient es, als Video und Transskript nicht nur auf der Frontpage  www.friedenswinter.de und auf den zahlreichen Websites der Antikriegs-/Friedensbewegung an erster Stelle dokumentiert zu werden …
Grüße,
Martin Zeis
—————–
Martin Zeis
globalcrisis/globalchange News
martin.zeis@gmxpro.net