Schlagwort-Archive: #Krieg

Rubikon – Magazin für die kritische Masse | Entscheidung in Syrien

von Günter Meyer

Foto: Karin Leukefeld

03.07.2017

Entscheidung in Syrien

Ist Syrien auf dem Weg zum Frieden oder zur militärischen Eskalation durch die USA?

 

Bereits 1920, als die Staatsgrenzen Syriens und seiner Nachbarstaaten gezogen wurden, war die Region ein Spielball der Großmächte. Fast hundert Jahre später

Quelle: Rubikon – Magazin für die kritische Masse | Entscheidung in Syrien

Warum brennt der Nahe Osten? Karin Leukefeld im RT Deutsch-Gespräch — RT Deutsch

RT Deutsch 21.10.2016

Karin Leukefeld ist eine der profiliertesten Nahost-Expertinnen und unter deutschen Journalisten eine Ausnahmeerscheinung: Immer wieder reist Leukefeld in die Kriegsgebiete des Nahen Ostens und berichtet als freie Korrespondentin vom Krieg in Syrien.

Quelle: Warum brennt der Nahe Osten? Karin Leukefeld im RT Deutsch-Gespräch — RT Deutsch

Der Tag vor Deraa: wie der Krieg in Syrien ausbrach | The Vineyard Saker – Deutsche Version

Quelle: Der Tag vor Deraa: wie der Krieg in Syrien ausbrach | The Vineyard Saker – Deutsche Version

Der Tag vor Deraa: wie der Krieg in Syrien ausbrach

Im Original auf Englisch:

Steven Sahiounie

The day before Deraa: How the war broke out in Syria

Passend zur neuen Kampagne der Bundesregierung und der Medien, die am treffendsten mit dem Titel #saveISIS versehen würde, hier ein Artikel, der die Anfänge dessen schildert, was uns heute als der Krieg in Syrien bekannt ist. (…)

Indiens Botschafter bestätigt: Krieg in Syrien wurde von außen angezettelt– DEUTSCHE WIRTSCHAFTS NACHRICHTEN

Ein aufschlussreicher Bericht des früheren Botschafters Indiens in Damaskus macht klar: Die Darstellung des Westens, der syrische Präsident Assad sollte durch einen Volksaufstand gestürzt werden, ist nicht haltbar. Der Krieg wurde von außen angezettelt, unter anderem von den Golf-Staaten und der Al Qaida. Mit ihr arbeiteten die USA über den Al Nusra-Flügel zusammen. Assad hat die Gefahr unterschätzt – weil er wusste, dass sein Volk hinter ihm steht.

Quelle: Indiens Botschafter bestätigt: Krieg in Syrien wurde von außen angezettelt– DEUTSCHE WIRTSCHAFTS NACHRICHTEN

Krieg gegen Flüchtlinge

Dokumentiert: Krieg gegen Flüchtlinge ( German Foreign Policy)

 

15.05.2015

BERLIN/TRIPOLIS

 

(Eigener Bericht) – Der geplante EU-Militäreinsatz zur Verhinderung der Einreise von Flüchtlingen über das Mittelmeer wird vermutlich militärische Operationen auf libyschem Territorium umfassen. Dies berichtet die britische Tageszeitung „The Guardian“, der ein umfangreiches Strategiepapier für die Intervention vorliegt. Demnach sollen, um Schiffe oder Treibstofflager von Fluchtunternehmern zu zerstören, auch Landinterventionen in Libyen erlaubt werden. Unter anderem kämen Einsätze militärischer Spezialkräfte in Frage, heißt es in dem EU-Dokument, das „Kollateralschäden“ unter Zivilisten ausdrücklich nicht ausschließt. Während der Einsatz sich offiziell gegen „Schmuggler“ richtet, zielt er faktisch darauf ab, jegliche Flucht über das Mittelmeer zu verhindern: Die Nutzung der Dienste illegaler Fluchtunternehmer ist für Flüchtlinge derzeit die einzige Möglichkeit, aus Nordafrika nach Europa zu gelangen. Wie Außenminister Frank-Walter Steinmeier bestätigt, ist der Einsatz inzwischen beschlossene Sache. Kritiker warnen, die in Nordafrika festsitzenden Flüchtlinge befänden sich bereits jetzt in einer katastrophalen Situation; ihre Lage werde sich durch die Intervention noch weiter verschlimmern. Zudem könne die EU sich in bewaffnete Auseinandersetzungen mit libyschen Milizen oder sogar mit dem Islamischen Staat (IS) verwickeln.

Zwei Interviews: mit Daniele Ganser und Prof. Rothfuß

Guten Tag zusammen,

nach Veröffentlichung des Aufsatzes „Malaysian Airlines Flug MH-17 — Beispiel eines macht- und medienpolitischen „Ereignisses““* auf dieser Liste kamen einige Nachfragen, ob der dort in Fußnote 5, S.2 angesprochene Vortrag von Dr. Daniele Ganser verfügbar sei?

Ja, der Vortrag von Daniele Ganser ist seit dem 03.02.2015 im Netz verfügbar. Ebenso ein Interview mit Prof. Dr. Rainer Rothfuß, der Ganser nach Tübingen eingeladen hatte und den Vortrag trotz massivem Gegenwind stattfinden ließ. Beide absolut sehenswerten Video-Aufzeichnungen werden weiter unten vorgestellt.

* Der Aufsatz (38 S.) und der dazugehörige Foliensatz (49 Folien) können unter folgenden URLs abgerufen werden:
http://stephsblog.sbest.de/wp-content/uploads/2015/02/mh17-aufsatz150130.pdf
http://stephsblog.sbest.de/wp-content/uploads/2015/01/mh17_f3_folien150130.pdf

Grüße,
Martin Zeis

I.


Medial vermittelte Feindbilder und die Anschläge vom 11. September 2001 –
Vortrag von Daniele Ganser
15.12.2014
Universität Tübingen
Dauer: 1:31:30 h

Veröffentlicht am 03.02.2015
Als am 11. September 2001 zwei Flugzeuge in den Nord- und den Südturm des World Trade Centers rasten, und beide Türme nach kurzer Zeit einstürzten, war die gesamte Welt geschockt. Die mediale Aufmerksamkeit war zunächst bei den eingestürzten Zwillingstürmen, nicht jedoch bei dem ebenfalls eingestürzten WTC-Gebäude 7, das weder von einem Flugzeug getroffen wurde, noch mit einer einzigen Silbe im offiziellen Untersuchungsbericht zu den Anschlägen erwähnt wurde. Die Aufmerksamkeit lag dann sehr schnell bei der Frage, wer für diese Attacke verantwortlich sei, und die Antwort wurde überraschend schnell präsentiert – Osama bin Laden und sein Terrornetzwerk Al-Kaida. Seither steht jeder Moslem unter Generalverdacht, und wer das Wort Terrorist hört, denkt in aller Regel an einen bärtigen Turban-Träger, und nicht an einen RAF- oder ETA-Terroristen.

Warum ist das so? Wer lanciert diese Feindbilder und profitiert davon? Welcher Zusammenhang besteht zu den aktuellen Kriegen des 21. Jahrhunderts? Sind diese Einsätze wirklich „Demokratie-Exporte“? Und kann man die Vereinigten Staaten von Amerika als Imperium bezeichnen? All das sind Fragen, auf die der Schweizer Historiker und Friedensforscher Dr. Daniele Ganser in seinem Vortrag „Die Terroranschläge vom 11. September 2001 und der ‚Clash of Civilizations‘ – Warum die Friedensforschung medial vermittelte Feindbilder hinterfragen muss“ am 15. Dezember 2014 im voll besuchten Hörsaal der Eberhard-Karls-Universität in Tübingen einging. Neben über 500 interessierten Zuhörern aller Altersklassen wurde der Vortrag auch von KenFM-Kameras verfolgt und aufgezeichnet, und nun hier, wie bereits im letzten Interview angekündigt, veröffentlicht.

II.

Interview mit Prof. Dr. Rainer Rothfuß*
der Ganser nach Tübingen eingeladen hatte und den Vortrag trotz massivem Gegenwind stattfinden ließ.
Veröffentlicht am 05.02.2015
Dauer: 1:05:41 h

*Prof. Dr. Rainer Rothfuß arbeitet seit vielen Jahren an der Universität Tübingen im Forschungsbereich
Geowissenschaften. In dieser Funktion organisiert er immer wieder Vortragsreihen, die sich mit Feindbildern
beschäftigten.

„Wenn man weiß, wer der Böse ist, hat der Tag Struktur.“

Dieser Satz stammt von einem der bekanntesten politischen Kabarettisten des Landes, Volker Pispers und führt immer zu garantierten Lachern im Publikum. Dabei handelt es sich bei diesem Satz keineswegs um einen Gag, sondern um eine schlichte Bestandsaufnahme der menschlichen Psyche.

Menschen, fast alle und fast überall, haben ein Feindbild. Bei einigen wird dieses täglich sichtbar zu schau getragen und prägt das tägliche Verhalten, andere hingegen gehen davon aus, ihre hohe Bildung wäre ein Garant, um nicht selber Opfer des eigenen Feindbildes zu werden.

Dies ist ein Irrtum. Feindbilder sind oft derart tief in uns verankert und werden, kaum sind wir auf der Welt, von unserem Umfeld derart subtil vermittelt, dass sie auch für Menschen, die auf diesem Gebiet sehr sensibel sind, fast unsichtbar sind.

Feindbilder haben eine Funktion. Vor allem, wenn man Macht ausüben will. Feindbilder sorgen dafür, Massen zu lenken. Daher ist das Kreieren von Feindbildern die Voraussetzung, wenn man plant, einen Krieg zu beginnen. Vor allem, wenn man es bei der eigenen Bevölkerung mit Menschen zu tun hat, die Krieg vollständig ablehnen. Und doch ist niemand sicher davor, in Mitleidenschaft gezogen zu werden, wenn in seinem Umfeld ein frisch gezimmertes Feindbild greift.

Schon Joseph Goebbels empfahl, über den Hebel „Feindbild“ auch die Pazifisten in einem Volk mental fit für den Krieg zu machen. Alles, was man tun müsse, sei einen äußeren Feind zu erfinden, und jeden, der diesen Feind nicht bestätigen würde, als Vaterlandsverräter zu brandmarken. Diesem sozialen Druck würde jeder Pazifist früher oder später nachgeben. Ein massiv vermitteltes Feindbild hat also enorme Kraft und ist in der Lage, selbst Weltkriege der Bevölkerung schmackhaft zu machen.

Aus diesem Grund sind Feindbilder und deren Genese immer auch Forschungsgegenstand an Universitäten. Feindbilder kann man aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln untersuchen. Aus der Sicht der Psychologie natürlich, aber eben auch im Hinblick, wie Feindbilder in der Geschichte der Menschheit immer wieder variieren. Wie sie in unterschiedlichen Kulturen unterschiedlich eingesetzt werden.

Prof. Dr. Rainer Rothfuß untersuchte z.B. schlicht die Tatsache, dass die Intoleranz weltweit massiv zunimmt. Der „Clash of Civilizations“ in etwa kann Teil eines geopolitisch bewusst gewählten Konfrontationskurses sein, bei dem es im Kern um Bodenschätze geht. Aber auch religiös motivierte Kriege nehmen zu. Wo immer unterschiedliche Kulturräume aufeinander prallen, kommt es zu Spannungen.

Nur wie will der Mensch mit diesen Konflikten in Zukunft umgehen?
Ist die klassische Form, Krieg, noch eine Option auf einem Planeten, auf dem immer mehr Staaten über Kernwaffen verfügen?

Der Forschungsgegenstand der „Feindbildgenese“ ist hochaktuell und immens wichtig, um das Überleben der Menschheit auf diesem Planeten zu sichern.

Gerade daher erstaunte die Tatsache, dass Prof. Dr. Rainer Rothfuß im Rahmen dieser Forschung immer wieder Probleme aus dem eigenen Haus bekam.

Als er Ende 2014 im Rahmen seiner Forschung Wladimir Michailowitsch Grinin, Botschafter der Russischen Föderation, einlud, um dessen Sicht auf die Krim-Krise zu hören – sein Vortrag trug die Überschrift „Wege in eine partnerschaftliche Beziehung zwischen Ost und West: Die Perspektive Russlands“ – begann es im Lehrkörper der Uni Tübingen heftig zu brodeln.

Dieses Brodeln entwickelte sich zu einem heftigen Überkochen, als Rothfuß darauf bestand, auch den Schweizer Historiker Dr. Daniele Ganser einzuladen. Sein Vortrag, den KenFM Anfang Februar veröffentlichte, trug den Titel „Die Terroranschläge vom 11. September 2001 und der „Clash of Civilizations“: Warum die Friedensforschung medial vermittelte Feindbilder hinterfragen muss“.

Die gesamte Vortragsreihe von Rothfuß war extrem erfolgreich.
‪http://www.tuepps.de/events/view/date…

(…)

Wir trafen Prof. Dr. Rainer Rothfuß am 15.12. in Tübingen, um mit ihm nach dem Vortrag von Daniele Ganser ein Interview über die Motive seiner Arbeit zu führen.

Obwohl das Gespräch nachts um zwei Uhr geführt wurde, erlebten wir einen extrem wachen Geist, der vor die Entscheidung gestellt, moralisch einzuknicken und Karriere machen oder Rückgrat bewahren und einen Knick der Karriereleiter hinzunehmen, nie auf die Idee kommen würde, die eigenen Ideale, die der Geisteswissenschaften zu verraten. — Hervorh. m.z. —

=======
Martin Zeis
globalcrisis/globalchange NEWS
martin.zeis@gmxpro.net

Die gestrige Manifestation von Paris wird, so eindrucksvoll sie auch war, die Möglichkeit zur Sozial- und Medienkritik um Jahre zurückwerfen

http://www.nachdenkseiten.de/?p=24536

12. Januar 2015 um 14:22 Uhr

Die gestrige Manifestation von Paris wird, so eindrucksvoll sie auch war, die Möglichkeit zur Sozial- und Medienkritik um Jahre zurückwerfen

Verantwortlich: Albrecht Müller
Die gestrige Manifestation von Paris wird, so eindrucksvoll sie auch war, die Möglichkeit zur Sozial- und Medienkritik um Jahre zurückwerfen
Es ist großartig, dass sich so viele Menschen gegen die Ermordung von 17 Menschen wenden und für Pluralität, für Pressefreiheit und Verständigung zwischen den Religionen eintreten. Ich habe das Geschehen und die mediale Behandlung gestern und heute nicht mit Genugtuung und Bewunderung verfolgt, sondern mit Sorgen. Die Überschrift eines ersten Textentwurfs von gestern lautete: „Vom schamlosen Missbrauch der Morde von Paris durch Politik und Medien.“ Jetzt will ich den unterlassenen Einwurf mit einigen kritischen Fragen und Feststellungen nachholen. Albrecht Müller.

Die westliche Politik nutzt das Verbrechen, um ideologisch aufzurüsten: die Morde waren ein Anschlag auf unsere „Werte“, auf die Freiheit und insbesondere auf die Pressefreiheit, auf die Demokratie. – Damit wird vergessen gemacht, wie wertlos, wie wenig orientiert an Grundwerten der Menschlichkeit und Brüderlichkeit die Politik geworden ist. Es wird vergessen gemacht, dass es die vielbeschworene Wertegemeinschaft gar nicht gibt. Wo ist denn die Brüderlichkeit bei der Übertragung der sogenannten Reformpolitik auf Griechenland und andere Länder? Wo ist denn die Brüderlichkeit im Umgang mit den Menschen in Staaten, die der Westen destabilisiert hat? Wo ist denn die Gerechtigkeit geblieben? Und wo ist die Freiheit in Guantanamo geblieben? Und an vielen anderen Orten der Welt?
Die Überschriften und Botschaften lauten wie gestern in der Tagesschau/Tagesthemen: „Gemeinsam gegen den Terror“, „Die Welt rückt zusammen“; in meiner Zeitung: „Europa vereint gegen den Terror“. Was bleibt als Hauptbotschaft bei solchen Schlagzeilen und den entsprechenden Berichten über: „Wir sind die Guten“. – Merken die Bewunderer der großen Solidarität von gestern nicht, dass hier zugleich die Sauce des Einvernehmens über die überall sichtbare Ungerechtigkeit und über Gängelung und Überwachung und auch über die gängige Korruption im Westen gekippt wird?
Sowohl in der Übernahme des Sprachgebrauchs – „Terror“ – als auch in auffallend oft hinterlassenen Bemerkungen zur angeblichen Notwendigkeit besserer Kooperation mit den USA und im Westen insgesamt muss doch klar werden, dass diese schrecklichen Ereignisse von Paris benutzt werden, den Schulterschluss zwischen den USA und Europa fester zu machen und überall einzuüben und in den Köpfen und Herzen zu verankern. Die Bild-Zeitung hat das ja schon am 9. Januar schamlos zum Ausdruck gebracht: „Zwischenruf zum Anschlag in Paris – warum wir die Überwachung der NSA gegen den Terror brauchen“. Und die europäischen Innenminister haben in den Gesprächen mit dem amerikanischen Innenminister in die gleiche Kerbe gehauen.
Der Kampf gegen TTIP und andere Vorhaben wird nach der einvernehmlichen Manifestation von gestern schwieriger. Da sollte man sich keine Illusionen machen.
Die Kritik am Umgang mit Russland in der Ukraine-Krise und die Forderung nach Strukturen der gemeinsamen Sicherheit in Europa einschließlich Russlands werden es viel schwerer haben. Der Widerstand gegen Krieg wird es schwerer haben.
Die Kritik an den zerstörerischen und menschenverachtenden Kriegen des Westens, der USA und der NATO – von Libyen über den Iran bis nach Afghanistan – wird es nach den gestrigen Manifestationen noch schwerer haben. Das haben vermutlich die meisten der Demonstranten nicht gewollt; aber so wird es kommen.
Die Kritik an der Geopolitik der USA (und des Westens) wird abprallen an der Solidarität der Europäer im Kampf gegen den Terror. Wer wird denn noch an Kleinigkeiten wie den folgenden von a bis g herummeckern, wenn es um das große Ganze geht? Hier ein paar Hinweise auf die „Kleinigkeiten“:
der Folterbericht – siehe unter anderem hier.
der Bericht über die Beeinflussung der internationalen Finanzmärkte durch den Präsidenten und seinen Zuarbeiter Mister Glaser: „Die Superwaffe des Mr. Glaser“
die Überwachung durch die NSA
die Verfolgung der Whistler-Blower, von denen ARTE letzthin berichtet hat.
die Ächtung Snowdens
der Drohnenkrieg
die Aktivitäten der US-Sondereinheit im Kampf gegen den Terror. (Terror, das ist der gleiche Begriff, der in den Berichten über die Demonstrationen von gestern gebraucht wird.)
Medienkritik wird schwieriger. Wir haben ja Pressefreiheit so der Gesamteindruck. Der Satz des früheren Gründungsherausgebers der FAZ Paul Sethe vom 5. Mai 1965: „Pressefreiheit ist die Freiheit von zweihundert reichen Leuten, ihre Meinung zu verbreiten“, klingt wie die irrelevante Erkenntnisse lang vergangener Zeiten. Es ist ja auch nicht mehr nötig, solche Erkenntnisse zu haben, weil ja gar nichts im Argen liegt. Über 1 Million Menschen haben sich mit ihren Plakaten und Buttons „Je suis Charlie“ zu der Meinung bekannt, dass es hier einen Anschlag auf die vorhandene Pressefreiheit gegeben habe. Die Existenz von Charlie, die Existenz dieses kritischen Blattes wird als Existenz von pluraler Meinungsbildung gewertet. Das ist grotesk.
Im Kapitel 21 meines Buches „Meinungsmache“ habe ich auf über 60 Seiten im Detail beschrieben, warum man davon ausgehen muss, dass die Medien als kritische Instanz verschwunden sind. Mit dieser Aussage würde ich bei den Teilnehmern der gestrigen Manifestation nur noch ungläubiges Kopfschütteln auslösen. Ja, „wir“ haken uns jetzt ein und marschieren so zusammen gegen die Zweifel an jeglicher Sozial- und Medienkritik. Aufklärung ist nicht mehr angesagt. Wir stehen zusammen!
Zur Vertiefung: Stellen Sie sich vor, morgen, am Dienstagabend zur üblichen Zeit würde die „Anstalt“ vom ZDF mit dem folgenden Programm daherkommen (ab Minute 37), also mit einer kritischen Würdigung des Wirkens einiger besonders einflussreicher Journalisten und ihrer atlantischen Vereinigungen – die Macher dieser Sendung und vermutlich auch das ZDF würden von der Politik als pietätslos und von den Medien als unkollegial und unsolidarisch mit „Charlie“ niedergemacht.
Medienkritik ist stigmatisiert, das zeigt auch die zuvor eingeklinkte Illustration, die gestern die erste Seite der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung geziert hat. Aus dem Mund eines der Terroristen von Paris schallt der Ruf: „Lügenpresse!“. – Wehe, wir versuchen weiter die Glaubwürdigkeit vieler Medien zu hinterfragen. Die im Gegenangriff gebrauchte Assoziation steht.
Aufklärung auch im Sinne der Suche danach, was die Terroristen von Paris zu ihren Taten tatsächlich getrieben hat und welche sozialen Hintergründe es möglicherweise gibt, ist nicht sonderlich aktuell. Gefragt wird nicht mehr, nicht nach den Hintergründen, auch nicht nach den Ungereimtheiten. Wer in diesen herumrührt, stellt sich außerhalb der geschlossenen Reihen.
Auf eine mir gestern begegnete Ausnahme will ich hinweisen und zugleich sichtbar machen, dass unsere Medienkritik keineswegs pauschal ist. Der Reporter der ARD in Paris, Matthias Werth, hat gestern neben vielem anderen immerhin auch geraten, sich über die Ursachen Gedanken zu machen und dem Sinne nach gefragt: Wie geraten junge Menschen in diesen Strudel? – Nach meinem Eindruck ist er mit dieser richtigen Frage ziemlich einsam.

Es gebe noch viel anzufügen, manche Leser werden meine Anmerkungen hinterfragen. Warum nicht! Die NachDenkSeiten sollen ein Medium für Menschen sein, die sich noch eigene Gedanken machen. So ist es gedacht. Deshalb auch dieser Text.

=======
Martin Zeis
globalcrisis/globalchange News
martin.zeis@gmxpro.net