Die Friedensbewegung am Scheideweg

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Vortrag gehalten am 26.03.2022
Veranstaltung der Regionalgruppe RotFuchs Bernau / TAG der GRH e.V. Bernau bei
Berlin


Die Friedensbewegung am Scheideweg
von Doris Pumphrey
In den letzten Jahren wurde immer wieder konstatiert und kritisiert, dass die
Friedensbewegung schwach sei, nur noch Wenige zu Aktionen kommen. Sie spiele in der
öffentlichen Wahrnehmung keine nennenswerte Rolle.
In einem Artikel Im Oktober 21 über die große Friedensdemonstration in Bonn 1981, fragte
der Konfliktforscher Dr. Leo Ensel, wo die Aktivisten von damals geblieben seien. „Ob sie
denn meinten, sie hätten mit ihrem damaligen Engagement ihr friedenspolitisches Soll für
den Rest ihres Lebens abgeleistet.“
Nein, das meinen sie nicht, denn ein erheblicher Teil von ihnen ist auch heute noch an
vorderster Front der Friedensbewegung aktiv. Selbst viele Strukturen der damaligen
Friedensbewegung mit ihren engagierten Mitstreitern existieren weiter. Das Problem liegt
woanders, aber dazu kommen wir noch.
Wer oder was ist die Friedensbewegung?
Ich muss vorausschicken: Wenn ich in diesem Vortrag von DER Friedensbewegung
spreche, dann ist das nur ein verallgemeinernder Begriff, der nicht automatisch alle Teile
einschließt, denn die Friedensbewegung ist weder eine Organisation noch ein Bündnis per
se. Sie setzt sich aus verschiedenen bundesweiten oder lokalen Organisationen, Gruppen
und Netzwerken zusammen, mit z.T. auch unterschiedlichen Schwerpunkten und
politischen Sichtweisen. Untereinander werden auf lokaler und bundesweiter Ebene auch
Bündnisse geschlossen z.B. für einen gemeinsamen Aufruf und/oder eine gemeinsame
Aktion.
Aktivisten der Friedensbewegung, die aus der Erfahrung der DDR kommen, verstehen oft
nicht die Schwierigkeiten und langwierigen Diskussionen, die damit verbunden sind. Zum
einen sollten die unterschiedlichen Voraussetzungen nicht vergessen werden: Auf der
einen Seite die DDR als sozialistischer Staat, dem Anti-Imperialismus, der
Völkerfreundschaft, der Lösung der Probleme auf diplomatischem Weg und dem Frieden
verpflichtet. Sie war ein Verbündeter im Friedenskampf in der BRD. Auf der anderen Seite
die imperialistische BRD im Aggressionsbündnis NATO, gegen deren Aufrüstung,
Unterstützung von Aggressionen und Interventionen eine Friedensbewegung kämpfen
muss.
Bei der heterogenen Zusammensetzung der Friedensbewegung, besteht die Schwierigkeit
meist darin, einen Minimalkonsens zu finden, vor allem wenn ein Bündnis angestrebt wird.
Der Konsens ist einfacher, wenn es um Militär- und Rüstungsmaßnahmen geht, die das
eigene Land betreffen. (…)

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