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Mathias BROECKERS: Herzland, Weltinsel und die “Novichok”-Saga, 07.04.2018

globalcrisis/globalchange NEWS
Martin Zeis 18.04.2018. 19:00
martin.zeis@gmxpro.net
In einem seiner letzten Blogeinträge „Herzland, Weltinsel und die “Novichok”-Saga“ hat Mathias Bröckers zum wiederholten Mal auf die große geopolitische Konzeption hingewiesen, die in letzter Konsequenz den Aktionen Großbritanniens und der USA seit Anfang des 20. Jahrhunderts zugrunde liegt: die geopolitische „Heartland“-Theorie des britischen Geographen und Direktors der „London School of Economics“ Mackinder.
„Wer dieses Herzland, das Zentrum des eurasischen Kontinents beherrscht, beherrscht die Welt, so Mackinders These, und da durch die kommenden Technologien der Eisenbahnen und des Automobils der Handel und Wandel zwischen Europa und Asien unausweichlich sei, wäre das auf seiner Seeherrschaft beruhende britische Weltreich chancenlos, vor allem wenn das rohstoffreiche Russland mit dem industriestarken Deutschland zusammenwachse. »Wer Osteuropa regiert, beherrscht das Heartland; wer das Heartland regiert, beherrscht die Weltinsel; wer die Weltinsel regiert, beherrscht die Welt.«, brachte Mackinder seine Theorie 1919 auf den Punkt, nachdem er zuvor noch erfolglos versucht hatte, die Weiße Armee des Zaren gegen die von Deutschland finanzierten Bolschewiken Lenins aufzurüsten.“
Es geht verstärkt nach der Auflösung der Sowjetunion „noch immer um das Heartland (..), um Mackinders “Weltinsel”, die auf keinen Fall zusammen wachsen darf: mit der globalen Dominanz des anglo-amerikanischen Imperiums hat es ein Ende, wenn auf der Achse Paris – Berlin – Moskau – Peking Friede, Handel und Wandel ausbricht.
Dies mit Nadelstichen, Konfrontationen und Krieg zu verhindern steht nach wie vor auf der Agenda des Imperiums – und bildet auch den logischen Hintergrund von scheinbar irrsinnigen Operationen wie dieser ganzen “Novichok”-Saga …“

Herzland, Weltinsel und die “Novichok”-Saga

Posted on 07/04/2018 by Mathias Broeckers

Wer die “Pivot Area”, den Drehpunkt beherrscht, beherrscht die Welt
In der aktuellen Ausgabe von “Lettre International” (No.120/Frühjahr 2018) ist erstmals auf Deutsch der Aufsatz „Der geographische Drehpunkt der Geschichte“ erschienen, den der britische Geograph und Direktor der “London School of Economics” 1904 veröffentlichte, der Schlüsseltext seiner geopolitischen “Heartland”-Theorie. Wer dieses Herzland, das Zentrum des eurasischen Kontinents beherrscht, beherrscht die Welt, so Mackinders These, und da durch die kommenden Technologien der Eisenbahnen und des Automobils der Handel und Wandel zwischen Europa und Asien unausweichlich sei, wäre das auf seiner Seeherrschaft beruhende britische Weltreich chancenlos, vor allem wenn das rohstoffreiche Russland mit dem industriestarken Deutschland zusammenwachse. »Wer Osteuropa regiert, beherrscht das Heartland; wer das Heartland regiert, beherrscht die Weltinsel; wer die Weltinsel regiert, beherrscht die Welt.«, brachte Mackinder seine Theorie 1919 auf den Punkt, nachdem er zuvor noch erfolglos versucht hatte, die Weiße Armee des Zaren gegen die von Deutschland finanzierten Bolschewiken Lenins aufzurüsten.
In “Wir sind die Guten” habe ich ausführlich über die Bedeutung dieses Grundlagentextes der westlichen Geopolitik und die Linien geschrieben, die sich von dort aus über Hitlers Geostrategen Karl Haushofer zu Zbiginew “Zbig To Jail” Brzezinski und die aktuelle Politik des US-Imperiums ziehen, das pünktlich 110 Jahre nach Mackinders Vortrag – und nicht zufällig an einem zentralen Achsenpunkt des “Heartlands” – einen Putsch in der Ukraine inszenierte. Über die Aktualität Mackinders schreibt in “Lettre” jetzt auch der Historiker Alfred McCoy, dessen eminentes Grundlagenwerk “Die CIA und das Heroin -Weltpolitik durch Drogenhandel” für ein Verständnis der aktuellen internationalen Konflikte und Kriege unverzichtbar ist. Ebenso wie eine Kenntnis der Generalstrategie im “Great Game”, die auf Mackinder zurückgeht und im geopolitischen Match auf dem “eurasischen Schachbrett” (Brzezinski) nach wie vor auf der Agenda steht.
Auf diesem Hintergrund kann man dann auch den ganzen Irrsinn der Tagesnachrichten ein wenig besser verstehen, etwa warum aus Afghanistan immer neue Produktionsrekorde für Opium und Heroin gemeldet werden, während in USA Tausende an dieser Überproduktion krepieren; oder warum eine Gas-Pipeline zwischen Russland und Deutschland (Nord Stream 2) ein “Problem” darstellen soll, während der ökonomische und ökologische Hochgrad-Schwachsinn, Fracking-Gas mit Riesentankern von Amerika nach Europa zu schippern, von der EU gefördert wird. Oder warum Polen sich von den USA für irrsinige Milliarden “Patriot”-Luftabwehr andrehen lässt, die “gegen die Russen” und ihre neuen Hyperschall-Raketen sowieso keine Chance haben. (…).
vollständiger Text abrufbar unter: https://www.broeckers.com/2018/04/07/herzland-weltinsel-und-die-novichok-saga
Anmerkung m.z.: Die seit 2013 öffentlich erklärte und zunehmend reale Konturen annehmende eurasische Entwicklungsstrategie/-Politik Chinas in engem Verbund mit Russland über Eisenbahnschnellverbindungen, Wirtschaftskorridore, Öl-/Gas-Pipelines, Seeverbindungen (auch über die arktische Nord-Ost-Passage) ganz Asien mit Europa eng zu vernetzen (Seidenstraßenprojekte zu Land und zu Wasser – OBOR – One Road – One Belt) zeigt an, dass die Eliten dieser Länder nach über einem Jahrhundert der Kriege, Spaltungen und Zerwürfnisse den Kern von Mackinders Weltbeherrschungs-Theorie verstanden haben und deshalb fortgesetzt auf immer erbitterteren Widerstand (militärisch, finanztechnisch, handelspolitisch) des Imperiums stoßen.
In einem kürzlich erschienenen Buch von Stefan Baron und Guangyan Yin-Baron „Die Chinesen – Psychogramm einer Weltmacht“ (Econ – Berlin 2018) schreiben die Autoren im Schlusskapitel „Konvergenz, Koexistenz oder Kampf der Kulturen?“ an die europäischen Eliten gerichtet u.a.:
„Besonders seit Trumps Amtsantritt sind in den USA Kräfte auf dem Vormarsch, die Peking wie einst Moskau niederringen und den endgültigen Sieg als Vormacht des westlichen Lagers und dominierende Weltmacht errichten wollen. ‚,Ich möchte’’ so der ehemalige Präsidentenberater Bannon gegenüber dem Economist, ,,dass die Welt in 100 Jahren zurückschaut und sagt, Chinas merkantilistisches, konfuzianisches System hat verloren. Der liberale jüdisch-christliche Westen hat gewonnen.“
Von Europa, insbesondere Deutschland verlangen die Autoren eine der Ostpoltik unter Brandt entsprechende Fernostpolitik, deren Ziel es sein müsse, „den geopolitischen Konflikt zwischen Peking und Washington zu entschärfen und zu verhindern, dass die Thukydides-Falle * zuschnappt oder es auch nur zu einem offenen Handelskrieg bzw. neuen Kalten Krieg kommt. Europa darf bei dem Ringen um die Weltordnung der Zukunft nicht an der Außenlinie verharren und dessen Ausgang abwarten, sondern muss Partei ergreifen. Partei für eine wahrhaft multipolare Ordnung: kein US-Monopol mehr, kein neues China-Monopol, auch kein Duopol von China und den USA, sondern eine Ordnung, die global für mehr Mitbestimmung, Wettbewerb und Gerechtigkeit sorgt und in der auch Deutschland und Europa weiter einen wichtigen Platz einnehmen.“ (Baron, a.a.O., S. 419 – 421)
* In Anlehnung an den „Peloponnesischen Krieg, in dem das um seine Vormachtstellung fürchtende Sparta im Altertum das aufsteigende Athen zerstörte und ganz Griechenland ruinierte. „Was den Krieg unvermeidlich machte, war der Aufstieg Athens und die Angst, die das in Sparta hervorrief“, so der griechische Geschichtsschreiber Thukydides. Diese Konstellation wird daher als „Thukydides-Falle“ bezeichnet. (vgl. Baron, a.a.o., S 12 ff)

Greek Bank Will Write Off Up To €20,000 In Debt For „Poverty-Stricken“ Borrowers

zerohedge, Apr 23, 2015  —  http://www.zerohedge.com/news/2015-04-23/greek-bank-will-write-€20000-debt-poverty-stricken-borrowers-greece-uses-russian-piv
Greek Bank Will Write Off Up To €20,000 In Debt For „Poverty-Stricken“ Borrowers
Quotation
… earlier today (23.04.2015) Greek FinMin Yanis Varoufakis told a French magazine that the risk that Greece would have to leave the euro if it has to accept more austerity is no bluff, saying that no one could predict what the consequences of such an exit would be.
Or, back to square one, which as we explained in February, is a battle of leverage: is the threat to Europe from a Grexit higher than the threat to Greece from ending up without funds.
   In a conversation with philosopher Jon Elster conducted at the end of March and published in France’s Philosophie Magazine, Varoufakis, a specialist in game theory, said this was not the time to bluff over Greece’s debt talks.
   „We cannot bluff anymore. When I say that we’ll end up leaving the euro, if we have to accept more unsustainable austerity, this is no bluff,“ Varoufakis is quoted as saying.
   Greek Prime Minister Alexis Tsipras called for a speeding up of work to conclude a reform-for-cash deal with euro zone creditors to keep his country afloat after talks with German Chancellor Angela Merkel on Thursday.
   The leftist Greek premier met the conservative German leader a day before euro zone finance ministers meet in Riga to review progress – or the lack of it – in slow-moving negotiations between Athens and its international lenders.   (…)
The increasing pivot by Greece toward the Kremlin has also been extensively covered here, most recently in the form of a near-agreement between Athens and Gazprom to launch the Turkish Stream pipeline, a deal that would also see Russia giving Greece a €5 billion loan. It is precisely the threat that Russia will bypass Ukraine entirely and provide all of Europe’s gas via the Turkish Stream, that has finally gotten Europe’s, and America’s, attention.
According to the Telegraph’s Ambrose Evans-Pritchard, „the US is scrambling to head off a Greek pipeline deal with Russia, fearing a disastrous change in the strategic balance of the Eastern Mediterranean as Greece’s radical-Left government drifts into the Kremlin’s orbit.“
Ernest Moniz, the US Energy Secretary, said his country is pushing for an alternative gas pipeline from Azerbaijan that would help break the stranglehold that Russian state-controlled firm Gazprom has on European markets.
“Diversified supplies are important and we strongly support the ‘Southern Corridor’ to bring Caspian gas to Europe,” he told a group of reporters on the margins of CERAWeek oil and gas forum in Houston. He insisted that it was vital to uphold “collective energy security” in Europe.
The concern is that Syriza’s flirtation with Moscow goes beyond normal diplomacy and may evolve over time into a strategic shift, causing Nato’s Eastern flank to unravel, and dooming any chance of maintaining a united EU stance against Mr Putin.
The Greeks know this. They seem determined to extract the maximum political leverage from the new Cold War. *
How this all plays out is still unclear with constantly moving pieces and negotiations in flux, although with Greece having run out of money and forced to impose soft capital controls **, two things are certain: a conclusion will have to be reached soon and should Greece complete its pivot toward Russia, everything in Europe will change, and in this case we wholeheartedly agree with the Greek finmin’s assessment that „anyone who pretends they know what would happen the day we’ll be pushed over the cliff is talking nonsense.“
*  Ambrose EVANS-PRITCHARD: US alarmed by Greek energy alliance with Russia —  American pushes for an alternative gas pipeline from Azerbaijan that would help break the stranglehold that Russia has on European markets; The Telegraph, Apr 23, 2015:  URL: http://www.telegraph.co.uk/finance/economics/11559497/US-alarmed-by-Greek-energy-alliance-with-Russia.html
**  http://www.zerohedge.com/news/2015-04-20/did-greece-just-launch-capital-controls-mandatory-cash-transfer-decreed
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Martin Zeis
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