Die Runen des Krieges lesen

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strategic-culture.org

Quelle: https://www.strategic-culture.org/news/2022/07/18/reading-the-runes-of-war/

Die Runen des Krieges lesen

Alastair Crooke

37-47 Minuten

18. Juli 2022

© Foto: REUTERS/Alexander Ermochenko

Putins Politik der Säuberung des Augiasstalls vom „räuberischen westlichen Kapital“ ist Musik in den Ohren des globalen Südens, schreibt Alastair Crooke.

Natürlich ist der Konflikt im Grunde genommen beigelegt, aber noch lange nicht vorbei. Es ist klar, dass Russland den militärischen Krieg – und auch den politischen Krieg – gewinnen wird. Damit ist gemeint, dass alles, was in der Ukraine nach Abschluss der Militäraktion entsteht, von Moskau zu seinen Bedingungen diktiert werden wird.

Es liegt auf der Hand, dass einerseits das Regime in Kiew zusammenbrechen würde, wenn es sich die Bedingungen von Moskau diktieren ließe. Andererseits würde auch die gesamte westliche Agenda, die hinter dem Maidan-Staatsstreich von 2014 stand, implodieren. (Aus diesem Grund ist ein Ausweg ohne eine ukrainische Niederlage so gut wie unmöglich).

Dieser Moment markiert also einen entscheidenden Wendepunkt. Eine Möglichkeit für die Amerikaner könnte darin bestehen, den Konflikt zu beenden – und es gibt viele Stimmen, die eine Einigung oder einen Waffenstillstand fordern, mit der verständlicherweise humanen Absicht, das sinnlose Abschlachten ukrainischer junger Männer zu beenden, die an die „Front“ geschickt werden, um unhaltbare Stellungen zu verteidigen, nur um zynisch und ohne militärischen Nutzen getötet zu werden, nur um den Krieg am Laufen zu halten.

Auch wenn das Argument für einen Abzug rational ist, geht es an der größeren geopolitischen Bedeutung vorbei: Der Westen ist so sehr in seine phantastische Erzählung vom unmittelbar bevorstehenden Zusammenbruch und der Demütigung Russlands verstrickt, dass er sich selbst „festfährt“. Er kann nicht vorankommen, weil er befürchtet, dass die NATO der Aufgabe, den russischen Streitkräften entgegenzutreten, nicht gewachsen sein könnte (Putin hat darauf hingewiesen, dass Russland noch nicht einmal damit begonnen hat, seine volle Schlagkraft einzusetzen). Und doch würde ein Einlenken, ein Zurückweichen, einen Gesichtsverlust bedeuten. (…)

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