Schlagwort-Archive: #Markt

Filmempfehlung: „Der marktgerechte Mensch“

Aufruf zur Unterstützung des Filmprojekts  

Der marktgerechte Mensch

Ein „FILM VON UNTEN“ von Leslie Franke und Herdolor Lorenz, 99 Min.

Machen Sie den Donnerstag, den 16.Januar 2020, zum Tag Ihrer Premiere des Films „Der Marktgerechte Mensch“ !

Der 16.01.2020 soll ein weithin hörbares Signal werden! Deshalb: Organisieren Sie an diesem Tag in allen Ecken der Republik eine Filmveranstaltung. Nun steht alles zur Verfügung für Ihre eigene Premiere: Flyer, Plakate A1 und A3, Pressephotos, Pressetext und die Onlinekarte, auf der auch Ihre Veranstaltung erscheinen soll. Alle UnterstützerInnen werden rechtzeitig spätestens bis 12.01.2020  eine DVD erhalten, um möglichst an vielen Orten gleichzeitig einen Premierenabend am 16.01.2020 zu organisieren.

Für eine rechtzeitige Terminplanung können Sie/Ihr die Verantwortlichen von potentiellen Kinos und anderen Vorführorten ansprechen und interessieren. Diesen großen Tag können Sie gemeinsam mit uns jetzt schon planen, jetzt schon vorbereiten!

Der Marktgerechte Mensch“ ist ein Film von unten. Ein Film der uns alle angeht:  „Wenn der Mensch zur Ware wird“ geht seine Menschenwürde verloren. Noch vor 20 Jahren waren in Deutschland knapp zwei Drittel der Beschäftigten in einem Vollzeitjob mit Sozialversicherungspflicht. 38% sind es nur noch heute.

Die Filmemacher  gehen an die Arbeitsplätze der neuen Modelle des Kapitalismus wie der Gig-Economie,  wie der Arbeit auf Abruf. Sie  treffen auf Menschen in bisher sicher geglaubten Arbeitstrukturen an Universitäten  oder in langjährigen  Arbeitsverhältnissen mittlerer- und oberer Leitungspositionen. Und beobachten wie sich die  Verschärfung des Wettbewerbs immer stärker auf den Einzelnen verlagert, was Solidarisierung tragbaren sozialen Beziehungen nur sehr schwer Raum lässt.  Depression und Burnout machen Menschen, die an dieser Last und Unsicherheit zerbrechen, das Leben zur Hölle. Selbst dann noch  glauben viele, an ihrem Schicksal schuld und ein Einzelfall zu sein.

Doch dieser Wahnsinn ist nicht alternativlos. Der Film stellt Betriebe vor, die nach dem Prinzip des Gemeinwohls wirtschaften, Beschäftigte von Lieferdiensten, die einen Betriebsrat gründen und die Kraft der Solidarität von jungen Menschen, die für einen Systemwandel eintreten. „Der marktgerechte Mensch“ ist ein Film, der die Situation hinterfragt, Mut machen will, sich einzumischen und zusammenzuschließen. Denn ein anderes Leben ist möglich.

Deshalb sollten den Film auch möglichst viele Leute möglichst bald an möglichst vielen Orten sehen und diskutieren können.

Was Sie dazu tun müssen? Sprechen Sie möglichst bald Verantwortliche von Veranstaltungsorten und vor allem Kinos an. Dabei können wir Hilfestellung leisten.

Alle, die geholfen haben, dass dieser Film Wirklichkeit wird, bekommen rechtzeitig eine DVD zugesandt von „Gemeinwohl in Bürger*innenhand“. Damit kann jede*r eine Premiere veranstalten. Weitere hilfreiche Informationen rund um die Film-Veranstaltung haben wir für Sie in unserem Veranstaltungsleitfaden zusammengestellt. Oder sprechen Sie uns direkt an:  Stefan kampagne@der-marktgerechte-mensch.org

Mit der Edition Salzgeber haben wir auch einen professionellen Kinoverleih mit im Boot. Er wird „Der Marktgerechte Mensch“ in den deutschen Kinos verbreiten, auch in „Ihrem“ Kino, wenn Sie wollen! Sprechen Sie Ihr Wunschkino an. Den Rest erledigt Salzgeber.

Und nicht vergessen: Sagen Sie uns Bescheid, wo und wann Sie die (Premieren-) Vorführung(en) organisieren wollen – am Premierentag oder auch in der Zeit danach. Je schneller und weitläufiger sich unsere Online-Premierenkarte füllt, je länger die Liste der Vorführungen auf unserer Webseite wird, desto mehr Schwung bekommt die Diskussion und motiviert noch mehr Menschen, sich auch zu engagieren! Verbreiten Sie den Aufruf anbei!

Helfen Sie mit, dass der Film „Der marktgerechte Mensch“ entstehen und ab 16. Januar 2020 in die Kinos kommen kann.

  • Setzen Sie unseren Teaser auf Ihre Webseite oder verbreiten Sie das Material über ihre Mailinglisten, Facebook, Instagram
  • Wenn Sie Kontakt zu Medien haben, initiieren Sie eine Filmrezension.
  • Mit jeder Spende sind Sie Förderer/in der Filme.
  • ab 20€ erhalten Sie eine DVD-Kopie des Films „Der marktgerechte Mensch“ mit der Lizenz zu zwei nichtkommerziellen Vorführungen
  • ab 35€ erhalten Sie die DVD-Kopien der Filme „Der marktgerechte Patient“ und „Der marktgerechte Mensch“   mit der Lizenz zu zwei nichtkommerziellen Vorführungen

Zahlungen bitte auf das Konto: Empfänger: Der marktgerechte Mensch, GLS Bank, IBAN: DE49430609672020346200, BIC: GENODEM1GLS oder auch per PayPal (lesen Sie unsere Datenschutzerklärung )

 

Von uns, den Filmemachern erhalten Sie dafür keine geldwerte Gegenleistung. Aber der VereinGemeingut in BürgerInnenhand ist so freundlich, Ihnen eine DVD  zukommen zu lassen.

Wieviel Markt hält der Mensch noch aus? – Franz J. Hinkelammert – Utopie Kreativ Heft 113 März 2000

Zeitschrift «Utopie Kreativ» (Archiv)
Autor/Innen: Franz J. Hinkelammert
Erschienen: März 2000

Wieviel Markt hält der Mensch noch aus?

Utopie Kreativ Heft 113 März 2000

UTOPIE kreativ, H. 113 (März 2000), S. 223-231

Franz J. Hinkelammert – Jg. 1931; studierte Wirtschafts-wissenschaften in Freiburg, Hamburg und Münster, seit 1963 in Lateinamerika tätig, seit 1976 Professor für Wirtschafts-wissenschaften an den Universitäten Tegucigalpa (Honduras) und Heredia (Costa Rica) sowie Mitarbeiter am Ökumenischen Forschungszentrum (Departamento Ecumenico de Investigaciones, Apartado Postal 389-2070, Sabanilla, San José, Costa Rica); veröffentlichte u.a.: »Die ideologischen Waffen des Todes. Zur Metaphysik des Kapitalismus« (1985) und »Kritik der utopischen Vernunft. Eine Auseinandersetzung mit den Hauptströmungen der modernen Gesellschafts-theorie« (dt. 1994).

Der vorliegende Beitrag wurde erstmals publiziert in: »Junge Kirche. Zeitschrift europäischer Christinnen und Christen«, Heft 5/98 (Mai 1998), S. 265-275.

Am 14. März 2000, 19 Uhr spricht Franz J. Hinkelammert in Rosa-Luxemburg-Stiftung, Franz-Mehring-Platz 1 in Berlin-Friedrichshain zum Thema: Gerechtigkeit – wider den eurozentristischen Blick

Diese Verantwortung ergab sich nicht nur als eine ethische Verantwortung, sondern ebenso sehr als Bedingung der Möglichkeit allen zukünftigen Lebens auf der Erde. Die ethische Forderung und die Bedingung der Möglichkeit des menschlichen Lebens ergaben sich als eine einzige Forderung. Das Ethische und das Nützliche hatten sich vereinigt trotz aller positivistischen Denktraditionen, die seit langem beide Elemente sorgsam zu trennen versuchten.

Aufs neue ergibt sich die Verantwortung des Menschen für die Erde. Aber dieses Mal handelt es sich um eine Verantwortung gegenüber den Auswirkungen der Methoden der empirischen Wissenschaften.

In all den genannten Formen zwingt sich uns die Verantwortung für eine globalisierte Wirklichkeit gleichsam auf, obwohl sich die Verantwortung keineswegs automatisch ergibt. Unsere Gegenwart ist eher durch die Ablehnung oder die Umgehung dieser Verantwortung gezeichnet. Dennoch handelt es sich um eine Verantwortung, der gegenüber es keine Neutralität gibt. Wir sind verantwortlich, auch wenn wir es nicht wollen, selbst wenn wir es nicht können. Lehnen wir die Verantwortung ab, werden wir sie nicht los, sondern sind verantwortungslos. Wir entkommen der Wahl nicht. Entweder machen wir uns verantwortlich für den Globus oder wir nehmen teil an seiner Zerstörung.

Aber wenn ich mich als Teil der Menschheit oder als Subjekt einer Reihe von menschlichen Generationen verstehe, ist dieser zynische Ausweg der Verantwortungs-losigkeit verschlossen. Dann muß ich die Verantwortung übernehmen. Ethik und Nützlichkeit vereinigen sich und stehen damit im Widerspruch zum Nutzenkalkül. (…)

Die Zerreißprobe als Grenze

Der General Massis (gemeint wohl: MASSU StB), der die militärischen Operationen während des Algerienkrieges leitete, sagte: »Die Folter ist effizient, folglich ist sie notwendig.« Von der Effizienz geht er über zur Notwendigkeit. Aber eine solche Effizienz ist nur möglich dadurch, daß man bis an die Grenze des Möglichen vorstößt. Die Folter ist nur effizient, wenn sie den Gefolterten bis zur Grenze des Erträglichen treibt.

Es ist wie bei der Materialzerreißprobe. Man weiß die Grenze niemals ex ante. Reißt das Material, weiß man, daß man die Grenze der Belastbarkeit überschritten hat, das heißt, man weiß es ex post. Im Fall des Materials weiß man jetzt, bis zu welchem Punkt man es belasten kann.

Im Falle der Folter aber ist das anders. Überschreitet man die Grenze, ist der Gefolterte tot. Aber die Grenze der Belastbarkeit kann man nur wissen, indem man sie überschreitet. Dieses Wissen kann man allerdings, im Unterschied zur Materialzerreißprobe, nicht mehr anwenden. Die Effizienz aber braucht diesen Begriff der Grenze und braucht die Vorstellung, die Probe bis zur Grenze zu treiben.

Diese Vorstellung der Folter ist bereits in der Wiege der Erfahrungswissenschaften zu finden. Vor mehr als 300 Jahren kündigte Francis Bacon die Naturwissenschaften mit dieser Vorstellung an: ›Man muß die Natur auf die Folter spannen, bis sie ihre Geheimnisse preisgibt.‹ Er faßte die Naturwissenschaften als ununterbrochene Vivisektion der Natur auf. Ganz wie der General Massis hätte auch er sagen können: »Die Folter ist effizient, folglich ist sie notwendig.«

Auf die Frage eines Journalisten: »Was wird also Ihrer Ansicht nach in einer modernen globalisierten Wirtschaft geschehen?« antwortet Thurow: »Wir testen das System? Wie tief können die Löhne fallen, wie hoch kann die Arbeitslosenquote steigen, ehe das System bricht. Ich glaube, daß die Menschen sich immer mehr zurückziehen … Ich bin überzeugt daß der Mensch in der Regel erst dann die Notwendigkeit einsieht, Dinge zu ändern, wenn er in eine Krise gerät« (Spiegel 40/96, S. 146).

Das ist die Materialzerreißprobe, jetzt angewendet auf die zwischenmenschlichen Beziehungen. Denn es wird nicht einfach das System getestet, sondern alle Menschlichkeit.

Darauf folgt dann die Frage eines Journalisten: »Wieviel Markt hält Demokratie aus?« Und eine Zeitschrift fragt: »Wieviel Sport ertragen die Alpen?«

Alles wird gefoltert, alles wird der Zerreißprobe ausgesetzt: die Natur, die zwischenmenschlichen Beziehungen, das Leben und der Mensch selbst. Der Nutzenkalkül erfaßt alles und in seiner Konsequenz zerstört er alles.

weitere Schriften von Franz Josef Hinkelammert
Der Rechtsstaat ohne Menschenrechte und die Aushöhlung unserer Demokratie; Aufsatz, 22 S., Mai 2005;
URL: www.rosalux.de/publication/16683/der-rechtsstaat-ohne-menschenrechte-und-die-aushoehlung-unserer-demokratie.html
pdf-Datei: www.rosalux.de/fileadmin/rls_uploads/pdfs/Hinkelammert_Rechtsstaat.pdf

Ulrich DUCHROW: Theologische Alternativen zum globalen Kapitalismus – Franz J. HINKELAMMERT: Der Kapitalismus als Religion; Paper, 28 S., Mai 2013, URL: www.rosalux.de/publication/39811/theologische-alternativen-zum-globalen-kapitalismus-der-kapitalismus-als-religion.html
pdf-Datei: www.rosalux.de/fileadmin/rls_uploads/pdfs/rls_papers/Papers_TheologAlternativen.pdf